Viele Gründe sorgen für Knappheit
"Riesiger Holzhunger" in Übersee

Wie hier in einem Wald bei Bad Laasphe, werden derzeit riesige Mengen Rundhölzer direkt in Container verfrachtet und sodann nach Asien verschifft.
  • Wie hier in einem Wald bei Bad Laasphe, werden derzeit riesige Mengen Rundhölzer direkt in Container verfrachtet und sodann nach Asien verschifft.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

hobö Olpe/Siegen. Wie kann es in einer derart waldreichen Region zu Holzknappheit kommen? Frank Klein, Geschäftsführer bei Holz Münker in Birlenbach, spricht von einer „ganz verzwickten Maschine mit vielen Zahnrädern“. Treibende Kraft ist vor allem der „riesige Holzhunger“ in den USA und in China. „Und wer am meisten bezahlt, kriegt das meiste Holz“, erklärt Frank Klein das simple Gesetz des Marktes.

In den USA werde beispielsweise für Schnittholz und andere Holzwerkstoffe ein dreifach höherer Preis bezahlt als in Europa. Da sei logisch, dass die Sägewerker lieber dorthin verkaufen würden.
Die beiden Weltmächte pumpten derzeit Milliardensummen in die Wirtschaft, mit der Folge, dass dort enorme Investitionen getätigt und hohe Werkstoffpreise bezahlt würden. Da könne Europa derzeit nicht mithalten, so Klein. In Kanada gebe es durch Käferbefall einen gigantischen Schaden insbesondere an der Kiefer.

Zölle zur USA gefordert

Jedenfalls komme von dort nichts mehr in die USA, die nun ihr Holz auch aus Europa holten – und dies zollfrei. „Schade, dass die Politik hier nicht hilft und zumindest über Zölle nachdenkt“, kritisiert Zimmerer- und Dachdeckermeister Tim Häner, Geschäftsführer von Häner Hausbau und Zimmerei in Gerlingen.
Außerdem ist das Material knapp geworden, weil Russland als Reaktion auf die Sanktionen des Westens nicht mehr so viel Holz nach Europa exportiert. Einst waren skandinavische Länder wichtige Holzlieferanten, doch die Verbindung wurde vor Jahren vernachlässigt, der Lieferweg sozusagen gekappt. Nunmehr fehlt dort sogar die Logistik, Zentraleuropa mit viel Holz zu versorgen. Zudem setzt man dort auf Nachhaltigkeit, was parallel zu einer deutlichen Preiserhöhung geführt hat.

Lieferengpässe und Preisexplosion

Waldbesitzer profitieren nicht

Apropos Preise: Wer glaubt, dass die Waldbesitzer die großen Profiteure des „Holzhungers“ sind, der irrt. Vor dem Sturm Friederike im Januar 2018 bekamen Waldbauern noch 95 Euro pro Kubikmeter. Der Preis sank im vergangenen Jahr gar bis auf 40 Euro. Nun sei er wieder auf 65 Euro angestiegen, erklärt Marlon Ohms. Er ist in Olpe seit wenigen Wochen beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland des Landesbetriebs Wald und Holz unter anderem für die Holzvermarktung zuständig. Das Forstamt versuche, so viel Holz wie möglich zu den heimischen Sägewerken zu bringen, doch müsse bei den derzeitigen Mengen auch exportiert werden. Das Amt vermarktet allerdings das Holz aus 7800 Hektar Staatswald. Insgesamt gibt es im Kreis Olpe 49 300 Hektar Waldfläche.

Julia Möbus, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Säge- und Holzindustrie in Berlin, erklärt auf Anfrage der SZ, dass im Jahr 2020 aus Deutschland 9,9 Millionen Kubikmeter Nadelschnittholz exportiert worden seien, bei einer Gesamtproduktion von 25,2 Millionen Kubikmetern und einer Nachfrage von 21 Millionen in Deutschland. Rechnerisch also kein Wunder, dass die Lager leergefegt sind.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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