Reichlich Worte verloren

So sehen Gewinner aus: Lars Ruppel aus Marburg siegte mit seinen kraftvollen Texten und der noch viel kraftvolleren Performance übers Verlieren. Foto: nik
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nik Siegen. Verlieren kann man alles: sein Portemonnaie, seine Autoschlüssel, seine Unabhängigkeit, seinen Verstand. Und Worte. Was ziemlich spannend ist, wenn man damit gewinnen will. So wie am Donnerstagabend im Zelt vor dem Apollo-Theater, in dem der 1. Siegener Biennale-Poetry-Slam stattfand. Hier waren höchstens noch ein paar Stehplätze zu haben, als Moderator Olaf n. Schwanke das Publikum begrüßte; die Veranstaltung war seit zwei Wochen ausverkauft und der letzte Slam an anderer Stelle gerade mal ein paar Tage her. Wortschlachten sind keine Kellerkinder mehr. Angereist waren acht Slammer, mit Nazz war nicht nur die einzige Frau, sondern auch die einzige Siegenerin im Rennen. Neun Könner, „alte Hasen“ teils, traten also gegeneinander an, um bei einer Veranstaltung zu gewinnen, die „Lucky-Loser-Slam“ hieß, angelehnt ans Motto der Biennale, „Vom Verlieren“. Vier von ihnen würden es in die Endrunde schaffen; im jungen Publikum rasch zusammengesuchte Jurys hielten ihre Benotungen in die Luft.

50 Punkte konnte jeder maximal einstreichen, wobei es an diesem Abend strenggenommen Minuspunkte waren. Zu gewinnen gab es Geld. Das Rennen machten schließlich Jan Kai Goldberg aus Münster, Lars Ruppel aus Marburg, „Der Tom“ Schildhauer aus Karlsruhe und Nazz.

Genau wie ihre Konkurrenten Lasse Samström (Augsburg), Egon Alter (Darmstadt), Nico Semsrott (Hamburg), Alexander Bach (Köln) und Jürgen Klumpe (Frankfurt) trugen sie mit Blatt in der Hand oder ohne Selbstverfasstes vor, Gerapptes, Gereimtes, Ungereimtes, Gerauntes, Gerufenes oder Gegreintes zum Thema Verlieren.

Dass das auch witzig sein kann und sogar sollte, ist klar – schließlich ging es um „glückliche Verlierer“, mancher aber fischte doch allzu offensichtlich einen schnellen Lacher ab. Beiträge zum Nachdenken waren in der Unterzahl, wirkliche Ausreißer gab es keine, wobei Jürgen Klumpes Beitrag schon die Frage hervorrief, ob Siegen sakrosankt sein sollte. Sollte es nicht, aber mehr Wissen und weniger Arroganz hätten seiner Lästerei nicht schlecht zu Gesicht gestanden.

Nazz’ intensiver „Text an all die Jammerlappen“, Jan Kai Goldbergs Geschichte auf verschiedenen Realitätsebenen und Toms Geständnis „Ich bin ein Verlierertyp“ spiegelten zwar ziemlich vieles von dem wider, was man mit Worten machen kann, überraschten, amüsierten und schockierten auch, letztlich mussten sich aber alle Lars Ruppels Gedicht über „Das Unwesen“ (das heute als hessischer Politiker selbiges treibt) und seinem bitterbösen E-Mail-Duell mit Mitbewohnerin Julia geschlagen geben. Für die Frau bleibt zu hoffen, dass das Ganze reine Fiktion war. Ansonsten hätte sie nämlich verloren.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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