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Radverkehrsnetz mitgestalten
Radfahrer werden zu Ratgebern

Damit Fahrradfahren demnächst noch mehr Spaß macht, fragt der Kreis die "Experten" vor Ort nach ihrer Meinung.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

js Siegen/Bad Berleburg. Radfahren erlebt eine wahre Renaissance. Nicht erst der Corona-Shutdown hat dafür gesorgt, dass der moderne „Drahtesel“ wieder gefragt ist – Diskussionen um Klimaschutz und der E-Bike-Boom haben den Blick auf das umweltschonende Fortbewegungsmittel geschärft. Auch in unserer einst nicht allzu fahrradtauglichen verschrienen Region mit all ihren topografischen Höhen und Tiefen ist klar geworden: Die viel zu lang an den Straßenrand gedrängten Radfahrer brauchen attraktive Routen.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein lässt nun von einem Fachbüro bis zum Jahresende ein kreisweites Radverkehrskonzept entwickeln.

js Siegen/Bad Berleburg. Radfahren erlebt eine wahre Renaissance. Nicht erst der Corona-Shutdown hat dafür gesorgt, dass der moderne „Drahtesel“ wieder gefragt ist – Diskussionen um Klimaschutz und der E-Bike-Boom haben den Blick auf das umweltschonende Fortbewegungsmittel geschärft. Auch in unserer einst nicht allzu fahrradtauglichen verschrienen Region mit all ihren topografischen Höhen und Tiefen ist klar geworden: Die viel zu lang an den Straßenrand gedrängten Radfahrer brauchen attraktive Routen.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein lässt nun von einem Fachbüro bis zum Jahresende ein kreisweites Radverkehrskonzept entwickeln. Darin geht es um die Radverbindungen zwischen den Städten, Gemeinden und Ortsteilen in Siegerland und Wittgenstein – eine Ergänzung zu den von den einzelnen Kommunen vorliegenden oder in Auftrag gegebenen eigenen Konzepten. Das Ziel ist klar formuliert: Mehr Menschen sollen zum Umstieg auf das Fahrrad motiviert werden.

Der Blick von außen mag hilfreich sein, ohne Insiderwissen aber sind auch die Fachleute schnell am Ende mit ihrem Latein. Das Planungsbüro Planersocietät hat nun einen Entwurf als „Ideenkarte“ vorgelegt und stellt ihn zur Diskussion. Das Konzept stellt ein Radwegenetz bestehend aus Haupt- und Nebenrouten vor. Bis Ende des Monats können und sollen Bürger ihren Senf dazu geben, die lokale Expertise beisteuern. Bis Mitte Juni wird gesammelt. In der ersten Woche seit dem Aufruf sind bereits zahlreiche Beiträge zusammengekommen.

Erster Blick auf die Sammlung

Die SZ wirft einen ersten Blick in die Sammlung und stellt exemplarisch einige Vorschläge, Anregungen und Problemfälle vor. Besonders der Punkt „fehlende Verbindungen“ wird von den Lokalexperten bislang sehr kräftig gefüttert. Laut gefordert wird ein Radweg von Oberheuslingen bis Oberfischbach. Die L 531 zwischen Eiserfeld und Neunkirchen-Salchendorf über die Schränke müsse einen sicheren Radweg bekommen. Die Anbindung zwischen dem Hickengrund und Burbach sollte geschaffen werden. Für den Siegener Stadtverkehr gibt es zahlreiche Hinweise, Beispiel Frankfurter Straße: „Zumindest vom Löhrtor bis zu Kochs Ecke könnte der breite gepollerte Gehweg zu einem kombinierten Geh-/Radweg umgebaut werden“, rät ein Lokalexperte und erhält viel Zuspruch. „Für die gesamten Hauptadern in Siegens Innenstadt sollten Fahrradwege eingerichtet werden“, fügt ein anderer Bürger hinzu.

Den Radlern fehlen zudem beispielsweise sichere Verbindungen zwischen Kredenbach und Unglinghausen, zwischen Wemlighausen und Girkhausen, zwischen der Siegener Unter- und Oberstadt, zwischen Wilgersdorf und der Kalteiche, zwischen Lützel und Netphen (Anmerkung eines Bürgers: „Obwohl ab der Kronprinzeneiche bis nach Lützel die B 62 komplett und sehr aufwendig saniert wurden, hat man nicht daran gedacht, ein Fahrradweg zu bauen, obwohl genügend Platz jetzt dafür vorhanden gewesen wäre. Ich meinen Augen eigentlich ein Skandal!“) sowie zwischen Grund und Bahnhof Vormwald am Zollposten.

Sicherheitsmängel aufzeigen

Doch nicht nur die direkten oder sicheren Verbindungen zwischen den Ortschaften werden erwähnt – auch ein paar Schmankerl für die Freizeit werden gewünscht – so zum Beispiel ein Radweg auf der stillgelegten Bahntrasse von Birkelbach (Röspe) nach Kirchhundem. Wo fallen Sicherheitsmängel auf? Das ist Thema eines eigenen Kapitels, zu dem es ebenfalls bereits eine beachtliche Resonanz gibt. Ein Beispiel: „Der Radweg durch Herzhausen Richtung Hilchenbach endet direkt in einer Anbindung L 728. Das ist sehr gefährlich, weil die Autos/Lkw hier reichlich schnell fahren. Dringend notwendig wäre ein Radweg neben der L 728 bis Hof Maustal“, schreibt ein Radfahrer, der hier schon einige brenzlige Situationen erlebt hat.

Als „lebensgefährlich“ bezeichnet ein versierter Radfahrer die Verbindung zwischen Seelbacher Weiher und Heisberg. Eine Gefahrenstelle aus der Krönchenstadt beschreibt ein anderer Lokalexperte: „Zwischen Häutebachweg und Bahnhofstraße wird nicht deutlich, wie man die Hauptstraße queren kann/soll.“ Sorge bereitet einem weiteren Hinweisgeber ein HTS-Pfeiler in Geisweid, der den dortigen Radweg teilt: „Es hat schon Unfälle gegeben. Außerdem gibt es in diesem Bereich Steinblöcke zur Fahrbahntrennung. Mit zunehmendem Fahrradaufkommen sind die Radwege zu schmal.“

Hinweise auf bauliche Mängel gibt es aus zahlreichen Abschnitten der bestehenden Radwege im Kreisgebiet. Genannt wird hier beispielsweise der Radweg durchs Ferndorftal zwischen Allenbach und Dahlbruch. Der führt idyllisch durch den Wald, Radfahrern wird aber in einem Teilabschnitt durchaus Übung abverlangt.

Alternativen können vorgeschlagen werden 

Alternativvorschläge zu den Wegeführungen auf der Konzeptkarte geben ebenfalls ein – z. B. im Siegener Alchetal, wo ein Radfahrer dafür plädiert, die Hauptroute nicht über die Freudenberger Straße, sondern an der Alche entlang zu planen. Ein Vorschlag aus dem Wittgensteiner Land: „Der Radweg von Bad Laasphe nach Sassenhausen führt direkt über die L 718, diese Straße ist sehr kurvenreich und unübersichtlich. Als Radfahrer fühle ich mich dort nicht wirklich gut aufgehoben. Eine Alternative könnte parallel zur L 718 gehen, diese würde direkt durch den Wald führen.“

Auch Lob ist möglich

Einige Kritikpunkte werden bereits eine Woche nach dem Start der Umfrage deutlich. Doch auch Lob ist möglich in dieser Befragung. Positive Beispiele im Kreisgebiet finden sich demnach zwischen Burbach und Würgendorf, gut kommt die Brücke über die HTS-Auffahrt Eiserfeld im Bereich Eisenhutstraße an, auch wenn sie aus Sicht anderer Radfahrer zu schmal ausfällt. Auch weitere Fahrradampeln wären durchaus erwünscht in der Expertenrunde. Zum Vorbild taugen der Radweg zwischen Eckmannshausen und Dreis-Tiefenbach und der von Freudenberg auf einer alten Eisenbahnstrecke durchs Gambachtal (samt Tunnel). Lobend erwähnt wird auch der Radweg entlang der Umgehungsstraße von Burbach. Nur fehle diesem auf beiden Seiten leider eine Fortsetzung, heißt es einschränkend.

Der Blick über die Staatsgrenzen empfiehlt ein Radfahrer: „Ich bin ein Fan des niederländischen Radnetzes. Karten und Beschilderungen sind dort vorbildlich. Ansatzweise sieht man dies auch bei uns – aber leider nur ansatzweise. Daher mein Vorschlag: Beschilderung und Kartenmaterial ausbauen, damit Radfahren im Siegerland wieder so richtig Spaß macht. Und wenn dann noch die Autofahrer wie in Holland Rücksicht nehmen, ist die Unfallgefahr reduziert.“ Ein weiterer Ideengeber bringt einen anderen Aspekt ins Spiel: „Gibt es eigentlich schon irgendwo eine Beschilderung die zwischen E-Bikes und normalen Radlern unterscheidet? Die Routen im Siegerland können stark unterschiedlich sein, je nachdem ob man mit oder ohne Unterstützung unterwegs ist.“

Damit Fahrradfahren demnächst noch mehr Spaß macht, fragt der Kreis die "Experten" vor Ort nach ihrer Meinung.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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