Anwohnern stinkt es gewaltig
Remondis klagt gegen Verfügung

Die Siegener Niederlassung der weltweit agierenden Firma Remondis, Dienstleister für Recycling, Service und Wasser, hat Probleme. Am Standort Leimbachstraße beschweren sich Anwohner über extreme Geruchsbelästigungen, vor allem abends und nachts. Bis zum Herbst soll eine Lösung gefunden sein.  Foto: kalle
  • Die Siegener Niederlassung der weltweit agierenden Firma Remondis, Dienstleister für Recycling, Service und Wasser, hat Probleme. Am Standort Leimbachstraße beschweren sich Anwohner über extreme Geruchsbelästigungen, vor allem abends und nachts. Bis zum Herbst soll eine Lösung gefunden sein. Foto: kalle
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ihm/sz Siegen. Über extreme Geruchsbelästigungen an der Leimbachstraße beklagten sich Bürger, berichtete Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Kreisumweltausschusses. Vor allem in den Abendstunden und nachts sei die Belästigung unerträglich. Bauamtsleiter Olaf Vetter nickte: „Die Gerüche sind seit 20 Jahren bekannt.“ Sie kämen von einer chemisch-physikalischen Aufbereitungsanlage. Zuständig sei die Bezirksregierung Arnsberg, der Kreis habe keinerlei Eingriffsmöglichkeit.

Bei dem Unternehmen handelt es um die Firma Remondis, laut eigener Homepage einen der weltweit größten Dienstleister für Recycling, Service und Wasser. „An rund 800 Standorten auf vier Kontinenten arbeiten über 30 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mehr als 30 Millionen Bürger und viele tausend Unternehmen“, heißt es auf der Website.

Auf die Fragen der Siegener Zeitung zum Geruchsproblem antwortete Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Arnsberger Bezirksregierung, ausführlich.

SZ: Warum treten diese starken Gerüche auf?

Söbbeler: „In der Anlage werden flüssige Abfälle (z. B. Emulsionen, Waschflüssigkeiten) mit chemischen (z. B. Fällung/Flockung) und physikalischen Methoden (z. B. Vakuumdestillation) behandelt und anschließend über das Kanalnetz zur Kläranlage der Stadt Siegen geleitet. Die Behandlung findet fast vollständig in einer geschlossenen Halle mit einer Abluftreinigungsanlage statt. Bei einigen dieser Behandlungsschritte werden die flüssigen Abfälle in Betonbecken außerhalb der Halle zwischengepuffert. Diese Betonbecken sind mit Trapezblechen abgedeckt, die Abluft wird gefasst, über einen provisorischen Aktivkohlefilter insbesondere zur Verringerung der Gerüche gereinigt und anschließend über einen ca. vier Meter hohen Schornstein in die Atmosphäre emittiert.

Die Abdeckung der Becken und das Aktivkohlefilter sind von Remondis als Adhoc-Maßnahme zur Verringerung von Geruchsemissionen konzipiert worden und besitzen technische Schwachstellen (Undichtheiten, Kondensation im Filter möglich, dadurch schnellerer Verbrauch der Aktivkohle, Schornsteinhöhe zu niedrig etc.). Diese entsprechen dadurch nicht vollständig dem erforderlichen Stand der Technik.

Die Gerüche werden durch das Abwasser in diesen Pufferbecken verursacht. Dies konnte bei mehreren Terminen vor Ort durch die Bezirksregierung bestätigt werden. Vereinzelt konnte auch festgestellt werden, dass die Gerüche dieses Abwassers nach Einleitung in den städtischen Kanal weiter hangabwärts in der Leimbachstraße emittiert werden – dies aber nur vereinzelt und mit wesentlich niedrigerer Bedeutung. Für Vermeidungsmaßnahmen im Kanalnetz selbst ist dabei der Kanalnetzbetreiber zuständig; dies liegt außerhalb unserer Zuständigkeit.“

SZ: Sind technische Maßnahmen zur Verhinderung möglich?

Söbbeler: „Verbesserung der Dichtheit der Beckenabdeckung, Ersatz des provisorischen Aktivkohlefilters durch qualifizierte Abluftreinigungsanlage und ausreichende Schornsteinhöhe nach dem Stand der Technik (mehr als zehn Meter).

Zu den technischen Möglichkeiten der Emissionsminimierung im städtischen Kanalnetz kann von hier mangels Zuständigkeit nichts gesagt werden.“

SZ: Was unternimmt die Bezirksregierung derzeit, um die Bürger vor dem Gestank zu schützen? Was wurde in der Vergangenheit unternommen?

Söbbeler: „Die Bezirksregierung hat in der Vergangenheit Beschwerden über Gerüche bearbeitet, Emissionsquellen auf dem Gelände der Anlage durch eigene Ermittlungen festgestellt, daraufhin Verbesserungsmaßnahmen von Remondis gefordert und die Umsetzung dieser Maßnahmen überwacht. Ferner hat die Bezirksregierung am 30. Oktober 2018 eine Ordnungsverfügung gegenüber Remondis erlassen. Darin wurden alle der in der vorherigen Antwort genannten Maßnahmen angeordnet. Zusätzlich wurden u. a. Geruchsemissionsgrenzwerte für diesen Schornstein und die gesetzlich vorgesehenen wiederkehrenden Kontrollmessungen festgelegt. Remondis hat am 27. November 2018 Klage gegen die Anordnung erhoben. Diese hat aufschiebende Wirkung, sodass die Ordnungsverfügung bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens nicht vollzogen werden kann.

Die Bezirksregierung wartet aktuell nicht das Ergebnis des Gerichtsverfahrens ab, sondern steht in Verhandlung mit Remondis, um eine Umsetzung der Maßnahmen noch im Jahr 2019 zu erreichen. Remondis hat dabei unverbindlich die Umsetzung der Ordnungsverfügung zum Herbst 2019 in Aussicht gestellt.“

SZ: Ist eine Schließung des Betriebs ins Auge gefasst worden?

Söbbeler: „Die Fa. Remondis hat in den vergangenen Jahren die Verlegung des Betriebs an einen anderen Standort beabsichtigt. Aktuelle Planungen hierzu sind nicht bekannt.

Der Betrieb besitzt eine unbefristet gültige Betriebsgenehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Eine Schließung durch die Behörde ist nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich, die hier aktuell nicht vorliegen. Vor einer möglichen Schließung sind alle möglichen und zumutbaren Verminderungsmaßnahmen (technischer und organisatorischer Art) auszuschöpfen. Dies war mit der aktuell beklagten Ordnungsverfügung vorgesehen.

Sofern nach Umsetzung der Ordnungsverfügung weiterhin relevante Gerüche durch die Anlage verursacht werden, ist der Grad der Belastung in einem Gutachten festzustellen. Sofern dabei die zumutbare Schwelle überschritten werden sollte, sind durch die Bezirksregierung daraufhin Maßnahmen zur Minderung der Belastung zu fordern. Die konkreten Maßnahmen hängen vom Grad der Belästigung ab. Bei einer erheblichen Überschreitung kann auch eine Betriebsschließung möglich sein, wenn die Einhaltung der Grenzwerte nicht auf anderem Weg erreicht werden kann.“

Michael Schneider, der Pressesprecher von Remondis, bestätigte, dass man vermutlich bis zum Herbst das Problem lösen wolle. Der Auftrag für eine neue Abdeckung der Becken und eine moderne Abluftreinigung sei vergeben. Die Abluft werde dann in eine zentrale Abluftreinigungsanlage geleitet. „Wenn das geschehen ist, müssten die Gerüche beseitigt sein.“

Nach wie vor suche Remondis einen neuen Standort in Siegen, sei aber noch nicht fündig geworden. „Wir sind für Vorschläge offen“, erklärte der Sprecher.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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