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Fortsetzung im Kindesmissbrauchsprozess
Pflegevater sieht sich als Opfer

Im Landgericht wurde der Prozess gegen einen Mann, der sein Pflegekind sexuell missbraucht haben soll, am Freitag fortgesetzt.
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  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

ihm Siegen/Kirchhundem. Die ersten Sätze des Angeklagten kommen stockend und gepresst: „Ich streite komplett alles ab, ich habe letztendlich nichts getan.“ Und dann, mühsam die Tränen zurückhaltend: „Ich würde mein Leben für die Kinder geben.“

Im Laufe der ausführlichen Vernehmung aber ändert Torsten H., des schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Pflegetochter angeklagt, gestern im Siegener Landgericht sein Auftreten vollkommen. Immer sicherer, immer gewandter berichtet er von dem Familienleben in dem kleinen Kirchhundemer Dorf. Drei Pflegekinder und ein eigenes Kind hat das Ehepaar, das inzwischen in Scheidung lebt. Torsten H. schildert flüssig und lebhaft Dialoge mit der Ehefrau, übernimmt deren Diktion sogar in kleinen schauspielerischen Einlagen, die er gestisch untermalt.

ihm Siegen/Kirchhundem. Die ersten Sätze des Angeklagten kommen stockend und gepresst: „Ich streite komplett alles ab, ich habe letztendlich nichts getan.“ Und dann, mühsam die Tränen zurückhaltend: „Ich würde mein Leben für die Kinder geben.“

Im Laufe der ausführlichen Vernehmung aber ändert Torsten H., des schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Pflegetochter angeklagt, gestern im Siegener Landgericht sein Auftreten vollkommen. Immer sicherer, immer gewandter berichtet er von dem Familienleben in dem kleinen Kirchhundemer Dorf. Drei Pflegekinder und ein eigenes Kind hat das Ehepaar, das inzwischen in Scheidung lebt. Torsten H. schildert flüssig und lebhaft Dialoge mit der Ehefrau, übernimmt deren Diktion sogar in kleinen schauspielerischen Einlagen, die er gestisch untermalt. Von Unsicherheit ist da nichts mehr zu spüren. Die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach muss nur wenige Zwischenfragen stellen.

"Ausschweifendes Sexualleben" aufgegeben

Ein roter Faden aber zieht sich durch die Aussage des Mannes, der das achtjährige Mädchen mit erheblicher Gewalt missbraucht haben soll: Er selbst weist jegliche Verantwortung für Probleme in der Familie von sich. Seine Frau sei „fast depressiv“, Erziehungsschwierigkeiten habe es gegeben, weil sie zu nachgiebig sei. Sie habe sich phasenweise kaum um die Kinder gekümmert, er habe alles machen müssen. Torsten H. sieht sich in der Opferrolle – zumindest versucht er diesen Eindruck zu erwecken.
Als es um Sexualität geht, erfährt die 1. große Strafkammer vom Angeklagten, dass das Ehepaar ein „ausschweifendes Sexualleben“ geführt habe. Die später als Zeugin aussagende hochschwangere Ehefrau – sie erwartet von ihrem neuen Freund Zwillinge – schildert das anders. Sie habe zwar auch einmal die von ihrem Mann bevorzugten sexuellen Praktiken ausprobiert, „aber das war nicht meine Welt“.

Einschlägige Gegenstände gefunden

Torsten H. räumt auf Befragen seines Anwalts Klaus Söbke ein, dass er früher in Frauenkleidern in die Öffentlichkeit gegangen sei: „So hat mich meine Frau auch kennengelernt.“ Als aber die Kinder ins Haus kamen, habe man beschlossen, diese „Ausschweifungen“ zu beenden. Die zugehörigen Utensilien habe man weggepackt und nie mehr hervorgeholt. Im Zuge der Hausdurchsuchungen wegen des Missbrauchsverdachts waren allerdings einschlägige Gegenstände im Zimmer des Angeklagten und auf dem Dachboden gefunden worden.

Die finanzielle Basis der sechsköpfigen Familie bestand offenbar fast ausschließlich aus dem Pflegegeld – rund 3500 Euro jeden Monat. Weitere Einkünfte kamen nicht oder nur sporadisch, eine feste Arbeit hatten die Eheleute nicht.

Befangenheitsantrag wegen Berichterstattung

Bevor am kommenden Freitag, 7. August, um 9.30 der Prozess fortgesetzt wird, muss das Landgericht über einen Befangenheitsantrag gegen die Mitglieder der Kammer entscheiden. Anwalt Klaus Söbke begründete den Antrag mit der Vorberichterstattung in einer Zeitung. Hier seien Vorverurteilungen auch seitens des Gerichtssprechers erfolgt, eine unbefangene Bewertung der Sachlage sei deshalb nicht mehr möglich.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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