Rempler zu viel kostete den »Dreier«

Bettenstaedts »Wecksignal« reichte nicht / Eine schwache Leistung, die trotzdem Mut macht

geo Siegen. Wenn man einer Mannschaft nach einem Fußballspiel Fazit ziehend bescheinigt, eine schwache Leistung geboten zu haben, die aber Mut für die nahe Zukunft macht, muss einen der gemeine Leser für zumindest beginnend schwachsinnig halten. Und doch lässt sich dieser scheinbare Anachronismus nach den gestrigen 90 Regionalliga-Minuten im Leimbach-Stadion auflösen. Denn wer die Messlatte stets am Optimum ausrichtet, muss tatsächlich ziemlich enttäuscht gewesen sein: von Siegen einerseits und von Erfurt sowieso. Doch das Optimum im Fußball, wo gibt es das?

Vielmehr ließ das ereignisarme Geschehen erahnen, wie die weitere Saison verlaufen wird, in der die Siegener - Punktabzug hin oder her - momentan mit dem Rücken zur Wand spielen. Denn da waren sie doch wieder, die ersten zarten Pflänzchen fußballerischen Bemühens. Da lief mal der Ball über fünf, sechs Stationen ohne Aussetzer. Da war Engagement und hier und da auch etwas Esprit zu attestieren. Und da war eine Verlegenheitsabwehr, die sich besser als erwartet aus der Affäre zog, viel besser.

Zugegeben: diese positiven Ansätze erbrachten gestern noch kein wirklich gutes Spiel, im Gegenteil, es war nüchtern betrachtet kaum zum Ansehen. Doch so »rumpeln« nun mal die meisten Teams nach langem Winterschlaf in den Fußball-Frühling. Das ist in Siegen nicht viel anders. Im Grunde muss man mal wieder froh sein, erst ein Auswärtsspiel beim Liga-»Schlusslicht« gehabt zu haben, dann ein Heimspiel gegen einen behäbig und ideenlos auftretenden Scheinfavoriten. So bleibt die Hoffnung, dass sich die elf Kicker in den roten Hemden möglichst rasch und ohne große Reibungs - sprich Punktverluste - wieder zu besseren Taten aufschwingen und das Abstiegsgespenst aus Siegen vertreiben.

Doch noch ist es nicht soweit, musste sich das heimische Fußballvolk noch einmal mit Schmalkost in Form einer echten Siegener Torchance und einer - wohlwollend ausgedrückt - halben Erfurter Chance begnügen. Siegens Abwehrreihe funktionierte tadellos und ließ bis auf einige Schrecksekunden in der zweiten Hälfte keine wirkliche Gegentor-Furcht aufkommen. Umgekehrt war Siegens Sturm gar keiner, denn der allein auf sich gestellte Til Bettenstaedt erfuhr nahezu null Unterstützung von seinen Mitspielern. Dass ihm dennoch nach langer Ladehemmung in der 10. Minute sein 4. Saisontreffer glückte, war auch ein Geschenk der RWE-Hintermannschaft, die sowohl Islamoglus Zuspiel auf Rechtsaußen zu Björn Weikl, als auch dessen präzise Hereingabe völlig verschlief. Dieses eine Mal entwischte Bettenstaedt dem Ex-Rostocker Thomas Gansuage und schoss spektakulär zur Führung ein.

Erfurts mutloses Geplänkel konnte eine Stunde lang niemand wirklich erschrebecken. Jedoch mischte der zur zweiten Hälfte eingewechselte Enis Dzihic die Abwehr wenigstens ein bisschen auf und versuchte es nach 64 Minuten mit einer »Schwalbe«, für die er »Gelb« sah. Doch nur vier Minuten später schubste Eric Lukin am Strafraum ein wenig am schnellen Silvio Pätz herum, und diesmal war der Referee zur Elfmeter-Konzession bereit. Ein solcher Mut verließ ihn übrigens in der Schlussminute, als die Gäste vehement noch einmal Strafstoß forderten. Der in der 68. Minute aber von Torsten Ziegner sicher verwandelte Strafstoß reichte auch so zum verdienten Punktgewinn für eine letztlich dennoch enttäuschende Erfurter Mannschaft, die den Beweis einer ambitionierten Spitzenmannschaft total schuldig blieb.

Das ließ sich übrigens ganz besonders an der Person Bruno Akrapovics festmachen, der einst im Zweitliga-Relegationsspiel im Trikot der längst insolventen Tennis-Borussia aus Berlin den Siegenern eine lange Nase machte, dann über Energie Cottbus Eingang in die Bundesliga-Geschichte feierte und jetzt mehr und mehr auf dem absteigenden Ast ist.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen