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Am Samstag ist kalendarischer Frühlingsanfang
Primeln trotzen der Pandemie

Am Oberen Schloss ist u.a.  Steffen Niklas von der  Grün-
flächenabteilung der Stadt Siegen im Einsatz.
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  • Am Oberen Schloss ist u.a. Steffen Niklas von der Grün-
    flächenabteilung der Stadt Siegen im Einsatz.
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sabe Siegen. Das schöne am Frühling ist“, so wird der Schriftsteller Jean Paul gerne zitiert, „dass er immer dann kommt, wenn man ihn am meisten braucht.“ Hoffen wir, dass er recht behält. Nie, so scheint es gerade, im zweiten Jahr der Pandemie, könnte die Sonne für die geschundenen Seelen der Menschen mehr tun als jetzt. Oder, um es mit Goethe zu sagen: „Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück.“

Und Hoffnung darf man haben. Ab heute ist Frühling, so steht es zumindest im Kalender. Auch wenn Mütze und Schal der Sonnenbrille wohl noch ein bisschen Gesellschaft leisten müssen (s. Extrakasten) – Sonnenschein hat das Wetter am Wochenende und in der kommenden Woche fürs Siegerland trotzdem in petto.

sabe Siegen. Das schöne am Frühling ist“, so wird der Schriftsteller Jean Paul gerne zitiert, „dass er immer dann kommt, wenn man ihn am meisten braucht.“ Hoffen wir, dass er recht behält. Nie, so scheint es gerade, im zweiten Jahr der Pandemie, könnte die Sonne für die geschundenen Seelen der Menschen mehr tun als jetzt. Oder, um es mit Goethe zu sagen: „Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück.“

Und Hoffnung darf man haben. Ab heute ist Frühling, so steht es zumindest im Kalender. Auch wenn Mütze und Schal der Sonnenbrille wohl noch ein bisschen Gesellschaft leisten müssen (s. Extrakasten) – Sonnenschein hat das Wetter am Wochenende und in der kommenden Woche fürs Siegerland trotzdem in petto. „Es läuft auf jeden Fall in die richtige Richtung“, sagt Carsten Beyer von Meteo Siegerland. Das lockt die Menschen in die Stadt.

Ein Frühlingsspaziergang

11.20 Uhr, Siegener Oberzentrum. Die Sonne scheint gelb, die Luft ist klar und knackig, die Kälte hat ihre Krallen noch nicht eingezogen. Den Menschen am Oberen Schloss macht das nichts. Sie flanieren behandschuht durch den frisch bepflanzten Schlosspark, bleiben stehen, besehen sich die Hornveilchen, schauen nach den Krokussen. Manche mit Maske, manche ohne. Einige halten das Gesicht in die Sonne, andere spazieren ziellos und sehen dabei beseelt aus. Es stimmt, was Dr. Sabine Schutz, Pressesprecherin der Stadt Siegen, sagt: „Hat man Besuch und möchte ihn beeindrucken, dann nimmt man ihn mit in den Schlossgarten.“

Genau so hat es Jana Handels gemacht. Sie führt Patentante Brigitte Möhring, angereist aus Minden, mit Sohn Konstantin, angereist aus Bremen, durch die blühende Pracht, die Steffen Niklas von der städtischen Grünflächenabteilung parallel dazu von Frostüberbleibseln befreit. Der Landschaftsgärtner recht altes Laub, schneidet abgestorbene Äste, sieht nach den Frühblühern, holt den Schlosspark aus dem Winterschlaf. Nicht alle haben die kalten Nächte der vergangenen Tage überstanden. Aber doch beachtlich viele der zarten Bunten recken ihre Hälse trotzig aus der Erde. Mehr als 50 000 Frühjahrsblumen wurden seit Anfang März auf den Grünflächen des Siegener Stadtgebiets ausgesetzt, die Hälfte davon im Schlosspark. Veilchen, Narzissen, Tulpen, Hyazinthen, Wildblumen, Krokusse. Wenn die Natur erwacht, bricht für Steffen Niklas seine liebste Jahreszeit an. „Die Bäume haben dann dieses ganz besondere Grün…“

„Einer der schönsten Orte in Siegen“

Die flanierende Dreiergruppe um Jana Handels genießt derweil den gut bestellten Park – „einer der schönsten Orte in Siegen“, findet die Geschichtslehrerin, die ihren Gästen gleich noch die Burgmauern zeigen will. Die leichte Ausflugsatmosphäre im kühlen Frühlingskleid erzeugt gute Laune. Es wird gescherzt, gelacht. Primeln sind heute interessanter als die Pandemie. Und das tut den Gemütern sichtbar gut.

Trotzdem ist dieser Frühling auch ein bisschen traurig. Am gepflasterten Straßenrand Richtung Wirtshaus am Schloss hat sich eine Maske verheddert, die Stühle auf der rustikalen Terrasse stehen oben. Eigentlich würden mit dem Frühling für Horst und Angela Rzimski jetzt auch langsam die Biergartengäste kommen. Das Schnitzel in der Sonne ist aber weiterhin gestrichen. Ob die Rzimskis den Außenbereich öffnen werden, hängt von der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag ab. „Aber ich rechne eher mit einem erneuten Lockdown“, sagt der Küchenchef. Ähnliche Tristesse in der Poststraße. Niemand sitzt und nippt an Cappuccinos mit opulentem Milchschaum, niemand stößt an mit hell-orangenem Aperol. Auch Achim Scheens Terrassen-Traum muss wieder warten. Das „Stadtkind“ kann die angesagte Sonnenwoche nicht nutzen. Decken und Heizpilze sind eingepackt, zu unsicher ist die Lage. Die Gäste, sagt er, fragten ständig danach. „Die Leute wollen gerne draußen sitzen.“
„Bunte Tupfer, Frühlingszeichen“

"Die Menschen werden fröhlicher"

Und das machen die Menschen. Auf den Stufen der Nikolaikirche, am Siegufer, nahe der Fißmer-Anlage. Nur eben nicht auf den Stühlen der Gastronomie, sondern auf den noch kalten Steinen. Manche holen sich ein Eis im „Eiscafé Martini“ bei Angelina Martini und Robert Zubcic und schlendern danach weiter. „Wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen, werden die Menschen fröhlicher“, sagt Angelina Martini, die schon mit den ersten warmen Tagen im Februar den süßen Stimmungsaufheller in Mengen an die Siegener verteilte. Wie zum Beweis streckt Liah Beru (2), die mit Mama Sheraz nach der Kita wie gewohnt ihre kleine Kugel Erdbeereis abholt, ihren ergatterten Becher glücklich in die Kamera. Bunte Tupfer, Frühlingszeichen!

Autor:

Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

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