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Umsonst-Laden Siegen
Preisschilder sucht man hier vergebens

Spartacus Benjamine (l.) und Pluralökonom Philip Engelbutzeder stehen mit dem (neuen) 160 qm großen „Ist etwa alles umsonst?“-Laden in den Startlöchern.
  • Spartacus Benjamine (l.) und Pluralökonom Philip Engelbutzeder stehen mit dem (neuen) 160 qm großen „Ist etwa alles umsonst?“-Laden in den Startlöchern.
  • Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tile Siegen. Gut gefüllt sind die Regale in dem 160 Quadratmeter großen Raum über der Fahrradwerkstatt des Vereins „Alter aktiv“ an der Siegener Sandstraße 20. Bücher, Filme, Geschirr und Besteck, Vasen und Keramik, Elektro-Kleingeräte und -zubehör, Camping-Ausrüstungen, Dekoratives, Bilderrahmen, Spielzeug, Kleidung und einiges mehr hat Spartacus Benjamine aufwendig sortiert und im Ladenlokal eingeräumt. Preisschilder gibt es keine. Allein das wirft die Frage auf: „Ist etwa alles umsonst?“ Denn genau so lautet der Name des kleinen Warenhauses.
Kunden nehmen sich, was sie benötigen
Tatsächlich muss im Umsonst-Laden (so die eingängigere Kurzform) nicht gezahlt oder etwas eingetauscht werden. Kunden stöbern in dem Second-Hand-Angebot und nehmen sich, was sie benötigen.

tile Siegen. Gut gefüllt sind die Regale in dem 160 Quadratmeter großen Raum über der Fahrradwerkstatt des Vereins „Alter aktiv“ an der Siegener Sandstraße 20. Bücher, Filme, Geschirr und Besteck, Vasen und Keramik, Elektro-Kleingeräte und -zubehör, Camping-Ausrüstungen, Dekoratives, Bilderrahmen, Spielzeug, Kleidung und einiges mehr hat Spartacus Benjamine aufwendig sortiert und im Ladenlokal eingeräumt. Preisschilder gibt es keine. Allein das wirft die Frage auf: „Ist etwa alles umsonst?“ Denn genau so lautet der Name des kleinen Warenhauses.

Kunden nehmen sich, was sie benötigen

Tatsächlich muss im Umsonst-Laden (so die eingängigere Kurzform) nicht gezahlt oder etwas eingetauscht werden. Kunden stöbern in dem Second-Hand-Angebot und nehmen sich, was sie benötigen. Eine Mengen-Obergrenze gibt es nicht. Es gehe nicht darum, Bedürftigkeit zu lindern, erklärt Initiator Philip Engelbutzeder. Wobei dies im Einzelfall ein Nebeneffekt sein kann.
Der Aktionskünstler, Pluralökonom und Dozent für Sozio-Informatik an der Uni Siegen verfolgt primär ein anderes Ziel: „Dinge sind dazu da, um in Kontakt zu kommen. Sie sind ein Beziehungs- und Verbindungsmittel.“ Der Laden soll Menschen miteinander verbinden.
Darüber hinaus geht es dem 34-Jährigen um Nachhaltigkeit. „Es gibt so viel Überfluss, so vieles, was wir nicht brauchen – und trotzdem herrscht ein ständiges Gefühl von Mangel“, beschreibt er das Paradoxon der Wohlstandsgesellschaft.

Umsonst-Laden in Siegen soll zur festen Einrichtung werden

In diesem Spannungsfeld forscht Philip Engelbutzeder. Er hat schon einige Umsonst-Läden aufgebaut, u. a. in Rotterdam. In Siegen hat er zunächst einen als Kunstaktion im ehemaligen Möbelhaus Wonnemann realisiert. Jetzt soll daraus eine feste und vernetzte Einrichtung werden, in der das Prinzip des Äquivalenztauschs hinterfragt wird. „ReSi’s MitWelt“ (Resilienz Siegen) nennt sich das Real-Labor, mit dem der Diplom-Wirtschaftsjurist und andere Akteure eine lokale Versorgung mit gebrauchten Dingen und Selbstproduziertem (etwa Erzeugnisse von Streuobstwiesen) aufbauen wollen. Der Umsonst-Laden ist ein Baustein der drei Säulen Reparieren, Verteilen und Produzieren. Zu den Partnern gehören etwa „Alter aktiv“ mit dem Repair-Café, die sozialen Warenhäuser, die Frauenhilfe Siegen und Vereine.
Die einzelnen Angebote sollen durch Informations- und Kommunikationstechnologie vernetzt und durch eine gemeinsame Logistik gebündelt werden. „Wenn jemand einen Kinderwagen sucht, es aber keinen im Umsonst-Laden gibt, dann soll die Anfrage demnächst über das Netzwerk bedient werden“, erklärt Philip Engelbutzeder. Parallel gibt die von Studierenden betreute „Natürliche Ressourcen Gruppe“ Siegen mit aktuell 1100 Mitgliedern Gelegenheit, sich auszutauschen.
Dass die verbindende Wirkung der Dinge sogar integrativ funktioniert, zeigt das Beispiel von Spartacus Benjamine. Der 25-Jährige floh mit seiner Frau Liliane vor dem drohenden Tod aus Nigeria, kam vor 18 Monaten nach Deutschland. Zwei Monate später wurde Sohn Elvin geboren. Um Deutsch zu lernen, versuchte er Anschluss zu finden. In Corona-Zeiten kein einfaches Unterfangen. Im alten Umsonstladen besorgte er sich ein Radio, um Deutsch zu hören. Dort traf er Philip Engelbutzeder, fragte ihn, ob er ehrenamtlich mitarbeiten dürfe – und war willkommen!

Spartacus Benajmine hat im Umsonst-Laden Siegen die Schlüsselgewalt

Im neuen Umsonst-Laden hat Spartacus Benjamine die Schlüsselgewalt. Er hat die Regale aufgebaut und eingeräumt, was Philip Engelbutzeder bisher auftreiben konnte. Bei der Männerkleidung dürfe es ruhig mehr sein, so der Pluralökonom. Aber jedes intakte Stück und alles, was im Repair-Café instand gesetzt werden kann, wird dankbar angenommen und wieder in Umlauf gebracht. Mittelfristig ist angedacht, jedes Teil mit einem QR-Code zu versehen, über das Informationen zum Gegenstand vom Vorbesitzer hinterlegt werden können, um zusätzlich Interaktion und Kontakte zu fördern.
Ab sofort werden immer mittwochs von 11 bis 16 Uhr Dinge, die zur Verfügung gestellt werden, kontaktlos angenommen. Wann der Umsonst-Laden öffnet, hängt von Corona ab. „Wir werden das beobachten und ein Konzept erarbeiten“, sagt Philip Engelbutzeder. Interessierte werden über Facebook, Instagram und Telegram (Stichwort „Umsonstladen“) auf dem Laufenden gehalten.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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