Reisende in Zeit und Raum

Andrea C. Hoffer zeigt Bilder vom Reisen in verschiedenen Welten in der Weidenauer Galerie S. Foto: gmz

gmz Weidenau. Sie lebt zwischen den Welten, sie ist eine Reisende. „Traveller“, Reisende(r), heißt die Ausstellung von Andrea C. Hoffer auch folgerichtig, die bis 11. Dezember in der Galerie S (Sparkasse Weidenau), der Kooperation von Kunstverein und Sparkasse Siegen, zu sehen ist. Die Künstlerin, Meisterschülerin von Penck, lebt und arbeitet in Düsseldorf und auf Tobago (Karibik). Ihre oft sehr großformatigen Arbeiten zeigen, farblich sehr intensiv, Interieurs von Räumen, die teilweise, so überraschend das klingen mag, zwischen Stillleben und Landschaftsbildern (in der Dekoration, im Ausblick, in der Tapete) angesiedelt sind. Andrea C. Hoffers Räume sind fast immer menschenleer, zeigen aber Spuren menschlicher Gegenwart. Meist zeigt sie geschlossene Räume, die aber durch im Winde wehende Vorhänge oder Fenster mit Ausblicken das Außen immer mitimaginieren lassen. Diese Spannung zwischen Belebtheit und Leere, zwischen geschaffenem und erlebtem Raum (Innen und Außen) wird dadurch intensiviert, dass die Künstlerin in vielen Bildern das „et ego“ des Totenkopfes als unaufdringlichen, aber unübersehbaren Kommentar platziert: Der Mensch ist immer auf dem Weg, das Leben, wenn man so will, ist eine Reisestation.

Diese Erkenntnis wird allerdings keineswegs pessimistisch, resignierend oder anklagend dargestellt, sondern als Beobachtung, die auch viel Raum lässt für das Erfassen der Zeiten, in denen der Mensch lebt. Es sind Arbeiten, die, wie es Patricia Ferdinand-Ude in ihrer interessanten Einführung formulierte, „von positiver Gestimmtheit“ zeugen. Die Interieurs sind nämlich mit einer Mischung aus alten, vielleicht sogar altmodischen Möbeln bestückt, die aus der Opulenz der Gründerzeit zu stammen scheinen, und modernen Zeitzeichen, wie dem aktuellen, neu aufgelegten 70er-Geometriedesign.

Auch geografisch-modisch sind die Räume nicht festzulegen: Zwischen karibischer Farb-Leichtigkeit und europäischem Darstellungswillen, zwischen „Kolonialstil“ und Heimeligkeit präsentieren sich die Räume, die durch den individuellen Stilmix sehr persönlich und belebt wirken. Andrea C. Hoffer malt ihre farbintensiven Bilder mit expressivem Gestus, stimmungsvoll und detailreich, sehr bewegt. Wie ein Reisender eben, der das Zimmer gerade verlässt, um weiterzuziehen – die Blumen stehen noch auf dem Tisch, oder wie der Reisende, der jeden Moment erwartet wird – die Blumen stehen schon auf dem Tisch. Und trotzdem sind die Räume nicht „privat“, sondern sind Stationen: Immer sind die Türen geöffnet oder nur mit Vorhängen geschlossen, Bücherstapel zeugen vom Verweilen, die Fotografie von auf dem Tisch von Gewesenem, Kleider hängen oben im Raum, als Deko, nicht zum Anziehen, über der Türe prangt das „öffentliche“ Schild „Exit“. Wir sind Reisende in Zeit und Raum!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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