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Mutter, Mutter, Tochter, Sohn
Rechtslage belastet Regenbogenfamilie

Happy End – (bald) auch auf dem Papier: Die Mütter Sabrina (l.) und Andrea (r.) Jahn mit ihren Kindern Leonie Haley und Pepe.
  • Happy End – (bald) auch auf dem Papier: Die Mütter Sabrina (l.) und Andrea (r.) Jahn mit ihren Kindern Leonie Haley und Pepe.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

ap Katzwinkel. „Das sind Mama und Mami, als sie noch kein Kind hatten. Sie liebten sich und waren sehr glücklich. Und weil sie sich so sehr liebten, wünschten sie sich ein Baby.“ Das ist nicht nur der Beginn eines bunt bebilderten Kinderbuches. Es gehört auch zur (Liebes-)Geschichte von Andrea und Sabrina Jahn. Vor 19 Jahren lernten sich die beiden Frauen in der Geisweider Diskothek Darling kennen. Liebe auf den ersten Blick. Zwölf Jahre später folgte die Hochzeit – und ein gemeinsamer Kinderwunsch. Doch für sogenannte Regenbogenfamilien, die...

ap Katzwinkel. „Das sind Mama und Mami, als sie noch kein Kind hatten. Sie liebten sich und waren sehr glücklich. Und weil sie sich so sehr liebten, wünschten sie sich ein Baby.“ Das ist nicht nur der Beginn eines bunt bebilderten Kinderbuches. Es gehört auch zur (Liebes-)Geschichte von Andrea und Sabrina Jahn. Vor 19 Jahren lernten sich die beiden Frauen in der Geisweider Diskothek Darling kennen. Liebe auf den ersten Blick. Zwölf Jahre später folgte die Hochzeit – und ein gemeinsamer Kinderwunsch. Doch für sogenannte Regenbogenfamilien, die nicht dem „klassischen“ Standard entsprechen, gelten in Deutschland besondere Regeln: Während bei heterosexuellen Paaren der Ehemann bei der Geburt eines Kindes automatisch als Vater anerkannt wird – ganz egal, ob er der leibliche Vater ist oder nicht–, gibt es bei einem lesbischen Ehepaar nur ein rechtliches Elternteil – nämlich die leibliche Mutter. Verstehen können die Jahns diese (Sonder-)Regelung nicht. „Wir sind verheiratet und führen eine ganz normale Beziehung. Wieso kann es bei uns nicht so sein, wie bei Heteropaaren?“ Um die Familie abzusichern, stand für die beiden deshalb von Anfang an fest: Andrea wird die Kinder adoptieren.

Steiniger Weg zur Adoption

Acht Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes – vorher ist ein Antrag nicht möglich – reichte die Familie alle erforderlichen Unterlagen ein: vom Verdienstnachweis über Gesundheitszeugnis und polizeiliches Führungszeugnis bis hin zum Lebensbericht. „Die wollten wissen, wie meine eigene Kindheit war oder wie das Umfeld auf mein Outing reagiert hat“, erklärt die 38-jährige Andrea Jahn. „Du musst dich komplett nackig machen.“ Auch die eigenen vier Wände würden bei einer Adoption vom Jugendamt begutachtet. „Man fühlt sich da schon in seiner Privatsphäre gestört“, beklagen die Frauen. Gleiche Situation, gleiches bürokratisches Verfahren bei Sohn Pepe, der im März ein Jahr alt wird. „Totaler Humbug“, findet das Ehepaar, „die haben doch schon all unsere Unterlagen.“ Nicht nur bei den beiden Adoptionsverfahren brauchen die Jahns einen langen Atem. Schon die Schwangerschaften und die Zeit davor waren ein langer, steiniger Weg.

Kinderwunschklinik in München

Private Angebote habe es damals einige gegeben, erinnert sich Sabrina Jahn sichtlich amüsiert. „Das wollten wir aber auf keinen Fall. Wer weiß, ob der Vater nicht doch irgendwann Ansprüche stellt?“ Um ihrem Kinderwunsch ein Stück näherzukommen, informierte sich das Paar deshalb über andere, seriöse Optionen. In einer Münchener Klinik ließen sie anhand äußerer Merkmale und Charaktereigenschaften der künftigen Adoptivmutter Andrea einen Spender auswählen. „Dass uns diese Entscheidung abgenommen wurde, war uns in dem Moment ganz recht“, erklärt ihre Gattin. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Eisprung musste sich die werdende Mutter auf den Weg zur Kinderwunschklinik machen. Eine logistische Herausforderung: „Wir mussten uns immer andere Ausreden für den Arbeitgeber einfallen lassen“, erinnern sich die Frauen zurück. Neun Mal wurde eine künstliche Befruchtung in München durchgeführt. Neun Mal die große Hoffnung, dass es endlich klappt. Neun Mal bittere Enttäuschung nach einem negativen Schwangerschaftstest. Mit jedem Versuch, der mindestens 1000 Euro – plus Nebenkosten für Anreise und Übernachtung – kostete, stieg die Suche nach Alternativen. Eine Bauchspiegelung brachte schließlich Klarheit: „Wir hätten es noch 50 Mal versuchen können, es hätte nicht geklappt.“ Diagnose: ein verwachsener Eileiter.

Fünf Versuche, zwei Treffer

Die Jahns wollten aber noch nicht aufgeben – auch wenn sie wussten: jeder Eisprung und jede Befruchtung werden „ein Drahtseilakt“ sein. Sie entschieden sich für eine Online-Samen-Bestellung aus Dänemark mit anschließender Heiminsemination, lasen etliche Stammbäume quer und suchten den idealen Spender. „Die Auswahl war begrenzt. Viele Dänen sind blond und haben helle Augen.“ Was den beiden bei ihrer Suche auch immer wichtig war: Dass ihre Kinder den selben leiblichen Vater haben und somit auch das gleiche Ergebnis bekommen, wenn sie ihn suchen und kennenlernen möchten. Deshalb orderten die Ehefrauen zwölf Portionen eines Spenders à 750 Euro. „Das war wie im Film“, schildert das Paar. „Der Postbote kam mit einer qualmenden Box mit flüssigem Stickstoff und hat uns die Spende gebracht.“ Fünf Versuche, zwei Treffer. Vorfreude, die schnell wieder verloren ging. Sabrina Jahn hatte zwei Fehlgeburten. „Unsere Nerven lagen blank“, gesteht die selbstständige Fotografin.

Weihnachtskarte für Mama und Mami

Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Versuch klappte es dann doch: Im Mai 2017 wurde Leonie Haley geboren – „ein laufender Kleinwagen“, wie ihre leibliche Mutter scherzt, „aber wirklich jeden Cent wert.“ Die Schwangerschaften verlief anders als gedacht – die Jahns hatten sich von vornherein auf kritische Fragen aus ihrem Umfeld eingestellt. „Aber es kam irgendwie nichts“, zeigen sie sich sichtlich erleichtert und auch ein wenig ungläubig. Der offene Umgang mit dem Thema sei sicher ein Grund dafür. „Und wir leben ja auch wirklich vollkommen normal, wie jede andere Familie auch.“ In der selbstgebastelten KiTa-Weihnachtskarte von Tochter Leonie stand deshalb auch nichts anderes als: Für meine Mama und für meine Mami. „Das fanden wir schon echt süß.“

Adoptionszahlen in Siegen

Insgesamt wurden 2020 in Siegen neun Adoptionen erfolgreich abgeschlossen – drei davon waren Adoptionen eines fremden Kindes und sechs waren Adoptionen von Stiefkindern. In den vergangenen Jahren gab es pro Kalenderjahr je eine Stiefkindadoption durch die Ehefrau einer Regenbogen-Mutter.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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