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Heftige Kritik aus der Region
Rente mit 68 als "Affront gegen Arbeitnehmer"

Rente mit 68? In der Region gibt es Kritik am Vorschlag, das Eintrittsalter zu erhöhen.
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  • Rente mit 68? In der Region gibt es Kritik am Vorschlag, das Eintrittsalter zu erhöhen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Siegen/Bad Berleburg. Wie lange werden wir noch arbeiten müssen? Mit welchem Alter können wir uns in den Gartenstuhl setzen und nach Jahren der Arbeit die Rente genießen? Wer kurz davor steht, der lässt nicht selten einen Countdown auf dem Handy mitlaufen oder hat einen Kalender, auf dem er die Tage streicht.
Wenn es nach einem Beratergremium des Bundeswirtschaftsministeriums geht, dann müssten in Zukunft deutlich mehr Kreuzchen gemacht werden. Die Berater empfahlen in einem Gutachten jetzt, das Renteneintrittsalter auf 68 zu erhöhen. Eine Maßnahme, die der Finanzierungslücke entgegenwirken soll. Ein Vorschlag, der für viel Diskussionsstoff sorgt.

sp Siegen/Bad Berleburg. Wie lange werden wir noch arbeiten müssen? Mit welchem Alter können wir uns in den Gartenstuhl setzen und nach Jahren der Arbeit die Rente genießen? Wer kurz davor steht, der lässt nicht selten einen Countdown auf dem Handy mitlaufen oder hat einen Kalender, auf dem er die Tage streicht.
Wenn es nach einem Beratergremium des Bundeswirtschaftsministeriums geht, dann müssten in Zukunft deutlich mehr Kreuzchen gemacht werden. Die Berater empfahlen in einem Gutachten jetzt, das Renteneintrittsalter auf 68 zu erhöhen. Eine Maßnahme, die der Finanzierungslücke entgegenwirken soll. Ein Vorschlag, der für viel Diskussionsstoff sorgt.

Gewerkschaften kritisieren Renten-Vorschlag massiv

Die einen haben Verständnis, schließlich muss die Rente auch in Zukunft gezahlt werden, und die Zeiten, in denen die heutige Boomer-Generation noch die breite Basis der Bevölkerungspyramide bildete, sind lange vorbei. Die anderen, oft aus bestimmten Berufsgruppen, fragen sich, ob das kräftemäßig überhaupt zu schaffen ist. Die SZ hörte sich um.

Arbeiten dürfen

Kritik an dem Vorschlag, das Renteneintrittsalter zu erhöhen, kam vor allem von den Gewerkschaften. Auch Ingo Degenhardt, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Siegen-Wittgenstein und Geschäftsführer der DGB-Region Südwestfalen, hat eine klare Position: „Es war ja nur ein Frage der Zeit, wann das Thema eines noch höheren Eintrittsalters in die Rente wieder aufgerufen wird.“ Dem aktuellen Vorschlag einer Rente mit 68 erteilen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften eine klare Absage. Jede erneute Diskussion zu diesem Thema ist ein Affront gegen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“
Sie seien die Leistungsträger der Wirtschaft und Gesellschaft.

Beispiel Österreich

Alle Gedanken in diese Richtung hätten das Ziel, die Arbeitgeber massiv zu entlasten, den Sozialstaat zurückzubauen und den Ausbau der Privatisierung der Altersvorsorge zu forcieren. „Und es geht immer auch um Rentenkürzungen. Wir haben bei der Rente keinen Generationenkonflikt. Es kommt vielmehr darauf an, wie die Kosten zur Finanzierung zwischen den Arbeitgebern und den Beschäftigten verteilt werden. Daher mein Appell für gute Arbeit, für tarifgebundene Beschäftigung und für die Zurückdrängung des Niedriglohnsektors. Es gibt genügend Hebel für eine Verbesserung der Einnahmesituation bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen“, so Degenhardt.
Und er kritisiert das Offensichtliche: das Thema Rente in Wahlkampfzeiten – „alles andere als zielführend“.

Rente mit 68? Das sagen SZ-Leser

Corinna Bender (37) aus Wilnsdorf ist Heilerziehungspflegerin im Gruppendienst eines Wohnhauses für Menschen mit Beeinträchtigungen:
„Ich verstehe, dass die Menschen immer älter werden, somit länger Rente beziehen, die Gelder knapp werden und ein höheres Renteneintrittsalter naheliegend ist. Durch Hilfsmittel- und Personalmangel, allem voran der Fachkräftemangel, habe ich die Befürchtung, dass ich das Eintrittsalter von 68 Jahren nur mit eigenen körperlichen Einschränkungen erreichen und selber auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein werde. Stellt man sich ,die Rente’ so vor?

Corinna Bender.

Günter Janson (69) aus Bad Laasphe ist Obermeister der Fleischerinnung der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd:
„Wenn Maurer oder Dachdecker, die jeden Tag draußen schwer arbeiten, bis 68 machen sollen, können Sie am besten gleich einen Deckel drauf machen. Das gilt auch für unsere Berufe. Ich habe das Glück, dass ich mit 69 noch kann, aber ich kenne Altgesellen, die gehen am Rollator. Auch für die Verkäuferinnen ist es hart: Den ganzen Tag stehen, ins Kühlhaus laufen, 4 Grad, zurück in den Verkaufsraum, Rückenprobleme stellen sich bei vielen ein. Als Metzger fängt man mit 15, 16 an und dann hört die Arbeit nicht mehr auf, ich mache das ja selbst schon seit 54 Jahren. In anderen Berufen, wenn die Schulausbildung länger dauert und sich noch die Uni anschließt, geht man ja erst viel später in den Beruf. So viele sind das inzwischen. Ist doch logisch, dass das Rentensystem so nicht funktionieren kann. Wer bei der Arbeit einen Schlips trägt, kann auch drei Jahre länger arbeiten, meine Meinung. Für körperlich anstrengende Berufe mit entsprechendem Verschleiß ist das undenkbar.“

Günter Janson.

Matthias Vorbau (53) aus Feudingen ist Meister im Garten- und Landschaftsbau mit eigenem Betrieb:
„Ich selbst werde wahrscheinlich bis zum Renteneintrittsalter arbeiten. Für mich als Unternehmer sehe ich das weniger kritisch, weil ich zwischen dem Büro und der Baustelle wechseln kann. Es wird in Zukunft leichter, wenn die zweite Generation nachkommt, dann muss ich weniger nach draußen. Für Helfer und Leute auf der Baustelle stelle ich mir das mit 68 schwierig vor, auch wenn es mittlerweile viele Hilfsmittel gibt, körperliche Arbeit bleibt es trotzdem. Das Problem ist oft, dass die guten erfahrenen Leute dann mit 40 gehen und sich woanders etwas suchen, wo die körperliche Belastung geringer ist. Ein Problem, das viele Handwerksberufe haben. Ich selbst kenne wenige, die bis zum Rentenalter durchgehalten haben.“

Matthias Vorbau.

Edgar Neumann (59), Betriebsratsvorsitzender des Real-Markts in Eiserfeld:
„Die Kollegen, die bei uns in Rente gehen, sind meistens froh, wenn sie aus dem Berufsleben aussteigen können. Man geht immer davon aus, dass im Einzelhandel keine schwere Arbeit geleistet werden muss. Das sieht in der Realität anders aus. Schwere Paletten müssen gezogen werden, schwere Waren müssen in die Regale geräumt werden. Und eine Kassierin an der Kasse steht schwer unter Stress, die muss auf sehr vieles achtgeben. Das belastet schon. Ich habe mitbekommen, dass wenn es um die Rente mit 68 geht, die Frage gestellt wird: Wie lange sollen wir denn noch arbeiten?“

Edgar Neumann.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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