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Ausrangierte Schilder bedecken noch unbelegte Urnengräber in Siegen
Praktisch und stabil, aber pietätlos

Ein abgeknicktes Spielplatzschild bedeckt ein noch nicht belegtes Urnengrab im Friedhofswald Siegen an den drei Pfosten.  Foto: Michael Roth
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  • Ein abgeknicktes Spielplatzschild bedeckt ein noch nicht belegtes Urnengrab im Friedhofswald Siegen an den drei Pfosten. Foto: Michael Roth
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mir Siegen. Nicht jede Neuigkeit ist eine Nachricht für die Zeitung und damit für die Öffentlichkeit. Gar mancher Umstand entwickelt sich aber erst mit der Zeit zu einer berichtenswerten Story. So geschehen bei der Sache mit den alten Verkehrsschildern auf den ausgehobenen Urnengräbern im Friedhofswald Siegen im Buchenmischwald an den drei Pfosten.

SZ-Leserin Birgit Naumann aus Geisweid hat dort am Montag zwei Bestattungsplätze für ihren Mann und sich reservieren lassen. Dabei sind ihr Metallplatten auf mutmaßlich frisch ausgehobenen und noch nicht belegten Urnengräbern aufgefallen. Ausgediente Verkehrsschilder. Auch welche mit den Symbolen für „Einbahnstraße“ oder „Sackgasse“. Ein unterirdischer Humor, findet Birgit Naumann. Ihre Kritik ist präzise: „Das ist absolut pietätlos.

mir Siegen. Nicht jede Neuigkeit ist eine Nachricht für die Zeitung und damit für die Öffentlichkeit. Gar mancher Umstand entwickelt sich aber erst mit der Zeit zu einer berichtenswerten Story. So geschehen bei der Sache mit den alten Verkehrsschildern auf den ausgehobenen Urnengräbern im Friedhofswald Siegen im Buchenmischwald an den drei Pfosten.

SZ-Leserin Birgit Naumann aus Geisweid hat dort am Montag zwei Bestattungsplätze für ihren Mann und sich reservieren lassen. Dabei sind ihr Metallplatten auf mutmaßlich frisch ausgehobenen und noch nicht belegten Urnengräbern aufgefallen. Ausgediente Verkehrsschilder. Auch welche mit den Symbolen für „Einbahnstraße“ oder „Sackgasse“. Ein unterirdischer Humor, findet Birgit Naumann. Ihre Kritik ist präzise: „Das ist absolut pietätlos.“

Die SZ sprach mit dem Leiter des Grünflächenamts. Der bestätigte den Vorgang.  Nur nach den Erdarbeiten decke man die Löcher für die Urnen ab. Aus Sicherheitsgründen, wie erklärt wurde. Wenn die Trauergäste kämen, seien die Platten mit den weltlichen Motiven längst verschwunden.

Geisweiderin übt Kritik an Stadt Siegen

Gestern schlenderte die Geisweiderin ein zweites Mal durch den Friedhofswald. Nicht weit von ihrem Baum Nr. 436, wo sie dereinst bestattet werden möchte, fiel ihr eine zweite Buche auf. Mit einem bereits gegrabenen Urnen-Loch, abgedeckt mit einer Platte. Auf der Rückseite ein Spielplatz-Motiv, in der Hälfte abgesägt. „Die andere Hälfte liegt weiter oben im Wald bei einem zweiten Loch“, ergänzt die Besucherin.

„Unser Friedhofswald wird beworben als Ort der pietätvollen Stille. Das darf doch nicht war sein, was hier vor sich geht.“ Nirgends sonst kämen Betreiber eines Friedwaldes auf die Idee, ausrangierte Verkehrsschilder zum Abdecken von Gräbern zu verwenden. An den drei Pfosten gebe es genug Wald, um sich bestens mit Holzscheiben zum Abdecken einzudecken. „Nur in Siegen wird das so gemacht. Sonstwo werden Holzscheiben verwendet.“

Mit Schaufel Dreck alles abgedeckt

Noch ein Detail: Am Montag bei der Bestellung des eigenen Grabes legte Birgit Naumann Wert auf die Feststellung, sie wolle auf keinen Fall ein solches Metallschild zur Abdeckung haben. Eine Mitarbeiterin des Friedhofsamtes habe daraufhin erklärt, auf Anraten des Chefs werde in anderen Fällen „eine Schaufel Dreck“ auf das Metallschild geworfen, damit man nichts davon sehen könne.

Gestern Nachmittag bekam die Schilder-Story einen weiteren Akzent, diesmal einen positiven. Das Grünflächenamt der Stadt Siegen hat in der eigenen Werkstatt als würdigen Ersatz für die alten Verkehrsschilder Siebdruckplatten anfertigen lassen. In braunem Farbton gehalten. Heute sollen sie fertig sein und künftig zum Einsatz kommen. Sagt Ralf Bergholz als Leiter.

Stadt Siegen verwendet ab Donnerstag Siebdruckplatten

„Ich kann nachvollziehen, dass sich Besucher des Friedhofswaldes an den alten Schildern stoßen und das als nicht pietätvoll kritisieren“, meint Bergholz. Freilich hat er noch eine zweite Meinung, und mit der stellt er sich vor seine Mitarbeiter: „Meine Leute haben das alles pragmatisch gesehen. Die Schilder sind leicht, stabil und gut zu transportieren.“ Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, die ausrangierten Schilder sind wohl „doch nicht der richtige Weg“, so Bergholz.

Birgit Naumann versteht allerdings nicht, warum das alles so lange dauern musste. Bereits 2007 hat sie das erste Mal in Siegen alte Verkehrsschilder auf Urnengräbern entdeckt. Ihr Bestattungsunternehmen hat mit anderen Kollegen dieses Verfahren schon mehrfach bei der Stadt Siegen angesprochen, ist aber immer auf taube Ohren gestoßen, sagt sie.

Grundsätzlich empfindet die Geisweiderin den Friedhofswald als herrlichen Ort: „Seit Jahren führen mich Spaziergänge hierher.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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