Polizei zieht Dutzende betrunkene Lkw-Fahrer aus dem Verkehr

Gießen (dpa) - Bei einer großen Kontrollaktion auf deutschen Autobahn-Rastplätzen hat die Polizei Dutzenden alkoholisierten Lastwagenfahrern die Weiterfahrt verboten. Bei einigen seien mehr als zwei Promille festgestellt worden, teilte die Polizei am Montag in Gießen mit.

Von rund 1200 kontrollierten Fahrern hatten demnach 190 Alkohol getrunken - 79 von ihnen so viel, dass sie auch nach dem Ende des Sonntagsfahrverbots um 22.00 Uhr nicht losfahren durften. Die Beamten behielten in einigen Fällen die Fahrzeugschlüssel ein oder legten den Lastwagen Parkkrallen an.

An der Aktion in Hessen am Sonntagabend waren rund 250 Polizisten beteiligt. Sie arbeiteten sich von Parkplatz zu Parkplatz vor und klopften an die Türen der wegen des Sonntagsfahrverbots pausierenden Fahrer, von denen viele aus dem Ausland stammten. Bei Darmstadt stießen die Beamten auf einen mit Salpetersäure beladenen Gefahrguttransporter. Der Fahrer hatte den Beamten zufolge fast 1,6 Promille Alkohol im Atem. Hinterm Steuer von Gefahrgut-Lastwagen gelte aber nicht die 0,5-Promille-Grenze, sondern eine 0,0-Promille-Grenze. Dem Mann sei eine Zwangspause verordnet worden.

An der Raststätte Wetterau West trafen die Beamten auf einen Fahrer, dessen Atemalkoholwert zunächst bei 5 Promille lag und sich dann auf 2,7 Promille einpendelte. Grund für die extreme Schwankung: Der Mann habe kurz vor der Kontrolle getrunken. Da er bis zur geplanten Weiterfahrt am Montagmorgen nicht nüchtern gewesen wäre, sprachen die Beamten ein Fahrverbot aus und setzten den Laster mit einer Parkkralle fest. Bei Hessisch Lichtenau erwischte die Polizei einen Mann mit rund 2,5 Promille. Er musste mit seinem Lastwagen ebenfalls länger pausieren - nur wenige Kilometer von seinem Ziel entfernt.

Alkoholisierte Lasterfahrer seien ein «erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit», warnte die Polizei. Zu Unfällen kommt es aber vergleichsweise selten: Im Jahr 2017 gab es nach Zahlen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) bundesweit rund 22 700 Crashs, die Lastwagen-Fahrer aufgrund eines Fehlverhaltens im Verkehr verursacht hatten. Davon seien 382 auf Alkohol zurückzuführen, berichtete UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Allerdings gebe es eine Dunkelziffer. Die Zahlen bedeuten demnach auch nicht, dass «nur» 382 Fahrer betrunken hinterm Steuer saßen, «sondern dass es in den allermeisten Fällen gut geht und man nicht entdeckt wird».

Bei der Kontrollaktion fielen den hessischen Beamten immer wieder Fahrer aus Osteuropa auf. Das liege auch daran, dass Kollegen aus Deutschland in der Regel nicht das Wochenende auf Rastplätzen verbringen müssten, sagte die Polizeisprecherin in Gießen.

Aus Sicht des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) spielt zudem eine Rolle, dass diese Fahrer wochen- und teils monatelang unterwegs und von ihren Familien getrennt seien. «Das verkraftet nicht jeder und greift zur Flasche», sagte Sprecher Martin Bulheller. Eine wichtige Präventionsmaßnahme sei es daher, die Abwesenheitszeiten zu verkürzen. Deswegen begrüße der Verband einen Vorschlag der EU-Verkehrsminister, der eine Heimkehrpflicht nach spätestens vier Wochen vorsehe.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich für ein striktes Alkoholverbot am Steuer aus, das für alle Lastwagentransporte zu gelten habe. «Die 0,0-Promille-Regelung, die bisher nur für Gefahrgut- und Personentransporte gilt, muss auf das gesamte Gewerbe ausgeweitet werden», sagte der GdP-Bundesvize Michael Mertens dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Die Ergebnisse der Alkoholkontrollen in Hessen seien ein «klarer Weckruf».

Die Polizei in Hessen will auch künftig ähnliche Kontrollen durchführen. Aus Sicht des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sind derartige Aktionen regelmäßig und vielerorts nötig. Fahrer, die unter Alkoholeinfluss stehen, sollten zudem mit «deutlichen Sanktionen» rechnen müssen.

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