Powerfrau mit Präsenz

Edith Hancke glänzte im Volksstück »Das Fenster zum Flur«

aww Siegen. Hut ab vor jedem Ensemble, das neben dieser energiegeladenen Frau auf der Bühne bestehen kann. Die Hancke beherrscht mit ihrer unglaublichen Präsenz auch dann schon den Saal, wenn sie rein optisch noch gar nicht präsent ist. Allein ihre unvergleichlich charakteristische Stimme aus dem Off lenkt zu Beginn bereits alle Aufmerksamkeit auf sich, macht das Geschehen auf der Bühne im Moment ihres Erklingens vergessen. Und wenn die Mimin dann auftaucht, applaudiert das Publikum spontan und herzlich...

Hut ab aber auch vor einer solch herausragenden Schauspielerin wie Edith Hancke, die es mit Bravour schafft, trotz ihrer exponierten Rolle und ihrer charismatischen Erscheinung ihre Mitspieler nicht »an die Wand« zu spielen, sie nicht zu puren Statisten werden zu lassen. Freilich, die Hancke ist der unumstrittene Star an diesem Donnerstagabend in der Siegener Stadtbühne. Aber sie macht Curth Flatows und Horst Pillaus »Das Fenster zum Flur« nicht zu einer One-Woman-Show, sondern lässt ihren Bühnenpartnern vielmehr Platz, sich ebenfalls in gebührendem Maße in Szene zu setzen – und somit das Berliner Volksstück an sich zu einem unterhaltsamen, humorvollen Gesamterlebnis mit einem guten Schuss Tiefgang werden zu lassen.

Und die Mitspieler/innen Hanckes – die das alles beherrschende und liebevoll kontrollierende Muttertier Anni Wiesner so überzeugend gibt, dass es schon fast unheimlich ist – verkaufen sich allesamt sehr gut. Sybille Gabele als Tochter Helen(e), die zwar ohne den millionenschweren vermeintlichen Gatten, der nie einer war, aus den Staaten zurück nach Hause kommt, dafür aber immerhin einen unehelichen Filius vorzuweisen hat. Natascha Kespy als die jüngste Tochter Inge, die sehr zum Leidwesen der Mutter eine Karriere als Kellnerin der einer Primaballerina vorgezogen hat. Oliver Feld als Sohn Herbert, ein Medizinstudent der Mutter zuliebe, der eigentlich gar kein Arzt werden will und dem beim Sezieren unablässig schlecht wird. Alexander Rogge als Klempnermeister Erich Seidel, der vom unerwünschten Ex Helenes plötzlich und unerwartet zu Annis Wunsch-Schwiegersohn in spe mutiert. Jean Maesér als polnischer Musiker Adam Kowalski, der für Anni zwar nicht gerade den Traumgatten für ihre Jüngste darstellt, der es allerdings mit seinem angetrunkenen Charme ziemlich schnell schafft, sich bei »Mitterchen« lieb Kind zu machen.

Und dann ist da natürlich noch Hanckes Ehemann Klaus Sonnenschein, der in der Produktion von Komödie/Theater am Kurfürstendamm nicht nur Regie führt, sondern auch auf der Bühne den Ehegatten mimt: als Straßenbahnfahrer Karl Wiesner, der am grauen Star erkrankt, seinen Job aufgeben muss und schließlich seinem Leben ein Ende setzen will – was glücklicherweise danebengeht, weil der Gute sich aus Versehen zwölf Abführtabletten einverleibt.

Obschon bereits 1959 geschrieben, hat die Thematik von der allzu fürsorglichen »Glucke«, die nichts im Auge hat, als dass ihre Kinder möglichst hoch auf der sozialen Leiter klettern, keine Aktualität eingebüßt. Und dass sich in der Geschichte sogar ein gewisser »Dabbeljuh« aus den USA bei Anni unbeliebt macht, katapultiert den Zuschauer für einen winzig kleinen Moment aus den 50er Jahren heraus in die Jetztzeit. Erstaunlich, welche Assoziationen ein einziger Buchstabe doch hervorzurufen vermag.

Lang anhaltender, begeisterter Beifall für die Powerfrau Hancke und ihr starkes Team. Übrigens in einer rappelvollen Stadtbühne. Gutes Theater, und dann auch noch kommerziell erfolgreich. Was will man/frau mehr in Siegen?

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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