Porsche-Zentrum ausgebremst

 Allmählich füllt sich das obere Leimbachtal. In dem Industrie- und Gewerbepark sind nur noch wenige Grundstücke zu haben, die letzten Areale sollen im Mai verkauft werden. Foto: kalle 
  • Allmählich füllt sich das obere Leimbachtal. In dem Industrie- und Gewerbepark sind nur noch wenige Grundstücke zu haben, die letzten Areale sollen im Mai verkauft werden. Foto: kalle 
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ch - Es gibt keinen Plan „B“. Zumindest nicht für den Standort Siegen. Den könnte das Porsche-Zentrum bald schon verlassen. Denn der heimische Sportwagenhändler, der bis Jahresende als eines der letzten der 86 Porsche-Zentren bundesweit die Vorgaben des Zuffenhausener Konzerns umsetzen und nach den CI-Richtlinien (Corporate Identity = Unternehmensidentität) des Luxus-Karossen-Herstellers neu bauen muss, findet in der Krönchenstadt kein adäquates Grundstück.

Dabei sollte in diesen Tagen bereits der Spaten in den Boden des oberen Leimbachtals gestochen werden. Das Autohaus, das derzeit Verkaufsräume und Werkstatt an der Leimbachstraße in der Innenstadt betreibt, wollte im neuen Industrie- und Gewerbepark am Autobahnzubringer auf 7000 Quadratmetern ein neues Porsche-Zentrum bauen. Ein schickes Statussymbol aus Glas, Stahl und Beton als Visitenkarte an der Einfallsstraße zum Oberzentrum, zugleich eine 5-Mill.-Euro-Investition. Doch der Rat der Stadt verweigerte dem Unternehmen den Kauf des städtischen Areals.

Kein Platz also für ein Porsche-Zentrum im Industrie- und Gewerbepark? Der soll Firmen vorbehalten bleiben, die möglichst viele Arbeitsplätze mitbringen oder aber neue schaffen und zudem auch noch ordentlich Gewerbesteuer zahlen. Ein Votum der Siegener Kommunalpolitik für produzierendes oder verarbeitendes Gewerbe. So erteilte erst der Wirtschaftsförderungsausschuss der Krönchenstadt Mitte Februar dem Kaufwunsch der Lüdenscheider Ernst Piepenstock GmbH Co. KG, Inhaberin des Porsche-Zentrums Siegen, eine Absage. Der Stadtrat stimmte wenig später, kurz vor Ostern, ebenfalls gegen den Verkauf des Grundstücks (das Jamaika-Trio CDU, Grüne und FDP votierte in nichtöfffentlicher Sitzung gegen den Verkauf, die SPD enthielt sich ihrer Stimme).

„Wir hätten keine Probleme mit dieser Entscheidung der Politik, wenn man uns nicht immer wieder signalisiert hätte, die Stadt Siegen möchte verkaufen, und die Absegnung durch die politischen Gremien sei bloße Formsache“, so ein enttäuschter Porsche-Zentrums-Geschäftsführer Edmund Weiß im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Er ist stinksauer. Auf die Wirtschaftsförderung der Krönchenstadt. Im vergangenen Herbst sei Wirtschaftsförderer Gerald Kühn auf Porsche zugegangen, hätte Grundstücke angeboten. „Das Leimbachtal hatten wir 2012 schon einmal im Blick, doch nach Rücksprache mit der Konzernzentrale, die in solchen Dingen ein großes Mitspracherecht besitzt, hatten wir ein Invest dort zunächst verworfen“, erklärte Weiß. Nach dem zweiten Blick auf das terrassierte Tal und angesichts fehlender Alternativen zeigte sich die Piepenstock-Gruppe jetzt interessiert.

Zwei Grundstücke kamen konkret in Frage. Am 12. Dezember meldete sich die Wirtschaftsförderung, machte massiv am Telefon und per Mail Druck. Es gebe immer mehr Interessenten für die Areale, die Lüdenscheider müssten sich entscheiden. Weiß: „Ich habe dann die Porsche-Deutschland-Manager aus dem Weihnachtsurlaub geholt und sie von der Investition am Stadtrand überzeugt“. Am 18. Dezember sagte Porsche verbindlich „Ja“, die Wirtschaftsförderung atmete auf.

Die Dinge nahmen ihren Lauf. Der Mietvertrag für die Immobilie an der Leimbachstraße wurde fristgerecht gekündigt, Porsche muss bis Ende 2015 sein altes Zentrum verlassen. Architekten machten sich ans Werk, im Februar war der Bauantrag fertig. Ein Generalunternehmer wurde mit den Bauarbeiten beauftragt, damit der sich schon mal ein Zeitfenster offenhalten konnte. Der Notar bereitete die Kaufverträge vor. Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, sagte seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier am 17. Dezember dieses Jahres zu.

Und dann die Ablehnung im Wirtschaftsförderungausschuss. Mittlerweile gab es immer mehr Bewerber um die Grundstücke im Leimbachtal, acht Unternehmen sind aktuell interessiert, sechs davon dem Vernehmen nach gewerbesteuerstark und mit reichlich Arbeitsplätzen ausgestattet. Weiß erschrak, sah plötzlich den Standortwechsel des Zentrums mit seinen 20 Mitarbeitern (Absatz: 250 bis 300 Neu- und Gebrauchtfahrzeuge jährlich, Bruttojahresumsatz: 20 Mill. Euro) gefährdet. Es gab eine groß angelegte Informationsveranstaltung samt Betriebsbesichtigung für alle Fraktionen im Stadtrat, mit den Vertretern der Jamaika-Fraktionen wurde in einer Extra-Gesprächsrunde konferiert.

Und dann das Votum des Stadtrates. Es machte dem Unternehmen und dem Vorstoß der Wirtschaftsförderung einen Strich durch die Rechnung. Auch Bürgermeister Steffen Mues: „Ich habe die Gespräche unserer Wirtschaftsförderung mit dem Porsche-Zentrum von Anfang an begleitet, und zwar nicht erst seit Oktober 2014, sondern seit zweieinhalb Jahren“, betonte er gegenüber der SZ. „Wir wollten Porsche unbedingt helfen!“

Über die Ansiedlung eines Autohauses im neuen Industriegebiet Leimbachtal könne man in der Tat „unterschiedlicher Meinung sein. Ich zumindest war der Auffassung, dass die Ansiedlung von Porsche hier im Eingangsbereich zur Stadt positiv zu sehen ist, weil die Marke Porsche ein hervorragender Imageträger für eine im Wandel befindliche, starke Industriestadt ist“, so der Bürgermeister, der betonte, dass man Porsche immer wieder kommuniziert habe, dass am Ende des Tages allein der Stadtrat die Entscheidung fällen werde. Diesen Vorbehalt habe man offenbar nicht hören oder lesen wollen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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