Porno-Dreh im Linienbus

 Zwischen Bad Laasphe und Fischelbach hat ein Pärchen unter Beteiligung des Busfahrers vor 13 Monaten Pornofilme gedreht. Die „Filmchen“ sind jetzt in der Lahnstadt angekommen und machen aktuell die Whats-App-Runde in der Schülerschaft. Foto: Holger Weber
  • Zwischen Bad Laasphe und Fischelbach hat ein Pärchen unter Beteiligung des Busfahrers vor 13 Monaten Pornofilme gedreht. Die „Filmchen“ sind jetzt in der Lahnstadt angekommen und machen aktuell die Whats-App-Runde in der Schülerschaft. Foto: Holger Weber
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howe - Eine blonde Frau, vielleicht um die 30, sitzt hinten im Bus. Plötzlich entledigt sie sich all ihrer Klamotten. Splitternackt spaziert sie nach vorne zum Busfahrer und fragt ihn, ob sie sich gleich mit ihrem Bekannten im hinteren Bereich des Busses vergnügen dürfe. Dabei bedient sie sich freilich einer ganz anderen Wortwahl, viel flapsiger und derber. „Na prima“, sagt der Busfahrer und fährt los. Der Porno, den die Darstellerin gemeinsam mit einem männlichen Akteur – und später unter Beteiligung des Fahrers, aber ohne Fahrgäste – dreht, „spielt“ mitten in Bad Laasphe. Aufmerksame Beobachter, die ihren Blick einmal vom eigentlichen Geschehen abwenden und die Fahrt des Busses verfolgen, sehen aus dem Fenster die Stadt vorbeihuschen, den Wilhelmsplatz, dann die Fasanerie und das Banfetal mit seinen Ortschaften. Sollen die doch tun, was sie wollen – mag man nun denken.

Doch die Videos, es sind mindestens drei, machen seit einigen Wochen in der Bad Laaspher Schülerschaft die Runde. Hier ziehen die Bus-Pornos bei WhatsApp ihre Kreise. Jeder versendet, jeder tauscht. Und: Jeder schaut sich die „Filmchen“ an – selbst Altersklassen, die für solche Sachen als Zielgruppe sicher nicht bestimmt sind. Ein zweites Video setzt dem Geschehen die Krone auf. Denn hier steuert der Busfahrer eindeutig die VWS-Halle in Bad Laasphe an. Zwar ist das Gebäude selbst „bepickselt“, doch deutlich erkennbar ist auf der gegenüberliegenden Seite das Ludwig-Koch-Center und bei der Ausfahrt von der VWS die Bahnhofstraße mit dem Autohaus auf der rechten Seite. In einer Garage darf sich die nackte Darstellerin erstmal vorne auf den Fahrersitz setzen.

Die Siegener Zeitung recherchierte und erfuhr: Der Busfahrer konnte ausfindig gemacht werden, und zwar von seinem Arbeitgeber. Der soll nicht nur den Bus, sondern auch die Stimme des Fahrers und seine Kleidung erkannt haben. Allerdings: Das Geschehen soll sich bereits vor 13 Monaten zugetragen haben. Erst jetzt gelangten die Videos offenbar in das Umfeld von Bad Laasphe.

Die SZ hörte auch, dass sich zahlreiche Schüler schon bei ihren Lehrern beschwert hätten, sie würden sich weigern, diesen Bus zu betreten. Schließlich hätten sie ja gesehen, was darin passiert sei – nämlich auch durchaus unhygienische Dinge. Dass sich die Schüler beruhigen und die VWS-Busse problemlos nutzen können, geht aus der Stellungnahme der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd GmbH hervor. Deren Leiter Betrieb und Technik, Gerhard Bettermann, teilte der Siegener Zeitung mit: „Der Bus wurde selbstverständlich einer gründlichen Reinigung unterzogen und wird seitdem nicht mehr im Raum Bad Laasphe eingesetzt.“

Die VWS habe in der 19. Kalenderwoche – also vor 14 Tagen– Kenntnis von zunächst einem Video erlangt. „Nach umfangreicher Recherche konnten wir sowohl den Bus als auch das eingesetzte Fahrpersonal zweifelsfrei ermitteln.“ Der Fahrer sei kein Beschäftigter der VWS GmbH, sondern eines beauftragten Unternehmers gewesen. „Wir haben den Fahrer, nachdem dieser im persönlichen Gespräch eingestanden hatte, den betreffenden Bus gefahren und selbst im Video mitgewirkt zu haben, unverzüglich für den Liniendienst für die VWS gesperrt“, so Gerhard Bettermann. „Wir behalten uns darüber hinaus rechtliche Schritte gegen Fahrer und Darsteller vor.“ Im Übrigen, so Bettermann weiter, befinde sich besagter Bus zwar im Besitz des Unternehmens VWS, er sei aber für ein halbes Jahr an den Arbeitgeber des Busfahrers vermietet worden.

Dem Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe war im Gespräch mit der Siegener Zeitung auch wichtig festzustellen, dass nach Auffassung seines Unternehmens „eine dezidierte Information der Öffentlichkeit über Ihr Medium entbehrlich“ sei. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Videoaufnahmen bereits vor einem Jahr entstanden seien und der Fahrer durch die VWS auf Dauer für den Liniendienst gesperrt worden sei. An dieser Stelle sei den Schülern in Bad Laasphe mitgeteilt, dass die Sache nun erledigt ist. Der betreffende Bus ist hier nicht mehr im Einsatz, der Fahrer auch nicht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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