SZ

Grundwasser weiter auf niedrigem Stand
Regen nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Aktuell ein gewohntes Bild in der Region: Wie hier die Sieg bei Niederschelden treten viele Gewässer über die Ufer, auch kleine Bachläufe verwandeln sich in starke Ströme. Die Waldböden sind aber nach wie vor sehr trocken.
4Bilder
  • Aktuell ein gewohntes Bild in der Region: Wie hier die Sieg bei Niederschelden treten viele Gewässer über die Ufer, auch kleine Bachläufe verwandeln sich in starke Ströme. Die Waldböden sind aber nach wie vor sehr trocken.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. Gefühlt ist seit dem Herbst kaum ein Tag vergangen, an dem es in Siegerland und Wittgenstein nicht geregnet hat. Aktuell treten viele Gewässer über die Ufer, kleine Bachläufe verwandelten sich in starke Ströme, die beiden Talsperren der Region haben den aktuell zulässigen Höchststau von 90 Prozent längst erreicht – und die Meteorologen sagen nach den Schneefällen für die kommenden Tage weitere Niederschläge voraus. Vor allem Waldbauern klagen jedoch nach wie vor über staubtrockene Böden, verweisen auf einen nach wie vor besorgniserregend niedrigen Stand des Grundwassers – das klingt zunächst nach einem Widerspruch.

cs Siegen. Gefühlt ist seit dem Herbst kaum ein Tag vergangen, an dem es in Siegerland und Wittgenstein nicht geregnet hat. Aktuell treten viele Gewässer über die Ufer, kleine Bachläufe verwandelten sich in starke Ströme, die beiden Talsperren der Region haben den aktuell zulässigen Höchststau von 90 Prozent längst erreicht – und die Meteorologen sagen nach den Schneefällen für die kommenden Tage weitere Niederschläge voraus. Vor allem Waldbauern klagen jedoch nach wie vor über staubtrockene Böden, verweisen auf einen nach wie vor besorgniserregend niedrigen Stand des Grundwassers – das klingt zunächst nach einem Widerspruch.

Es müsste mehrere Jahre lang viele regenreiche Monate geben

„Die Oberflächengewässer, Flüsse, Seen, Talperren haben sich von den beiden trockenen Sommern durch die Regenfälle der vergangenen Wochen wieder erholt. Für das Grundwasser und die Böden gilt das leider noch nicht“, heißt es auf SZ-Anfrage dazu vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). Für das Grundwasser werde es selbst bei mehreren regenreichen Monaten pro Jahr viele Jahre dauern, bis das Defizit behoben sei.
Der viele Niederschlag hat dabei bislang wenig geholfen. Insbesondere ab tieferen Schichten bei etwa 1,80 Metern sind die Böden nach wie vor extrem trocken. „Das erschwert zum einen das Einsickern von Regenwasser bis in Grundwasser führende Schichten. Zum anderen lässt es natürlich die Bäume und Wälder an Dürre leiden, die in diesen Schichten wurzeln“, heißt es seitens des Landesamtes weiter. Daten speziell für die heimische Region vermag das LANUV nicht zu liefern, verweist aber darauf, dass zuletzt 80 Prozent aller Grundwassermessstellen in NRW noch immer einen niedrigeren Wasserstand aufgewiesen haben, als es ihn in einem Januar üblicherweise gegeben hat.

Wasserverband steht kaum vor Problemen

Ein Umstand, der auch beim heimischen Wasserverband beobachtet wird. Markus Koll berichtet, dass aus Kontakten mit Waldgenossenschaften bekannt sei, dass nach wie vor ein Grundwasserdefizit vorliege und tiefere Bodenschichten noch immer nicht durchfeuchtet seien. Probleme speziell für die Fachbehörde resultierten draus indes nicht: „Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein bezieht mit ca. 85 Prozent den Hauptanteil seines Rohwassers für die Trinkwasserherstellung aus dem Oberflächenwasser der Obernau-Talsperre und der Breitenbach-Talsperre“, erklärt der Betriebsleiter, dass man echtes Grundwasser nur an wenigen ausgewählten Standorten in geringen Mengen entnimmt. Größtenteils greifen die Fachleute für die „verbleibenden“ 15 Prozent auf oberflächennahes Grundwasser zurück, „wovon ca. 10 Prozent auf das Grundwasserwerk Siegtal in Dreis-Tiefenbach und ca. 5 Prozent auf mehrere kleinere Gewinnungen im Siegerland und Wittgenstein entfallen“, wie Markus Koll erläutert.

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein bezieht mit ca. 85 Prozent den Hauptanteil seines Rohwassers für die Trinkwasserherstellung aus dem Oberflächenwasser der Obernau-Talsperre und der Breitenbach-Talsperre (im Bild).
  • Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein bezieht mit ca. 85 Prozent den Hauptanteil seines Rohwassers für die Trinkwasserherstellung aus dem Oberflächenwasser der Obernau-Talsperre und der Breitenbach-Talsperre (im Bild).
  • Foto: Peter Helmes (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Lediglich bei der kleinsten Gewinnungsanlage in Zinse habe das Grundwasserdargebot im Hochsommer 2018 und 2019 nicht ausgereicht, sodass zeitweise zur Unterstützung zusätzliches Trinkwasser mit einem Tankwagen in den Ortshochbehälter habe zugeführt werden müssen. Markus Koll: „Der Wasserverband lässt derzeit ein hydrogeologisches Gutachten erstellen, um zusätzliche Grundwasserressourcen in diesem Bereich zu erschließen.“

"Für den Wald reicht das bei Weitem nicht aus"

Insgesamt ist der heimische Wasserverband also nicht in ganz erheblichem Maße von einem guten Grundwasserstand abhängig – ganz anders natürlich die Waldbauern. Es sei zwar „nicht schlecht“, dass es in der jüngeren Vergangenheit so viel geregnet habe, meint Forstamtsleiter Diethard Altrogge, sagt aber auch: „Für den Wald reicht das bei Weitem nicht aus.“ Es werde oft verkannt, dass die Bäume einen riesigen Wasserspeicher benötigten, „und genau dieser fehlt aktuell.“ Besonders nach den beiden Extrem-Sommern mache sich außerdem das Fehlen einer geschlossenen Schneedecke – zumindest über Wochen hinweg – bemerkbar, die für die Grundwasserauffüllung ideal gewesen wäre. Paradox: Die hiesigen Forste seien bei Sturm „Sabine“ wohl auch deswegen glimpflich davongekommen, weil die Wurzeln nicht in durchnässten Bereichen stünden, sondern im trockenen Erdreich fest verankert gewesen seien.
Übrigens: Das Gerücht, dass die Grundwasserstände in Siegen-Wittgenstein „traditionell“ niedriger seien als in anderen Regionen NRWs, verweisen die Fachleute ins Reich der Fabeln. Markus Koll sagt lediglich, dass es hierzulande aufgrund des Mittelgebirgscharakters keine einheitlichen Grundwasserstände gebe.

Zum Begriff "Grundwasser" Erklärungen zum Begriff „Grundwasser“ liefert das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Grundwasser ist ein wesentlicher Bestandteil des Naturhaushaltes. Es trägt zur Erhaltung von Feuchtgebieten und Flussläufen bei und gleicht in niederschlagsarmen Zeiten den Wasserhaushalt aus. Grundwasser entsteht aus dem im Boden versickernden Niederschlag. Das eingedrungene Wasser bewegt sich nach unten. Über wasserundurchlässigen Schichten sammelt es sich und füllt die Hohlräume als Grundwasser aus. Zur Beobachtung des Grundwasserstandes und der Grundwasserbeschaffenheit wird ein landesweites Netz von Grundwassermessstellen betrieben und die Ergebnisse in der Grundwasserdatenbank festgehalten.
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

Christian Schwermer (Redakteur) auf Facebook
Christian Schwermer (Redakteur) auf Instagram
following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

Einladung an Gäste und Freunde nach Geisweid
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt. Dieses Ereignis möchte das Team um Inhaber Giuseppe Giannetti und seine Ehefrau Maria am Sonntag, 19. September, ab 11.30 Uhr mit allen Kunden und Freunden, Partnern und Bekannten gemeinsam feiern. Einladung zum Sekt bei der Pizzeria da Pino„Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten. Daher ist unsere...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen