Physiker haben den Durchblick

 Vom Rohling zur fertigen Brille braucht es noch einige Schritte: Augenoptikerin Barbara Brüggemann erläuterte den Prozess von der Vermessung, über das Schleifen bis hin zur fertigen Brille. Fotos: Timo Karl   Unterricht zum Anfassen: Die jungen Physiker lernten nicht nur den theoretischen Produktionsprozess einer Brille, sondern verfolgten ihn auch in praktischer Weise nach.  Die Anprobe gefiel: Im Rahmen ihrer Exkursion testeten die Schüler verschiedene Modelle selbst aus – und waren von den persönlichen optischen Ergebnissen durchaus angetan.
  • Vom Rohling zur fertigen Brille braucht es noch einige Schritte: Augenoptikerin Barbara Brüggemann erläuterte den Prozess von der Vermessung, über das Schleifen bis hin zur fertigen Brille. Fotos: Timo Karl Unterricht zum Anfassen: Die jungen Physiker lernten nicht nur den theoretischen Produktionsprozess einer Brille, sondern verfolgten ihn auch in praktischer Weise nach. Die Anprobe gefiel: Im Rahmen ihrer Exkursion testeten die Schüler verschiedene Modelle selbst aus – und waren von den persönlichen optischen Ergebnissen durchaus angetan.
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tika - Grau ist alle Theorie: Unterricht zum Anfassen erlebten gestern 27 Schüler der Realschule Erndtebrück. Gemeinsam mit Physiklehrerin Karin Schmidt begaben sie sich auf Exkursion zu Optik Lange nach Bad Berleburg. „Schule findet nicht isoliert, sondern mitten im Leben statt. Wir wollen den Kindern daher möglichst viele Begegnungen mit der Außenwelt ermöglichen“, erklärte die Fachlehrerin im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Und tatsächlich erhielten die Schüler einen fundierten Einblick in den Beruf des Augenoptikers – auf überaus praktische Weise.

Vom ersten Vermessen der Augen, über die Bestellung der Brille bis hin zu ihrer Anfertigung hatten die Schüler die Möglichkeit, jeden Schritt genauer zu betrachten. Eine Thematik, die ins Unterrichtskonzept der Realschule Erndtebrück passte, denn die Siebtklässler hatten sich im Vorfeld eingehend mit dem Thema Optik auseinandergesetzt. „Das war letztlich eine Simulation der Praxis. Es passte allerdings gut zusammen, die Thematik in den Kontext des Berufs des Augenoptikers zu stellen. Unser erster Gedanke war es daher, einen Augenoptiker für einen Vortrag im Unterricht einzuladen. Optik Lange hat uns stattdessen eingeladen, damit die Kinder sehen können, was vor Ort passiert“, berichtete Karin Schmidt.

Die Lehrerin sowie das Team des Fachgeschäfts an der Poststraße kombinierten gewissermaßen also Unterricht mit einer ersten Berufsfelderkundung – die tatsächlich Erkundung findet an der Realschule Erndtebrück in der 8. Klasse statt. Gut möglich, dass im kommenden Schuljahr einige Schüler dann auch in den Beruf des Optikers hineinschnuppern. „Erste Berührungsängste lassen sich mit einer solchen Exkursion abbauen. Der Weg, sich ein Praktikum oder später sogar einmal eine Ausbildung in diesem Bereich zuzutrauen, ist dann wesentlich kürzer“, wusste Karin Schmidt. Die Physiklehrerin verfolgte die Ausführungen der Fachkräfte selbst gespannt. „Da sind letztlich auch für mich persönlich einige neue Informationen dabei“, erklärte die Lehrkraft.

Insgesamt 15 Mitarbeiter zählt Optik Lange derzeit an seinen Standort, darunter sind fünf Augenoptikermeister – und momentan vier Auszubildende. Auch sie waren gestern dabei und erläuterten den Schülern ihre Tätigkeit und ihren bisherigen Werdegang. Für das Gros der Schüler war die „Werkstatt“ besonders interessant. Denn nach der Vermessung der Augen und der Auswahl eines Brillengestells, nach Klärung der Details und letztlich nach Aufgabe der Bestellung für eine Brille, beginnt die Anfertigung. Augenoptikerin Barbara Brüggemann erläuterte dabei den Herstellungsprozess eingehend.

Zur Anfertigung einer Brille erhält sie entsprechende Rohlinge – sogenannte Plusgläser für weitsichtige und Minusgläser für kurzsichtige Kunden. Diese misst sie dann mittels moderner Soft- und Hardware genau aus, scannt Gläser und Brillengestell ein und lässt die Rohlinge dann passgenau schleifen – alles vollautomatisch. Angehende Augenoptiker erlernen diesen Prozess im Rahmen ihrer Ausbildung manuell – von der Herstellung eines Brillengestells, bis hin zur Anfertigung der Brillengläser arbeiten sie alles per Hand aus. „Der maschinelle Schliff erfolgt immer unter Zugabe von Wasser, ansonsten käme es zum Funkenflug“, erläuterte Barbara Brüggemann – und machte damit zugleich deutlich, mit welcher Geschwindigkeit die Maschinen arbeiten. Ein einzelnes Glas ist in rund einer Minute geschliffen. Von der Bestellung bis zur fertigen Brille dauert es allerdings dennoch rund eine Woche, zumal in dieser Zeit auch der Postweg für die Lieferung des entsprechenden Rohmaterials eingerechnet ist.

Durchaus komplex – ebenso wie die Vermessung der Augen und die Bestimmung der Sehstärke im Vorfeld. Mittels moderner Computer und Software bestimmen die Augenoptikermeister Sehstärke und alle weiteren erforderlichen Werte – etwa die Krümmung der Hornhaut – detailgenau. Nur auf diese Weise ist gewährleistet, dass Brille oder Kontaktlinsen später passgenau sind. Schon kleinste Verschiebungen stören beim Sehen beträchtlich. Für die Wahl des richtigen Materials für Kontaktlinsen etwa ist unter anderem entscheidend, wann der sogenannte Tränenfilmaufriss auf dem Auge eintritt – der Zeitpunkt also, zu dem der geschlossene Tränenfilm zur Befeuchtung des Auges nach dem Blinzeln reißt.

„Es gibt Menschen, die eine Sehstärke von bis zu 200 Prozent haben – was rein rechnerisch eigentlich nicht möglich ist, in diesem speziellen Falle allerdings sehr wohl. Und es gibt Menschen, die verfügen nur noch über zehn oder 20 Prozent ihres Sehvermögens“, erläuterte Helmut Homrighausen. Grundsätzlich, so der Augenoptikermeister, gibt es für fast jeden Fall eine Lösung. Aber: „Wenn die Netzhaut kaputt ist, hilft die beste Brille nicht mehr.“ Ansonsten allerdings sind die Kompetenzen eines Optikers durchaus weitreichend.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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