Reue des Täters nicht festgestellt

Mehr als vier Jahre Haft für Vergewaltigung der Tochter / Auch Körperverletzung bestraft

pebe Siegen. »Nur ich kann meine Tochter glücklich machen mit Gottes Hilfe.« Mag sein, dass der Angeklagte den Satz in seinem letzten Wort anders meinte, als er klang. Dem Gericht jedenfalls stieß die Einschätzung des 43-Jährigen sauer auf: »Er hat ein merkwürdiges Rollenverständnis«, sagte später Richter Wolfgang Münker, Vorsitzender der Siegener Jugendschutzkammer, in der Urteilsbegründung. Vor dem Hintergrund der Tat hätten die Sätze die Kammer »erschreckt«. Die Tat: sexueller Missbrauch und Vergewaltigung der damals 15-jährigen Tochter des Angeklagten (die SZ berichtete). Gestern verurteilte die Kammer den geständigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einem Monat. Eingerechnet wurde dabei allerdings eine früher verhängte Strafe. Ein Jahr und drei Monate Haft verhängte die Kammer außerdem, weil der Angeklagte das Mädchen wenige Monate später erneut bedrängt und dabei auch geschlagen hatte. Auch hier musste eine frühere Strafe eingerechnet werden. In diesem Fall allerdings sah das Gericht einen freiwilligen Rücktritt von dem Versuch, seine Tochter erneut zu missbrauchen, denn er hätte sein Vorhaben »auch gegen den Willen des Mädchens durchziehen können«, erklärte Münker. Die Staatsanwältin hatte für beide angeklagten Fälle – ebenfalls unter Einbeziehung der früheren Strafen – sechsdreiviertel Jahre Haft gefordert. Die Taten seien abartig und scheußlich. Für ihn spreche sein wenn auch »halbherziges« Geständnis und eine gewisse Alkoholisierung, gegen ihn spreche u.a., dass ihm die Gefühle seiner Tochter völlig egal gewesen seien und sie einen »ganz erheblichen seelischen Schaden« genommen habe. Das betonte auch die Anwältin des Opfers. Der Verteidiger wollte sich indes nicht auf ein Strafmaß festlegen, setzte sich aber für einen offenen Vollzug ein.

»Wenn seine Tochter all das in der Hauptverhandlung erzählt hätte, was sie bei der Polizei und der Psychologin gesagt hat, dann wären viel mehr Einzelheiten in die Verhandlung eingeflossen«, sagte Münker. Dies hätte sich zum Nachteil des Angeklagten ausgewirkt. Denn was er während der Tat zu seiner Tochter gesagt haben sollte, hätte einen »Hinweis auf seine Gesinnung« geliefert. Das pauschale Geständnis habe ihm da genutzt.

Die Tat selbst hatte der 43-Jährige begangen, nachdem er seinen eigenen Angaben zufolge drei Flaschen Wodka und außerdem Bier getrunken hatte. Betrunken zwang er seine Tochter zu sexuellen Handlungen und drohte ihr mit dem Tod, wobei er zur Bekräftigung eine eiserne Lampe in der Hand hielt. Anschließend vergewaltigte er die 15-Jährige. Abweichend von der Ansicht des psychiatrischen Sachverständigen schloss das Gericht eine verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht aus. Der Sachverständige hatte eine Einschränkung der Verantwortlichkeit ausgeschlossen, da Alkohol bei Sexualstraftaten keine Rolle spiele. Dies sei jedoch kein juristischer Satz, meinte Münker. Er ging davon aus, dass bei allen Straftaten die Steuerungsfähigkeit durch Alkohol eingeschränkt werde. »Das entspricht der Lebenserfahrung.«

Positiv wertete das Gericht, dass der Angeklagte das Verfahren nicht verzögert, sondern sogar auf eine zügige Begutachtung gedrängt habe, »weil er die Sache hinter sich haben wollte«. Das Geständnis listete die Kammer ebenso zu seinen Gunsten auf wie die Tatsache, dass seine bisherigen Vorstrafen nicht einschlägig waren. Gleichzeitig fielen die zwölf Vorstrafen jedoch negativ ins Gewicht. Anlasten lassen muss sich der Angeklagte zudem die »hässlichen sexuellen Handlungen«. Reue stellte Münker beim Angeklagten nicht fest. Zwar fiel das nicht strafschärfend ins Gewicht, aber die Einordnung in die Nähe der Negativfaktoren sprach eine deutliche Sprache.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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