Prozessauftakt gegen Nazi-Band

Nach langer Ermittlungsarbeit begann nun der Prozess gegen die Nazi-Band. Symbolbild: SZ-Archiv

nb - Vor dem Schöffengericht Betzdorf wurde Montagmorgen ein Prozess eröffnet, dem langwierige Ermittlungsarbeit vorausging. Anfang September 2012 war es, als Wohnungen in Wissen, Siegen und im oberen Westerwald durchsucht wurden. Entdeckt wurden dabei Waffen nebst Munition – und zahlreiche CDs (die SZ berichtete).

Und was auf diesen Tonträgern zu hören ist, hat jetzt drei Männer, inzwischen 34 beziehungsweise 30 Jahre alt, auf die Anklagebank gebracht. Denn welcher Natur die Lieder auf den CDs sind, lässt schon der Name der Band erahnen: „Kaltes Judenleder“(KJL). Gegründet worden sein soll die Band laut Staatsanwaltschaft im Februar 2011 von Stefan L. (alle Namen von der Redaktion geändert) und Patrick D., beide 34 Jahre alt. In ihrem „musikalischen Schaffen“ unterstützt worden sein sollen die beiden vom jüngsten Beschuldigten, Marcel K. In dessen damaliger Wohnung in Oberahr (bei Westerburg) waren die Tonträger sowie Instrumente und Tonstudio-Technik von den Ermittlern gefunden worden. Die tragen Titel wie „Anne Franks Gedenktag“ oder „Marathon am Pessahfest“.

Verbreitung von Propagandamaterial und das Verwenden von Symbolen verfassungswidriger Organisationen wird den Männern zu Last gelegt. Was sich dahinter verbirgt, wurde beim Prozessauftakt klar, als Oberstaatsanwalt Ralf Tries die Texte der elf Stücke, die nicht alle komplett verständlich sind, verlas.

Wo die Angeklagten politisch stehen, machen sie darin mit Zeilen wie „Wir sind keine Kinder der Demokratie“ und „Arisches Blut soll nicht untergehen“ deutlich. Darüber hinaus bestehen die Texte aus übelster Hetze und Gewaltandrohungen gegen Juden, Ausländer, Homosexuelle, geistig behinderte Menschen und Obdachlose. Verherrlicht werden dagegen Adolf Hitler und der Nationalsozialismus.

Nicht nur auf CDs verbreitete die Nazi-Band ihre Musik, sondern teilweise auch auf der Internet-Plattform Youtube. Zudem soll es 2011 einen Auftritt von KJL vor Mitgliedern des „Aktionsbüros Mittelrhein“, einer Verbindung rechter „Kameradschaften“, gegeben haben. Mitglieder dieses „Aktionsbüros“ beschäftigen wiederum seit Jahren in einem immer noch andauerndem Mammutprozess das Landgericht Koblenz.

Aber zurück nach Betzdorf. Hier setzte sich beim Prozessauftakt das Verlesen der Anklage fort – schließlich sollen Stefan L. und Patrick D., wohnhaft in Ailertchen (Westerwaldkreis) und Kirchen, auch noch die Band „Blutkult“ ins Leben gerufen haben. Stefan L. soll zudem der Gründer der Band „Amatus“ sein; ferner legt ihm der Oberstaatsanwalt den Besitz eines Schlagringes zur Last.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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