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Historische Bausubstanz bewahren
Politik fordert Denkmalschutzkonzept

Die Jugendstilvilla an der Weidenauer Straße ist eingerüstet worden. Das dient aber nicht etwa der Restaurierung der Front, sondern dient dem Rückbau, ehe der vollständige Abriss erfolgt.
  • Die Jugendstilvilla an der Weidenauer Straße ist eingerüstet worden. Das dient aber nicht etwa der Restaurierung der Front, sondern dient dem Rückbau, ehe der vollständige Abriss erfolgt.
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js/goeb Siegen. Die Stadt Siegen ist vom Zweiten Weltkrieg gezeichnet. Rund 80 Prozent des Zentrums wurden zerstört, ausgesprochen viel historische Bausubstanz wurde unwiederbringlich zerstört. Um möglichst behutsam mit den baulichen Zeugnissen der Vergangenheit umzugehen, die es bis heute in der Krönchenstadt gibt, fordern die Fraktionen der Grünen, der UWG, der Linkspartei, der FDP und der Volt-Partei jetzt ein Gesamtkonzept zum städtebaulichen Denkmalschutz. In einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Kulturausschuss möchten sie am Mittwoch eine Mehrheit für ihr Ansinnen gewinnen.

Anlass für diesen Vorstoß sind die umstrittenen Abbrucharbeiten am „Deutschen Haus“ in Weidenau.

js/goeb Siegen. Die Stadt Siegen ist vom Zweiten Weltkrieg gezeichnet. Rund 80 Prozent des Zentrums wurden zerstört, ausgesprochen viel historische Bausubstanz wurde unwiederbringlich zerstört. Um möglichst behutsam mit den baulichen Zeugnissen der Vergangenheit umzugehen, die es bis heute in der Krönchenstadt gibt, fordern die Fraktionen der Grünen, der UWG, der Linkspartei, der FDP und der Volt-Partei jetzt ein Gesamtkonzept zum städtebaulichen Denkmalschutz. In einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Kulturausschuss möchten sie am Mittwoch eine Mehrheit für ihr Ansinnen gewinnen.

Anlass für diesen Vorstoß sind die umstrittenen Abbrucharbeiten am „Deutschen Haus“ in Weidenau. Das Jugendstilgebäude, das früher einmal ein Hotel war, unterliegt nicht dem Denkmalschutz – offenbar da sein Zuschnitt im Inneren nicht mehr viel mit dem Originalzustand zu tun hat. Genau das dürfte auch auf eine Reihe von weiteren Gebäuden in der Krönchenstadt zutreffen, befürchten die Antragsteller. Viele der übriggebliebenen historischen Häuser seien so sehr überformt worden im Laufe der Jahre, dass sie den Kriterien des Denkmalschutzes für Einzelgebäude nicht mehr entsprächen.

Kommunales Schutzkonzept für Fassaden und Ensembles

Um dennoch immer noch erkennbare Reste von Gründerzeitvierteln in Siegen zu bewahren – etwa auf der Hammerhütte, an Roster- und Wellersberg und an der Bismarckstraße – müsse ein kommunales Schutzkonzept für Fassaden und Ensembles her. Die Verwaltung soll den Auftrag bekommen, ein solches zu erarbeiten, um stadtbildprägende Siedlungsbereiche mit alter Bausubstanz zu erhalten. „Die Wahrung bzw. Überlieferung des noch erhaltenen historisch wertvollen Stadtbildes für lebende und kommende Generationen liegt im Interesse der Siegener Öffentlichkeit und muss deswegen dem städtebaulichen Denkmalschutz zugeführt werden.“

Damit nicht genug zum Thema Denkmalschutz. Im Doppelausschuss legen die Grünen zudem eine Anfrage zur geplanten Novellierung des NRW-Denkmalschutzgesetzes vor. Das soll Verfahren vereinfachen, indem es die Zuständigkeiten mehr auf die Kommunen verlegt: Künftig sollen die oberen Denkmalbehörden zwar um Stellungnahmen gebeten werden. Die Entscheidung darüber, ob ein Objekt denkmalwürdig ist oder nicht, soll vor Ort getroffen werden.

Grüne befürchten, dass Gebäude nicht mehr hinreichend geschützt werden

Das sehen die Grünen landauf, landab kritisch (die SZ berichtete), so auch in Siegen. Dort sieht die Fraktion die Gefahr, dass die ohnehin schon überlasteten Verwaltungsmitarbeiter „mit dieser Verantwortung über die Maße zusätzlich belastet werden könnten“. Die Grünen befürchten aber vor allem, dass Gebäude nicht mehr hinreichend geschützt werden können – gerade, wenn besondere Investoreninteressen vorlägen. Mit ihrer Anfrage möchten die Grünen u. a. erfahren, wie die Verwaltung die Belange des Denkmalschutzes zukünftig sicherstellen will.

Zurück zur Jugendstilvilla an der Weidenauer Straße/Waldhausstraße: Bei vielen Siegenern, darunter auch manche Weidenauer Anwohner, die die reich verzierte Stuckfassade des Hauses gern erhalten gesehen hätten, keimte zuletzt Hoffnung auf, nachdem der Investor die Hausfront hatte einrüsten lassen.

Gebäude besitzt Denkmalwert

Eine Nachfrage der SZ bei der Stadtverwaltung Siegen brachte allerdings Klarheit. Laut Stadtbaurat Henrik Schumann habe die Stadt Siegen bereits im Frühjahr 2017 einen Vorstoß unternommen, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Im Nachgang habe es eine Ortsbegehung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe gegeben. Das Gutachten sei leider zu dem Schluss gekommen, dass das Gebäude keinen Denkmalwert besitze.

Ein Gespräch mit dem jetzigen Investor sei ergebnislos geblieben, teilte Pressesprecherin Dr. Sabine Schutz mit. Seitens der Stadt Siegen könne ein Abriss nicht verhindert werden. Der Abriss sei laut Bestimmungen der Bauordnung für diese Gebäudeklasse nicht genehmigungsbedürftig, sondern nur anzeigepflichtig.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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