Qualität aus dem Siegerland für die Märkte der ganzen Welt

Electrolux Siegen GmbH besteht 75 Jahre / Am 27. Dezember 1921 unter Führung von Wilhelm Loh als Siegener Gasapparatebau gestartet

Siegen. Für die schwedische Electrolux-Gruppe, führender Haushaltsgerätehersteller der Welt, spielt Deutschland als Absatzmarkt und Produktionsstandort eine große Rolle. Der Sitz der deutschen Holding befindet sich in Siegen. Ansässig ist hier mit der Electrolux Siegen GmbH auch die weltgrößte Fabrik für Absorberkühlschränke, die in diesem Monat ihr 75jähriges Bestehen feiert. Der Grundstein für die Electrolux Siegen GmbH wurde 1921 gelegt. In wirtschaftlich schweren Zeiten wurde am 27. Dezember die Siegener Gasapparatebau GmbH gegründet. Das Unternehmen fertigte anfangs unter der Geschäftsführung von Wilhelm Loh mit zehn Mitarbeitern Schweiß- und Hartlötgeräte. 1927 nahm man Kraftfahrzeugartikel wie Auspufftöpfe, Brennstoffbehälter sowie Preß- und Stanzteile ins Programm. Die Wirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre, in deren Gefolge wichtige Kunden ihre Zahlungen einstellten und die Belegschaft von 70 im Jahre 1929 auf 40 Personen zurückging, konnte nur mit Mühe gemeistert werden. 1936 wurde das Unternehmen im Zuge einer Bereinigung der Gesellschafterverhältnisse in die Siegas Metallwarenfabrik Wilhelm Loh KG umgewandelt. Im Jahr darauf konnte die Produktionskapazität durch den Ankauf eines Betriebes in Rudersdorf wesentlich erweitert werden. Den 250 Beschäftigten standen jetzt insgesamt 5000 m2 Arbeitsfläche zur Verfügung. Während des Zweiten Weltkrieges mußte die Produktion auf Rüstungsgüter, vornehmlich auf Kanister und Brennstoffbehälter für Militärfahrzeuge, umgestellt werden. Beim Großangriff britischer Bombenflugzeuge auf Siegen am 16. Dezember 1944 wurde der Siegener Betrieb größtenteils zerstört. Im Herbst 1945 lief dennoch wieder eine bescheidene Produktion an. Man beschränkte sich zunächst auf raumsparende Metall-Klappbetten. Nach der Währungsreform wurde die Fertigung von Automobilteilen wieder aufgenommen.

1950 der erste Absorberkühlschrank

1950 stellte Siegas auf der Frankfurter Frühjahrsmesse ihren ersten Haushaltskühlschrank der Marke SILO vor. Mit diesem Absorberkühlschrank, der später um SILO-Kompressorkühlschränke, Gefriertruhen und kleinere Haushaltsgeräte ergänzt wurde, gelang unter der Regie von Wilhelm Loh eine starke Aufwärtsentwicklung. 1961 waren bei Siegas 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Im Gefolge der ersten großen Nachkriegsrezession 1966/67 geriet die gesamte »weiße« Industrie in Deutschland unter Druck. Auch bei Siegas brach der Umsatz ein: Die Hauptkunden, vor allem ein großes Versandhaus und vier Kaufhaus-Ketten, mit denen rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt wurden, wechselten im ruinösen Preiswettbewerb zu italienischen Konkurrenten. Die Schwierigkeiten führten letztlich zum Ende der Firma Loh. Im Juni 1973 übernahm dann AB Electrolux Stockholm die Siegas Metallwarenfabrik. Es wurden unter der zunächst alleinigen Geschäftsführung des schwedischen Managers Dr. Sven Stork Sofortmaßnahmen zur Wiederherstellung der Rentabilität getroffen. Dazu gehörte eine rigorose Straffung des Produktionsprogrammes und eine Anpassung der Belegschaftszahl. Im Werk Rudersdorf blieben von 220 Artikeln noch 65 übrig. In Siegen konzentrierte man sich auf Absorptionskühlschränke für den Caravanmarkt sowie Minibars für Hotels. Diese Produkte waren übrigens der Grund, warum Electrolux auf Siegas aufmerksam geworden war. Dem Weltmarktführer hatte die Siegas erhebliche Konkurrenz bereitet und war in Deutschland in diesem Produktbereich zum Marktführer aufgestiegen. Direkt nach der Übernahme liefen neben Rationalisierungsanstrengungen auch Entwicklungsaktivitäten für neue Produkte an. Dennoch schrieb man, wie sich der 1975 zum Geschäftsführer ernannte Rolf Giesler erinnert, in den ersten beiden Geschäftsjahren tiefrote Zahlen. 1976 wurde der Vertrieb mit der Hamburger Electrolux Küchentechnik GmbH vereinigt und der Sitz nach Siegen verlegt. Seither erfolgt die Vermarktung der Siegener Produkte unter der Marke Electrolux. Noch in den 70ern gab es erste Überlegungen zur Verlagerung der Produktion. In der Siegener Welterstraße wurde unter beengten Verhältnissen auf mehreren Ebenen gefertigt. »Die Umzugspläne waren bereits 1978/79 fertig, scheiterten aber an der Finanzierung«, erinnert sich Giesler. Erst 1987 wurde der Kampf des Managements belohnt: Die Entscheidung fiel, ein neues Werk im Siegener Ortsteil Kaan-Marienborn zu errichten. Im April 1988 begannen die ersten Arbeiten im Weißtal. Bereits im Juli 1989 konnte die neue Fabrik bezogen werden. Ein Jahr später wurde das neue Verwaltungsgebäude fertig. Seitdem steht in Siegen die weltgrößte und modernste Fabrik für Absorberkühlschränke. Electrolux ist in diesem Produktbereich Weltmarktführer. Wer heute auf Europas Straßen oder Campingplätzen mit Caravan oder Reisemobil Urlaub macht, wird fast immer von einem in Siegen produzierten Kühlschrank begleitet. Und wer in Asien, Amerika oder Europa im Hotel nächtigt, stößt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Minibar aus Siegen. Bei diesem Produkt beläuft sich der Weltmarktanteil auf über 60 Prozent. »Die Möglichkeit, sich weltweit der Electrolux-Vertriebsgesellschaften bedienen zu können, war und ist ein großer Vorteil«, betont Adolf Kretzer, seit 1976 Electrolux-Geschäftsführer.

In Rudersdorf Umformtechnik

Das zur Electrolux Siegen GmbH gehörende Werk Rudersdorf hat sich zu einem modernen Betrieb für Umformtechnik entwickelt und ist heute zu etwa 20 Prozent Zulieferer für die zertifizierte Fertigung im Weißtal. Die übrigen Kunden kommen im wesentlichen aus der Automobil- und der Haushaltsgeräteindustrie und werden mit anspruchsvollen Umform-Produkten aus allen gängigen Metallen bis zu 3 mm Materialdicke in Großserie beliefert. Während 1973, im ersten Jahr der Übernahme durch Electrolux, der Umsatz knapp unter 30 Mill. DM lag, erwirtschaftet Electrolux Siegen im Jubiläumsjahr 1996 etwa 150 Mill. DM. Fertigte man 1973 etwa 30000 Absorberkühlschränke, so sind es in diesem Jahr 250000. Während der Export 1973 bei max. 5 Prozent lag, beträgt er heute rund 60 Prozent. Täglich werden im Schnitt etwa 1300 Kühlschränke mit ihrem lautlosen, langlebigen und umweltfreundlichen Kühlkreislauf in die ganze Welt geliefert. An den beiden Standorten im Siegerland sind heute rund 650 Beschäftigte für Electrolux tätig. Die erfolgreiche Unternehmensgeschichte der letzten 25 Jahre ist untrennbar mit den Akteuren an der Spitze verbunden. Geprägt wurde Electrolux von den Geschäftsführern Rolf Giesler, Ulrich Hoffmann, Adolf Kretzer und Raimund Spies – sie haben zum Teil in jungen Jahren ihre Berufslaufbahn bei Siegas begonnen. Heute stehen neben Kretzer als Vorsitzendem der Geschäftsführung, Gunther Bittner für Technik, Hans-Peter Stamm für Vertrieb und Marketing und Joachim Kinscher als Leiter des Werkes Rudersdorf in der unternehmerischen Verantwortung.

»Wir haben noch viel vor in Siegen«

Kretzer ist überzeugt, daß ohne den engagierten Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ohne die guten Verbindungen zu Kunden und Lieferanten die vergangenen Jahrzehnte am Siegener Standort nicht so erfolgreich hätten gestaltet werden können. »Wir haben noch viel vor in Siegen. Ich hoffe, daß die Entwicklung um den Standort Deutschland so verläuft, daß es sich auch in Zukunft lohnt, im Siegerland zu investieren.« jowi

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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