Polizei spricht Klartext

Nicht nur die Polizei kann Waffen tragen: Die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein ist enorm gestiegen. Symbolfoto: Archiv
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mir Köln ist nicht überall, schon gar nicht, wenn es um massenhafte sexuelle Übergriffe geht. „Sexuell motivierte Taten sind hier in Siegen kein Thema“, stellte am Dienstag Kriminaldirektorin Claudia Greve fest. Trotzdem gibt es einen Hype um angebliche Taten mit Beteiligung von Flüchtlingen. Am Montag sollen in Bad Laasphe arabischstämmige Menschen in eine Metzgerei eingedrungen sein und ihr Unwesen getrieben haben, einen Tag vorher wurde der Polizei eine angebliche Massenschlägerei unter Flüchtlingen in Freudenberg gemeldet. „In beiden Fällen war an der Sache nichts dran“, beschwerte sich Polizeisprecher Georg Baum. Polizeidirektor Wilfried Bergmann und Landrat Andreas Müller brachten ebenfalls ihr Unverständnis zum Ausdruck. Greve: „Diese Vorgänge sind für alle abträglich.“ Gezielt werde das Internet in Beschlag genommen, um Unwahres in die Welt zu setzen. Selbst der Ruf nach einer Bürgerwehr sei in diesen Kreisen publik gemacht worden. Müller: „Wir als Polizei haben das Gewaltmonopol. Und das geben wir natürlich nicht her.“

Die Kölner Vorkommnisse haben vieles verändert, die Unsicherheit in Teilen der Bevölkerung ist messbar gewachsen. In den knapp drei Wochen des neuen Jahres sind schon über 200 Anträge für einen „Kleinen Waffenschein“ gestellt worden. Damit darf Otto Normalo etwa eine Schreckschusspistole öffentlich tragen.

Wer steckt dahinter? „Alles normale Bürger ohne Vorstrafen“, sagt Claudia Greve. Ein beunruhigender Trend, zumal im ganzen Jahr 2015 nur 165 dieser Waffenscheine ausgestellt wurden (2014: 108). Insgesamt haben sich in Siegen-Wittgenstein bisher über 2000 Menschen auf diese Weise den Schein von Sicherheit gekauft.

Der Fall Freizeitbad Netphen beschäftigt die Polizei weiterhin. Eine Frau hatte im Internet über Belästigungen junger nordafrikanischer Männer berichtet. Ob alle genannten Aussagen zutreffen, wird in Zweifel gezogen. Polizei und Staatsanwaltschaft recherchieren auch wegen des Verdachts auf Vortäuschen einer Straftat.

Noch ein Thema: Sagt die Polizei immer alles? Verheimlicht sie Dinge? Dazu Polizeidirektor Wilfried Bergmann: „Wir lügen nicht. Wie ständen wir denn da, wenn es raus käme.“ Lediglich im Rahmen einer Fahndung bzw. eines Einsatzes sei man zuweilen zurückhaltend, um eine polizeiliche Operation nicht zu gefährden.

Werden polizeilich relevante Dinge verschwiegen, wenn Flüchtlinge mit im Spiel sind? Polizeidirektor Bergmann sagt klar: „Nein. Da gibt es nichts zu verbergen, wir sagen das alles.“ Man sei bestrebt, die Herkunft der in Frage kommenden Täter zu kommunizieren, wenn dies für die Tat oder deren Aufklärung von Bedeutung sei.

Ungeachtet dessen gebe es in der Bevölkerung ein Gefühl der Unsicherheit. Zwei bis drei Prozent der Flüchtlinge sei bisher straffällig in Erscheinung getreten. Aus polizeilicher Sicht ist das eine normale Quote. Landrat Müller: „Das Gefühl und die tatsächlich vorhandene Sicherheit gehen weit auseinander. Die Deliktzahlen sprechen aber überhaupt nicht für Unsicherheit.“ Michael Roth

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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