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Neuer Studiengang startet 2023
Psychotherapeuten "made in Siegen"

Wie dringend Psychotherapie gebraucht wird, zeigt der Blick in die Statistik: Im Jahr 2020 waren psychische Erkrankungen die Hauptursache für Fehlzeiten am
Arbeitsplatz – noch vor Rückenproblemen und Atemwegserkrankungen.
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  • Wie dringend Psychotherapie gebraucht wird, zeigt der Blick in die Statistik: Im Jahr 2020 waren psychische Erkrankungen die Hauptursache für Fehlzeiten am
    Arbeitsplatz – noch vor Rückenproblemen und Atemwegserkrankungen.
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ihm Siegen. Wer Psychotherapeut werden möchte, muss neuerdings einen Masterabschluss im Fach Psychotherapie vorweisen. Sonst gibt es keine Approbation für diese Tätigkeit – es sei denn, man hat ein Medizinstudium absolviert und ist Psychiater. Die Uni Siegen steigt nun in die Ausbildung der Psychotherapeuten ein, den entsprechenden Sonderhochschulvertrag billigte der Senat am Mittwoch.

Die Ausbildung für psychologische Psychotherapeuten besteht aus drei Stufen: Bachelorstudium „polyvalente Psychologie“ (sechs Semester), Master Psychotherapie (vier Semester) und Weiterbildung zum Psychotherapeuten in ambulanten oder stationären Einrichtungen (drei bis fünf Jahre).

ihm Siegen. Wer Psychotherapeut werden möchte, muss neuerdings einen Masterabschluss im Fach Psychotherapie vorweisen. Sonst gibt es keine Approbation für diese Tätigkeit – es sei denn, man hat ein Medizinstudium absolviert und ist Psychiater. Die Uni Siegen steigt nun in die Ausbildung der Psychotherapeuten ein, den entsprechenden Sonderhochschulvertrag billigte der Senat am Mittwoch.

Die Ausbildung für psychologische Psychotherapeuten besteht aus drei Stufen: Bachelorstudium „polyvalente Psychologie“ (sechs Semester), Master Psychotherapie (vier Semester) und Weiterbildung zum Psychotherapeuten in ambulanten oder stationären Einrichtungen (drei bis fünf Jahre). Diese Weiterbildung ist Voraussetzung für die sozialrechtliche Anerkennung der Therapeuten, die dann auf Krankenschein behandeln dürfen. Die letzte Phase war vor der Neuordnung der Ausbildung mit erheblichen Kosten verbunden. Künftig bekommen die angehenden Therapeuten zumindest ein gewisses Salär, das die Krankenkassen tragen.

Wissenschaftsministerium und Gesundheitsministerien an Ausgestaltung beteiligt

Aber noch ist es für Siegener Psychologiestudenten ein weiter Weg bis zur Approbation. Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher, Prorektorin für Bildung an der Uni Siegen, hat sich in den letzten Monaten mit vielen Details des neuen Studiengangs befasst. Denn an der Ausgestaltung ist nicht nur das Wissenschaftsministerium, sondern sind auch die Gesundheitsministerien von Bund und Ländern beteiligt. Aber nun ist der Weg frei: „Wer jetzt angefangen hat mit dem Psychologiestudium, kann im Wintersemester 2023/24 den neuen Master Psychotherapie beginnen.“ Die Hochschule stehe voll hinter dem neuen Angebot: „Die Uni will den Studiengang, er wird bundes- und landesweit gebraucht.“

Erst seit 2018 bietet die Uni Siegen Psychologie als eigenständigen Studiengang an – mit 30 Bachelor- und 30 Masterplätzen. Der Ansturm ist jedes Jahr riesig. Viele Studenten kommen aus dem Umland, aber auch weit entfernt wohnende Abiturienten bewerben sich in Siegen. Im vergangenen Wintersemester lag der Numerus Clausus bei 1,5.

Psychologen ziehen in die City

Inzwischen studieren 187 Master- und 32 Bachelorstudenten in Siegen Psychologie. Das Institut gehört übrigens zur Fakultät II (Bildung, Architektur, Künste). Das sei historisch so gewachsen, sagt Alexandra Nonnenmacher auf die Frage, warum man das Fach nicht an die Lebenswissenschaftliche Fakultät V andockt. „Es gibt im Moment keine Pläne, das zu ändern.“

Pläne zum Umzug der Psychologen vom Haardter Berg hinunter in die Stadt gibt es aber sehr wohl. Zusammen mit der Fakultät wird man in die City ziehen – wohin genau, sei noch nicht entschieden.

Prorektorin Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher hat den neuen Studiengang Psychotherapie für Siegen mit aus der Taufe gehoben.
  • Prorektorin Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher hat den neuen Studiengang Psychotherapie für Siegen mit aus der Taufe gehoben.
  • Foto: Uni Siegen
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Der Hintergrund für die neue Ausbildungsform der Psychotherapeuten ist vor allem der hohe Bedarf. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind lang. Wer psychische Probleme hat, muss sich oft Monate gedulden, bis er Hilfe bekommt. Das NRW-Wissenschaftsministerium beziffert den Bedarf an Approbationen jährlich mit 784 allein in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit müssten pro Jahr rund 2500 neue Psychotherapeuten zugelassen werden, um dem Bedarf gerecht zu werden. Deshalb hat das Ministerium die Hochschulen, die ein Psychologiestudium anbieten, gebeten, in die Psychotherapeutenausbildung einzusteigen.

Aufstockung der Bachelorplätze ab Wintersemester

Neben dem Master Psychotherapie bleibt der bisher schon bestehende Master Psychologie erhalten. Für die Psychotherapie kommen ab 2023 30 Masterplätze hinzu. Die Aufstockung der Bachelorplätze von 30 auf 60 ist deshalb schon im Wintersemester 2020/21 erfolgt.

Müssen nun auch mehr Professoren nach Siegen gerufen werden? Alexandra Nonnenmacher schüttelt den Kopf: „Nein. Was wir brauchen, ist mehr wissenschaftliches Personal.“ Derzeit sind am Institut für Psychologie acht Professoren tätig.

Uni-Ambulanz Wie groß der Bedarf an Psychotherapie ist, zeigt die Psychotherapeutische Hochschulambulanz (PHA), die im vergangenen Jahr ihre Arbeit aufgenommen hat. An diese Ambulanz (www.uni-siegen.de/pha) kann sich jeder wenden, der psychische Probleme behandeln lassen will oder eine Diagnostik wünscht. Auf Antrag zahlen die Krankenkassen für die Therapie. Staatlich zugelassene Therapeuten sind dort tätig, das Angebot richtet sich nur an Erwachsene. Auch Forschung gehört zum Aufgabenfeld. Vermutlich wird sich die Hochschulambulanz auch für die künftigen Psychotherapie-Studenten der Hochschule als Praxisfeld eignen. An Patienten wird es wohl nicht mangeln, die Ambulanz ist nach Angaben der Hochschule gut gebucht.
Wie dringend Psychotherapie gebraucht wird, zeigt der Blick in die Statistik: Im Jahr 2020 waren psychische Erkrankungen die Hauptursache für Fehlzeiten am
Arbeitsplatz – noch vor Rückenproblemen und Atemwegserkrankungen.
Prorektorin Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher hat den neuen Studiengang Psychotherapie für Siegen mit aus der Taufe gehoben.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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