Kinderuni Siegen auf der Spur von "fremden" Wörtern
Prof. Dr. Britta Thörle lud Kinder zum Mitmachen ein

Auf die Türen, fertig los - am Anfang ist der Stempel im Kinderuni-Ausweis gefragt.
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  • Auf die Türen, fertig los - am Anfang ist der Stempel im Kinderuni-Ausweis gefragt.
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ciu Weidenau. Grün, blau, rot und gelb sind die Klebezettel, die am Dienstagnachmittag im Audimax, dem größten Hörsaal der Universität Siegen, auf den Pulten auf die Kinder warten. Aus gutem Grund, denn in ihrer Vorlesung über die weite Reise der Aprikose, greift Prof. Dr. Britta Thörle immer wieder zurück auf die Methode, mithilfe der quadratischen Papiere eine Antwort von den Kindern zu bekommen. Und die konnten sehr schnell und meist recht sicher einordnen, ob ein Wort aus dem Englischen, dem Französischen, dem Spanischen oder dem Italienischen stammt – zumal bei Farb-Bezeichnungen wie green, bleu oder rosso (das amarillo für gelb war nicht ganz so bekannt). Sie wussten, was Facebook ist, ein Cheeseburger oder ein Like und lernten doch in dieser Kinderuni-Veranstaltung jede Menge mehr über die Herkunft von Wörtern.

Britta Thörle folgt der Reise der Aprikose

Mit pädagogischem Geschick und spürbarer Begeisterung für ihr Fach, die Romanistik, also die Wissenschaft, die sich mit den romanischen Sprachen sowie deren literarischem und kulturellem Umfeld befasst, nahm Britta Thörle die Mädchen und Jungen (fast 200 waren es auch dieses Mal wieder!) mit zum Beispiel auf die Spur jener Frucht, die wir als Aprikose kennen. Von den Römern über die Griechen und die Araber hin zu den Spaniern, von dort zu den Franzosen und den Holländern bis zu den Deutschen, also eine Europareise par excellence (!).

Das Haus der Römer ist die villa

Dass Wörter von einer Sprache in die andere wandern, habe mit den Menschen zu tun, die eben diese Sprachen sprechen und, ganz wichtig, miteinander in Kontakt geraten: durch Reisen, Handel oder auch (leider) kriegerische Auseinandersetzungen. Aus der Fremde kehren Eindrücke mit zurück, von denen dann auch berichtet wird. Neu und aufregend war zur Zeit der Germanen etwa zu hören, dass das Haus der Römer, die villa, aus mit Steinen erstellten Wänden, der Mauer (murus), errichtet ist, in der es ein Fenster (fenestra) gibt, und dass über allem ein Dach mit Ziegeln (tegulae) sitzt. Im Gefolge des Weltentdeckers Kolumbus und seiner Begegnung mit den Azteken in Südamerika kamen prall rote Leckereien (die Tomate tomatl) und süße Kraftspender (die Schokoladexocolatl) nach Europa und damit auch ins Deutsche, das geprägt ist bedeutsam vom Französischen. Croissant oder Hotel wären zwei Beispiele, Politesse aber ("Vorsicht: Falle!") nicht, denn politesse bezeichnet im Französischen die Höflichkeit).

Lotterbett und Leichentopf

Dass manche meinten, es käme zu viel an Fremdem ins Deutsche, führte, so Britte Thörle, auch zu Gegenbewegungen. So entstanden Ersatzwörter für die Lehnwörter: Es hieß dann Lotterbett statt Sofa, Leichentopf statt Urne, Süßchen statt Bonbon, Anschrift statt Adresse, wobei Letztere zu Synonymen geworden sind, denn beide Worte sind bis heute durchaus gebräuchlich und auch verständlich.

Detektive auf der Spur der Wörter

Toll war bei dieser Kinderuni-Vorlesung, dass die Mädchen und Jungen immer wieder zum Mitmachen und Abstimmen eingeladen waren. Ausgestattet mit einem profund vermittelten Vorwissen erkannten sie englische, französische, italienische und spanische Wörter an ihrer Endung oder auch an der Aussprache der Professorin. Die hatte am Ende noch einen Tipp: Wer nun Spaß am detektivischen Nachspüren einer Wort-Geschichte bekommen habe, finde mehr dazu entweder in gedruckter Form (z. B. dem Herkunftswörterbuch aus dem Duden-Verlag) oder im Internet unter www.dwds.de und dort dann unter dem Begriff „Etymologie“.

Cornelie Rothmaler-Schön dankt Prof. Thörle

Bevor es ein fettes Schluss-Klopfen für Britte Thörle gab und auch zum Dank das Dr. SZettchen (dieses Mal überreicht von SZ-Geschäftsführerin Cornelie Rothmaler-Schön), wurden die Kinder nicht müde, Lehnwörter in die Runde zu werfen (Manege, Mozzarella …) und auch manch kluge Frage zu stellen: Aus welchen Sprachen sind eigentlich außerdem Worte ins Deutsche gekommen? Eine Antwort: aus dem Japanischen – wie bei Karate.

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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