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Streit um Corona-Impfung für Kinder
Piksen ja oder nein?

Die Siegener Ärzte sind sich einig darüber, dass Kinder bei Corona-Impfungen nicht mit Vorrang behandelt werden sollten.
  • Die Siegener Ärzte sind sich einig darüber, dass Kinder bei Corona-Impfungen nicht mit Vorrang behandelt werden sollten.
  • Foto: Kinderklinik
  • hochgeladen von Marc Thomas

pm Siegen. Ein kleiner Piks mit großer Bedeutung: Seit der Zulassung der ersten Impfstoffe gegen Covid-19 und dem Beginn der Impfung von Hochrisikopatienten ist das Thema in aller Munde. Eine Bevölkerungsgruppe wird in der Debatte jedoch nahezu gänzlich außen vor gelassen, denn für Kinder unter 16 Jahren sind die Produkte der Firmen Biontech und Moderna mangels Studien nicht zugelassen. In der Impfverordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sind Impfungen von Minderjährigen deshalb nicht vorgesehen. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), wagte in dieser Thematik am Donnerstag in einem Interview einen Vorstoß und forderte, die Testung und Zulassung für Kinder solle „mit Hochdruck“ vorangetrieben werden.

pm Siegen. Ein kleiner Piks mit großer Bedeutung: Seit der Zulassung der ersten Impfstoffe gegen Covid-19 und dem Beginn der Impfung von Hochrisikopatienten ist das Thema in aller Munde. Eine Bevölkerungsgruppe wird in der Debatte jedoch nahezu gänzlich außen vor gelassen, denn für Kinder unter 16 Jahren sind die Produkte der Firmen Biontech und Moderna mangels Studien nicht zugelassen. In der Impfverordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sind Impfungen von Minderjährigen deshalb nicht vorgesehen. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), wagte in dieser Thematik am Donnerstag in einem Interview einen Vorstoß und forderte, die Testung und Zulassung für Kinder solle „mit Hochdruck“ vorangetrieben werden.

"Halte Aussagen für unnötigen Wirbel"

Doch sollte das Priorität genießen? Nein, widersprechen zumindest drei heimische Kinderärzte im Gespräch mit der Siegener Zeitung unisono. „Ich finde es okay, dass Kinder in dem Fall nicht mit Vorrang behandelt werden und halte die Aussagen für unnötigen Wirbel“, erklärt der Siegener Kinderarzt Peter Rude. Sinnvoll sei die Impfung für Kinder nur dann, wenn erwiesen sei, dass dadurch nicht nur ein schwerer Krankheitsverlauf, sondern auch die weitere Übertragung verhindert werde. Das ist jedoch nach bisherigen Ergebnissen nicht der Fall.

Ungeimpft sind Heranwachsende von Covid-19 wesentlich weniger bedroht, in ganz Deutschland mussten bis Ende Dezember lediglich 800 Kinder mit dem Coronavirus in Krankenhäusern behandelt werden. „Enorm wenig“, findet der Dresdener Kinderarzt und Infektologe Reinhard Berner, wenn man den Wert auf die Gesamtzahl der 14 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland beziehe.

„Die Infektion ist bei Kindern in aller Regel glücklicherweise in aller Regel kein Problem, selbst bei denen nicht, die Vorerkrankungen haben“, bestätigt Markus Pingel, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin in der DRK-Kinderklinik in Siegen. In seinem Haus gab es im gesamten Pandemie-Verlauf noch keinen einzigen schwerwiegenden Corona-Fall.

„Ich möchte nicht in allgemeines Geheule einstimmen, was alles schief läuft. Wir haben eine schwere Pandemie mit erheblicher Morbidität und Mortalität (Sterblichkeit, d. Red.), von der Kinder glücklicherweise nicht so stark betroffen sind. Selbst wenn es also einen Impfstoff gäbe, der für Kinder zugelassen ist, wäre die Prioritätenliste richtig so, wie sie ist“, so Markus Pingel.

Frage, ob Heranwachsende geimpft werden müssen

Diese Meinung teilt auch Joachim Füllenbach aus der Gemeinschaftspraxis der Kinderärzte in Olpe, der Kinder als „an und für sich nicht gefährdet“ einschätzt und sagt: „Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass Kinder das Virus enorm weitertragen wie es bei der Grippe der Fall ist.“ Für den Mediziner stellt sich sogar die Frage, ob man Heranwachsende überhaupt impfen müsse, wenn bei Erwachsenen eine hohe Quote erreicht worden sei.

In einem Punkt pflichtet Füllenbach Verbandspräsident Fischbach aber doch noch bei: Kinder leiden unter der Corona-Krise neben Senioren am stärksten. Der Olper Kinderarzt: „Einige unserer Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden leider auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.“ Aber: „Jetzt den knappen Impfstoff zu nehmen um Kinder zu impfen, damit sie wieder in die Schule können, wäre ethisch einfach falsch.“

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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