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Heimische Pfarrgemeinden unterschiedlicher Meinung
Rainer Maria Woelki spaltet die katholische Kirche

Muss viel Kritik einstecken: Rainer Maria Woelki.

rege Siegen. Die kath. Kirche ist in aller Munde. Mal wieder. Missbrauchsskandal. Mal wieder. Und der Auslöser der Debatte hat einen Namen: Rainer Maria Woelki. Seines Zeichens Oberhirte des Erzbistums Köln. An der Nicht-Veröffentlichung des ersten Gutachtens, dem Vertrösten auf das zweite Gutachten und dem katastrophalen Krisenmanagement scheiden sich nun die christlichen Geister.
Das lassen die „Schafe“ ihre „Hirten“ auch spüren. Die Austrittswelle ist bisher noch nicht siegaufwärts geschwappt, dennoch sorgt die hitzige Debatte auch in den heimischen Pfarrgemeinden für Gesprächsstoff.

rege Siegen. Die kath. Kirche ist in aller Munde. Mal wieder. Missbrauchsskandal. Mal wieder. Und der Auslöser der Debatte hat einen Namen: Rainer Maria Woelki. Seines Zeichens Oberhirte des Erzbistums Köln. An der Nicht-Veröffentlichung des ersten Gutachtens, dem Vertrösten auf das zweite Gutachten und dem katastrophalen Krisenmanagement scheiden sich nun die christlichen Geister.
Das lassen die „Schafe“ ihre „Hirten“ auch spüren. Die Austrittswelle ist bisher noch nicht siegaufwärts geschwappt, dennoch sorgt die hitzige Debatte auch in den heimischen Pfarrgemeinden für Gesprächsstoff.

So viele Menschen treten hier aus der Kirche aus

Das gilt insbesondere für die Pfarreiengemeinschaften, die noch zu der Diözese Köln gehören wie der Seelsorgebereich Obere Sieg (Wissen und Umgebung) oder Morsbach/Friesenhagen/Wildbergerhütte.

Kreisdechant Martin Kürten will Zündstoff herausnehmen

Martin Kürten, Pfarrer in Wissen und Kreisdechant des Dekanats Altenkirchen, liegt viel daran, erst einmal Zündstoff aus den Diskussionen zu nehmen. „Wir müssen aus der aufgeheizten Stimmung auf eine sachliche Gesprächsebene zurückkehren. In dem ersten Gutachten der Münchner Kanzlei waren eindeutig rechtliche Mängel, die den Bischof gezwungen haben, ein zweites Gutachten machen zu lassen. Das braucht seine Zeit. Es geht schließlich nicht darum, ob jemand über ein rote Ampel gefahren ist oder falsch geparkt hat, sondern um Missbrauch. Wer da schuldig gesprochen wird, dessen Leben ist ruiniert und deshalb braucht man eine solide, belastbare Grundlage, ehe ein Urteil gefällt wird“, plädiert der Seelsorger aus dem Kreis Altenkirchen für einen fairen Umgang mit dem 64-jährigen Kardinal, der in seinem Hirtenbrief auch mitgeteilt habe, dass er es ernst meine und den Skandal transparent aufklären wolle.

Dechant Karl-Hans Köhle vertraut auf Ausklärungswillen

Davon geht auch der Siegener Dechant Karl-Hans Köhle aus: „Ich sehe es wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und vertraue darauf, dass Woelki den Aufklärungswillen hat. Es wird Gründe dafür geben, warum er das erste Gutachten nicht veröffentlichen will. Dass das Ganze ungeschickt war, da sind sich alle einig, aber wir müssen die Debatte versachlichen und darauf vertrauen, dass er den Missbrauchsskandal bestmöglich aufklärt“, fordert Köhle Fairness im Umgang mit dem angeschlagenen Kardinal.
Doch nicht alle sind so gut auf Woelki zu sprechen. Der Friesenhagener Gemeindereferent Werner Schürholz sieht die Angelegenheit kritischer. „Ich bin überzeugt davon, dass er eine echte Aufklärungsabsicht hat und nach dem zweiten Gutachten sichtbare und deutliche Konsequenzen ziehen wird. Was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, ist es bisher katastrophal gelaufen, und es bleibt schwierig nachzuvollziehen, warum das erste Gutachten nicht veröffentlicht werden konnte. Es geht aber darum, dass alles hieb- und stichfest ist, wenn ein Urteil gefällt wird. Die gesamte Situation ist momentan sehr belastend für alle Haupt- und Ehrenamtlichen, aber die Tage bis zum 18. März warten wir jetzt notgedrungen auch noch ab. Es muss vorrangig darum gehen, sich um die Opfer zu kümmern, und nicht darum, die Institution zu schützen“, übt Schürholz sich bis zur endgültigen Bewertung gezwungenermaßen noch in Geduld.

Peter Härtling aus Wallmenroth verliert die Geduld

Dem Wallmenrother Pastoralreferenten Peter Härtling droht unterdessen der Geduldsfaden zu reißen. „Im Bistum Köln sind schwere Fehler gemacht worden. Die Entschuldigungen Woelkis sehe ich mit Erschrecken. Diese fußen auf einer Sichtweise, die einen Bischof eine unangreifbare Autorität sein lässt. Er kann tun und lassen, was er will. Dass selbst höchste Mitbrüder darüber sprechen, dass über Rücktritt nachgedacht werden muss, sind außergewöhnliche Ereignisse.“
So etwas habe es nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland noch nicht gegeben. Die Sache liege in Rom zur Entscheidung, es brenne aber nicht in Rom, sondern vor Ort. Diese Situation müsse ganz schnell beendet werden, denn sie sei für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche eine Katastrophe. Die Leute träten scharenweise aus, „weil sie sich das nicht mehr bieten lassen. Die Menschen brauchen aber die Kirche“, sieht der Lehrer der Betzdorfer Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums dringenden Klärungs- und Handlungsbedarf, damit die katholische Kirche Vertrauen zurückgewinnt und in Zukunft nicht wegen Missbrauchsuntersuchungen, sondern vor allem wegen guter Werke und Nächstenliebe in aller Munde ist …

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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