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SZ-Interview-Serie zum Jahreswechsel (5) - Prof. Dr. Holger Burckhart, Uni-Rektor
Präsenz-Lehre hat oberste Priorität

Die Hörsäle der Uni Siegen – hier der Saal im Karstadt-Gebäude – sollen sich wieder mit Leben füllen, digitale Formate unterstützen.
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  • Die Hörsäle der Uni Siegen – hier der Saal im Karstadt-Gebäude – sollen sich wieder mit Leben füllen, digitale Formate unterstützen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ch Siegen. Nach dem Ende der Pandemie möchte, nein: muss auch die heimische Hochschule wieder zu Seminaren und Vorlesungen in Präsenz zurückkehren, so Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und: Auf dieser Wegstrecke sollten möglichst die positiven Erfahrungen aus der digitalen Lehre mitgenommen werden.
Herr Prof. Dr. Holger Burckhart: Welche negativen, welche positiven Erkenntnisse nehmen Sie aus den vergangenen Monaten der Pandemie mit?
Auf der einen Seite einen unglaublichen sozialen, gesellschaftlichen Zusammenhalt in großen Teilen der Bevölkerung.

ch Siegen. Nach dem Ende der Pandemie möchte, nein: muss auch die heimische Hochschule wieder zu Seminaren und Vorlesungen in Präsenz zurückkehren, so Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und: Auf dieser Wegstrecke sollten möglichst die positiven Erfahrungen aus der digitalen Lehre mitgenommen werden.
Herr Prof. Dr. Holger Burckhart: Welche negativen, welche positiven Erkenntnisse nehmen Sie aus den vergangenen Monaten der Pandemie mit?

  • Auf der einen Seite einen unglaublichen sozialen, gesellschaftlichen Zusammenhalt in großen Teilen der Bevölkerung. Auf der anderen Seite sicherlich auch einen neuen Umgang mit sich selbst, eine Neu-Positionierung und Neu-Findung eines jeden Einzelnen in Bezug auf gewohnte Alltagsrituale, neue Grenzen und damit insgesamt auf die Möglichkeit der individuellen Gestaltung des Lebens.

Was geben Sie einem jungen Studenten, einer jungen Studentin in diesen Zeiten zwecks Motivation zum Durchhalten mit auf den Weg?

  • Dass er oder sie trotz all der Widrigkeiten, nämlich dem Nichtvorhandensein von sozialem Leben an und in einer Universität, auch das Positive mitnimmt. Wir haben es gemeinschaftlich geschafft, dass gelernt, kommuniziert und das Studium fortgesetzt werden konnte. Wir haben außerdem versucht, finanziell durch unseren Notfallfonds mit Unterstützung der Region zu helfen, bis staatliche Hilfen angelaufen sind. Meine Botschaft ist, darauf zu vertrauen, dass wir im Laufe des Jahres 2021 unser akademisch-universitäres Leben, wie unser sorgenfreieres Miteinander überhaupt, wieder ‚zurückerobern‘ werden. Ich jedenfalls bin zuversichtlich, dass uns das gelingt.

Wie groß ist der Corona-Schaden für den Wissenschafts- und den Lehrbetrieb? Wird die Hybrid-Lehre das Modell der Lehre für die Zukunft?

  • Die durchgängige Hybrid-Lehre wird keinesfalls das Modell der Zukunft einer Präsenzuniversität, sondern eine digital unterstütze Präsenz-Lehre. Für uns als Universität wird Präsenz-Lehre auch in Zukunft das Primat sein, aber eben unterstützt von digitalen Elementen, die wir in den vergangenen Monaten erfolgreich etabliert und ausgebaut haben. Der Schaden für die Universität ist für mich ein Schaden, den man nicht in Zahlen aufschreiben kann, denn den größten und vielleicht nachhaltigsten Schaden hat das soziale Leben am Lebensort Universität erlitten – das ist für mich das größte Defizit. Eine Generation von Studierenden wird bis zu vier Semester, das ist ein komplettes Masterstudium oder zwei Drittel eines Bachelorstudiums, im ‚Fremdmodus‘ erlebt haben. Ohne Campusleben, ohne Universitätsstadt, ohne Professorinnen oder Professoren live.“

Welche besonderen Herausforderungen wird die pandemische Lage für die heimische Hochschule im Corona-Jahr 2021 aus Ihrer Sicht bringen?

  • Wir sind als Universität abhängig von der Gesamtentwicklung der pandemischen Lage. Deshalb werden wir uns auch in 2021 vielfach auf verschiedene neue Situationen einstellen müssen. Das können Fortschritte sein, aber auch Rückschritte. Hier gilt es, weiterhin eine möglichst planbare Lebenssituation für alle Studierenden und Beschäftigten der Universität zu gewährleisten. Unsere Messlatte seit Beginn der Pandemie war Verlässlichkeit einerseits, maximale Balance zwischen Freiheit von Forschung und Lehre in Abwägung zu individuellem und kollektivem Gesundheitsschutz andererseits.

Wie wird sich mittelfristig an der Universität die Art der Forschung, angetrieben durch den Druck aus den Bereichen Corona bzw. Zwang zur weiteren Digitalisierung, verändern? Oder sind die Hochschulen hier bereits Vorreiter?

  • Hier möchte ich zwei Dinge unterscheiden. Die Folgen der Pandemie im Hinblick auf unser soziales Leben, auf den Menschen in seinen individuellen Kontexten, wird sicherlich Gegenstand unserer Forschung selbst sein. Hier ist die Universität Siegen mit ihrer gesellschaftswissenschaftlichen Forschung hervorragend aufgestellt. Im Bereich der Forschung selbst hat sich durch digitale Werkzeuge oder Kommunikationsformen bereits viel verändert. Der Digitalisierungsschub wird jeden Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin in seinem bzw. ihrem genuinen Forschungsfeld betreffen, das ist von Fach zu Fach unterschiedlich.  

Wie schwer oder leicht wird es für die Universität Siegen, kurz- und mittelfristig, junge Menschen von einem Hochschulstudium in Siegen zu überzeugen?

  • Es ist eine fortlaufende Aufgabe, aber zugleich auch ein Selbstverständnis für die Universität Siegen. Wir werden durch ein sehr gutes Studienangebot, ein ansprechendes Umfeld, hochkarätige Forschung attraktiv sein für junge Generationen, die sich stetig verändern. Wir werden beispielsweise in Forschungsprojekten eine ganz bestimmte Klientel ansprechen, die an gesellschaftlichen wie an grundlagenorientierten Fragen interessiert ist. Durch den Umzug in die Stadt werden wir auch junge Menschen ansprechen, die Urbanität mit Studium verbinden wollen. Deshalb gilt es, durch interessante Formate in der Lehre und differenzierte Bildungswege vielschichtig attraktiv für junge Menschen zu sein. 

Apropos Umzug: Hat die pandemische Lage Auswirkungen auf die Planungen und Vorbereitungen? Kommt es zu Verzögerungen? Oder zu inhaltlichen Änderungen?

  • Nein, das tut es nicht. Die Planungen und Fertigstellungen sind im Zeitplan, nur die Nutzung lässt sich auf sich warten. Es wäre schön, wenn sich unser neues Hörsaalzentrum und die Mensa am Unteren Schloss mit Leben füllen würden und wir auch den Bürgerinnen und Bürgern zeigen könnten, was sich am Campus im Herzen der Stadt Siegen getan hat. Dieses Projekt zeigt, dass die Uni kein Selbstzweck ist – sie ist für die Gesellschaft, für die Menschen und für die Region da.
Die Hörsäle der Uni Siegen – hier der Saal im Karstadt-Gebäude – sollen sich wieder mit Leben füllen, digitale Formate unterstützen.
Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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