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Gründonnerstag bleiben Geschäfte Pandemie-bedingt zu
Politik legt Lebensmittelhändlern dickes Ei ins Nest

Auch die Supermärkte werden Gründonnerstag geschlossen bleiben – dürfen aber als Lebensmittelhandel am Karsamstag wieder öffnen. Die Betreiber appellieren an die Kunden, der Situation mit gesundem Menschenverstand zu begegnen. Das Foto entstand im Wilnsdorfer Rewe-Markt Dreysse.
  • Auch die Supermärkte werden Gründonnerstag geschlossen bleiben – dürfen aber als Lebensmittelhandel am Karsamstag wieder öffnen. Die Betreiber appellieren an die Kunden, der Situation mit gesundem Menschenverstand zu begegnen. Das Foto entstand im Wilnsdorfer Rewe-Markt Dreysse.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

nja Siegen. Es ist ein besonders dickes Ei, das die Politik den Lebensmittelhändlern in diesem Jahr ins Osterkörbchen legt. Es birgt Überraschungen und mundet überhaupt nicht: Fünf Tage soll das Land ab Gründonnerstag eine „Osterruhe“ einlegen, damit das Coronavirus möglichst wenig Nährboden findet, um sich weiter auszubreiten in unserem Leben. Gründonnerstag also bleiben erstmals alle Geschäfte zu, zumindest der „Lebensmittelhandel im engen Sinne“ darf die Menschen aber am Karsamstag wieder versorgen. Er soll also eine Pause von der Ruhepause einlegen und u. a. an Wurst- und Käsetheke, Kühlabteilung und die Frischeabteilungen mit Obst und Gemüse bitten.
Jetzt wird es eng
Branche ist verärgertDie Branche ist verärgert und versteht diese Schritt-Choreografie überhaupt nicht.

nja Siegen. Es ist ein besonders dickes Ei, das die Politik den Lebensmittelhändlern in diesem Jahr ins Osterkörbchen legt. Es birgt Überraschungen und mundet überhaupt nicht: Fünf Tage soll das Land ab Gründonnerstag eine „Osterruhe“ einlegen, damit das Coronavirus möglichst wenig Nährboden findet, um sich weiter auszubreiten in unserem Leben. Gründonnerstag also bleiben erstmals alle Geschäfte zu, zumindest der „Lebensmittelhandel im engen Sinne“ darf die Menschen aber am Karsamstag wieder versorgen. Er soll also eine Pause von der Ruhepause einlegen und u. a. an Wurst- und Käsetheke, Kühlabteilung und die Frischeabteilungen mit Obst und Gemüse bitten.

Jetzt wird es eng

Branche ist verärgert

Die Branche ist verärgert und versteht diese Schritt-Choreografie überhaupt nicht. Das politische „Sonderangebot“ erreichte sie zudem völlig überraschend und im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht. Droht nun ein Sturm vor der Ruhe?

Die SZ fragte nach.

„Erst war ich erstaunt, dann entsetzt“, kommentiert Jörg Dornseifer, Geschäftsführer von Dornseifer-Frischemärkte mit Sitz in Wenden, die nächtlichen Beschlüsse der Politik. „Wir rechnen nun an den verbleibenden Öffnungstagen mit einem deutlich erhöhten Kundenaufkommen. Nur weil ein Tag mehr geschlossen ist, essen die Menschen ja nicht weniger. Insofern stehen uns stressige Zeiten bevor.“ Mit der im vergangenen Jahr von der Politik geforderten Erweiterung der Öffnungszeiten habe dies ja nun gar nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil: „Und dafür habe ich null Verständnis!“ In den Filialen werde man nun aber über die Aufweitung der täglichen Öffnungszeiten nachdenken, „um abzufedern, was uns die Politik da eingebrockt hat“. Nachtschichten müssten eingebaut werden, es gebe wenig Vorlaufzeit. Die hauseigene Produktion von Fleisch-, Wurst- und Backwaren beschert zum Glück ein Stück Autarkie.

"Blinder Aktionismus" 

„Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch sagen soll. Das ist mit Abstand die hirnrissigste Variante, die man finden konnte“, regt sich Kay Dreysse (Rewe Wilnsdorf) auf. „Wenn gesagt worden wäre: Nur Karsamstag bleiben die Geschäfte zu – das hätte ich ja noch nachvollziehen können. Aber den hochfrequentierten Donnerstag zu streichen, das ist blinder Aktionismus!“ Natürlich liefen am Dienstag die Umplanungen auf Hochtouren: „Wir haben ja automatische Belieferungsketten, eigentlich. Das muss jetzt alles um einen Tag vorgezogen werden, die Lkw müssen früher raus – und die Waren ja auch in die Regale einsortiert werden. Und keiner weiß: Wann fangen die Kunden mit der Bevorratung an?“

Die Erfahrung aus dem Ostergeschäft 2020 mache ihm aber auch Hoffnung, dass der Siegerländer mit Verstand und Ruhe einkaufe. „Niemand muss Panik haben, auch am Samstag wird Frischware geliefert. Aber außer Fisch und Fleisch ist doch heute eh alles gut haltbar.“ In der Pandemie habe sich das Einkaufverhalten der Kunden bereits geändert: „Die Leute kommen nicht mehr so oft wie früher, kaufen an weniger Terminen aber vorausschauender ein.“

"Schritt in die verkehrte Richtung"

„Das ist doch ein Schritt in die verkehrte Richtung. Ich verstehe das einfach nicht“, sagt auch André Wagener, Prokurist von Edeka-Böhm in Buschhütten, und schüttelt verständnislos den Kopf über die Art der politisch verordneten „Osterruhe“. „Gründonnerstag ist für uns einer der stärksten Tage im Jahr – jetzt wird es sich am Mittwoch und Samstag knubbeln.“ Mehr Verständnis hätte er gehabt, wenn die Politik die Supermärkte Ostermontag öffnen ließe: „Das würde Kundenströme entzerren! So aber müssen wir jetzt schauen, dass wie uns flugs höhere Lagerbestände zulegen.“ Muss Personal aufgestockt werden? „Nein“, sagt Wagener. „In der Woche vor Ostern sind eh alle am Start."

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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