Philharmonisches Rom-Bild

Konzert der Philharmonie Südwestfalen erzeugte Vorstellungen vor geistigem Auge

ars Siegen. Rom gilt manchen Menschen als die heimliche Welthauptstadt. Andere sehen sie zwischen Größe, Schmutz und Melancholie oszellieren. Ohne je wie etwa Athen, Florenz, Jena und Weimar geistig führend gewesen zu sein, geht von Rom eine Suggestion aus, die zu allen Zeiten Künstler inspirierte, Idee und Wirklichkeit Roms in einem Werk zu bannen. Im Konzert der Philharmonie Südwestfalen/Landesorchester NRW in Zusammenarbeit mit dem Philharmonischen Orchester Hagen unter der Leitung von Sebastian Weigle standen in der nicht ganz voll besetzten Siegerlandhalle vier Kompositionen auf dem Programm, die Rom beschreiben (Georges Bizet, »Roma«-Sinfonie C-Dur von 1869 und Ottorino Respighis sinfonische Dichtung »Feste romane« aus dem Jahr 1928) oder aber in Rom spielen (Richard Wagner Ouvertüre zur Oper »Rienzi, der letzte der Tribunen« (1840) und Hans Pfitzners Vorspiele zum l. und 3. Akt der Oper »Palestrina« aus dem Jahr 1917).

Vier verschiedene Rom-Bilder aus knapp 90 Jahren, zwei deutsche, ein französisches, ein italienisches, das müsste doch eine Gewinn bringende Annäherung an Idee und Wirklichkeit von Rom erlauben!? Die auf dem Papier überzeugende Programmidee ließ sich im Konzertsaal nicht einlösen. Das lag nicht am zumeist überzeugend das Plastische und Farbige herausarbeitenden Orchester, lag nicht am Dirigenten, der sehr genau den je verschiedenen Tonfall hervorlockte, Anteilnahme und Sachlichkeit ausstrahlte, lag auch nicht an den akustischen Begebenheiten eines auf der Bühne der Siegerlandhalle notgedrungen etwas zu weit auseinandergezogenen großen Orchesters. Woran dann?

Wagners früher »Rienzi« im Stile der Grand Opera und Pfitzners »Palestrina« spielen nur in Rom. Nicht Rom, sondern der Konflikt zwischen einem genialen Künstler und der gesellschaftlichen Wirkung von (Kirchen-)Musik sind Gegenstand in den »Palestrina«-Vorspielen, die langsam und ruhig einen Kosmos herber Schönheit entfalten, dem sich die Zuhörer nicht zu entziehen vermochten. Die für eine Oper über alle Maßen ernsten und feierlichen Vorspiele führten beim Publikum zu einem verzögerten Beifall.

Wie anders dann das sich anschließende sinfonische Rom-Gemälde von Respighi! »Circenses« entfalten mit Klangmassierungen, einer Konzertorgel und viel Blechbläser- und Schlagzeuger-Einsatz eine Wucht und vordergründige Dramatik, die an Kämpfe in der antiken Arena erinnern sollen, im Ergebnis eine gelungene Musik zu einem Sandalenfilm, überleitend zu einem mittelalterlichen, träge sich fortschleppenden Pilgerzug, dessen frommer Gesang in Rom-Rufe übergeht, nicht nur mit impressionistischen, sondern auch mit naturalistischen Mitteln ausgebreitet und in allen Instrumenten hervorragend in Szene gesetzt.

Nach einem ländlichen Weintest kommt es zum Showdown der Dreikönigsnacht auf der Piazza Navona: ein ohrenbetäubenden Lärm erzeugendes Durcheinander, eine schweißtreibende Schwerstarbeit für das Orchester, vom Dirigenten erstaunlich sachlich-kraftvoll gestaltet, auch in der Körpersprache gemessen und nicht mitschwimmend im Trubel.

Wagners Ouvertüre und Bizets Sinfonie gaben Gelegenheit, die Orchesterkultur und die Ausgewogenheit der Instrumentengruppen zu bewundern. Ob energisch druckvoll oder ausgreifend dahinfließend, die dynamischen Abstufungen und das Herausarbeiten der Farbwerte gelangen gut – besonders wichtig bei einem Programm, das vom musikalischen Umsetzen von Bildern lebte. Der Dirigent und das Orchester wurden abschließend stürmisch gefeiert, weil die Kolorierung der Rom-Bilder ohne Abstriche ein Ohrenschmaus war und eine lebhafte Vorstellung vor dem geistigen Auge erzeugte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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