Forschungsprojekt „Gina“: Wie Mensch und Maschine miteinander leben können
Robotische Superkräfte stärken

Die „Gina“-Projektleiterinnen Dr. Diana Löffler (l.) und Judith Dörrenbächer aus der Sicht eines Roboters.  Foto: Uni
  • Die „Gina“-Projektleiterinnen Dr. Diana Löffler (l.) und Judith Dörrenbächer aus der Sicht eines Roboters. Foto: Uni
  • hochgeladen von Redaktion Siegen

sz Siegen. Als Rasenmäher oder Staubsauger sind Roboter schon heute beliebt. Darüber hinaus sind sie in privaten Häusern oder im öffentlichen Raum aber eher selten anzutreffen. Dabei gäbe es einiges, was sie in Zukunft für uns erledigen könnten: beim Einkauf helfen, Getränke reichen, Dinge transportieren, kochen, uns unterhalten oder sogar Pflegeaufgaben übernehmen. Roboter sind dabei ganz anders als viele Geräte, die wir täglich nutzen: Sie können sich selbstständig bewegen und aktiv auf Menschen zugehen, manche können sogar mit ihren Nutzern reden. Doch wie sollten Roboter aussehen, und welche Fähigkeiten benötigen sie im Einzelfall, um erfolgreich mit Menschen zusammenzuleben?

Im Forschungsprojekt „Gina“ (hochwertig gestaltete Interaktionsstrategien für Service- und Assistenzrobotik) untersuchen Wissenschaftler der Universität Siegen zusammen mit Partnern, was eine „gute“ Mensch-Roboter-Interaktion ausmacht. Gleichzeitig begleiten und unterstützen sie bundesweit acht Projekte zur Entwicklung unterschiedlicher Assistenz-Roboter.

Treffen in Berlin 

Bei einem Vernetzungstreffen in Berlin kamen kürzlich Beteiligte aus allen Projekten und weitere Robotik-Experten zusammen, um darüber zu diskutieren, wie Roboter Teil unseres Alltags werden können. Sollten sie optisch Menschen ähneln, eher nüchtern und funktional oder ganz anders gestaltet sein? Wollen wir uns bei unserem Roboter für seine Arbeit bedanken? In welchen Kontexten sollte ein Roboter sprechen können, und in welchen macht eine Sprachfunktion keinen Sinn? Solche und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt des Treffens.

„Es ist unrealistisch, einen multifunktionalen Roboter zu entwickeln, der ähnlich eines Menschen die verschiedensten praktischen und sozialen Aufgaben übernehmen kann und mit den unterschiedlichsten Situationen zurechtkommt“, sagt „Gina“-Projektleiterin Dr. Diana Löffler. Es gehe eher darum, Roboter dem jeweiligen Kontext anzupassen, in dem sie eingesetzt werden sollen: „Wenn ein Roboter im öffentlichen Raum agiert – zum Beispiel einen Bahnhof reinigt – ist es nicht unbedingt sinnvoll, ihn als sprechenden Roboter zu konzipieren. Dann fangen die Menschen an, mit ihm zu diskutieren, wer jetzt wem ausweichen soll.“

Superkräfte stärken, nicht Mensch kopieren

Statt den Menschen zu kopieren, sollten sich die Entwickler eher auf die ganz eigenen und besonderen Fähigkeiten von Robotern konzentrieren, finden Diana Löffler und Co-Projektleiterin Judith Dörrenbächer. Sie nennen diese Fähigkeiten „robotische Superkräfte“: „So langweilen sich Roboter nicht, sie kennen kein Schamgefühl, reagieren nicht beleidigt, wenn sie mal beschimpft werden, und sind auch nicht genervt, wenn ihnen jemand fünf Mal hintereinander dieselbe Frage stellt.“

Die Wissenschaftlerinnen plädieren dafür, diese Superkräfte zu stärken und Roboter als eigene Spezies zu betrachten, die in bestimmten Situationen sogar besser „funktioniert“, als der Mensch.

Beispielsweise, so Dörrenbächer, könne ein Roboter als Einkaufshelfer Dinge kaufen, die dem Nutzer peinlich seien: „Vielleicht wäre es für manche Pflegebedürftige auch angenehmer, sich von einem Roboter waschen zu lassen, der sie nicht sehen kann.“

Damit sich Menschen mit Robotern wohlfühlen, müssen nicht nur die späteren Nutzer in den Entwicklungsprozess einbezogen werden, sondern auch viele weitere Disziplinen. Zur Berliner Tagung hatte das „Gina“-Team darum auch externe Gäste eingeladen: Neben Bürgern gehörten dazu der Designer James Auger und die Illustratorin Johanna Benz. „Es ist sehr wichtig, immer auch einen Blick von außen zu haben, um kritische Punkte frühzeitig zu erkennen und mitzudenken“, erklärt Judith Dörrenbächer.

Sogar die Perspektive der Roboter selbst hatten die Teilnehmer der Veranstaltung bereits eingenommen: Mit Prothesen, Infrarot-Brillen und anderen Hilfsmitteln simulierten sie die Wahrnehmung von Robotern, wie fokussiertes Hören oder Infrarot-Sehen.

Wenn sich die Entwickler in ihre eigenen Roboter hinein versetzten, bekämen sie ein besseres Gefühl für deren Fähigkeiten – und dafür, wie sich diese sinnvoll einsetzen lassen, betonen Dörrenbächer und Löffler, die diese Prototyping-Methode an der Uni Siegen entwickelt haben.

Förderer und Kooperationspartner

Als Begleitprojekt wird „Gina“ die acht vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Robotik-Projekte zwei Jahre lang unterstützen. Dabei geht es darum, den gegenseitigen Austausch der Projekte untereinander zu fördern und aktuelle Forschungsfragen und Erkenntnisse zu hochwertiger Mensch-Roboter-Interaktion beizusteuern und gemeinsam zu vertiefen. Auch „Gina“ wird im Rahmen des Programms „Technik zum Menschen bringen“ vom BMBF gefördert. An der Universität Siegen ist es im Bereich der Wirtschaftsinformatik am Lehrstuhl für „Ubiquitous Design“ von Prof. Dr. Marc Hassenzahl verortet. Kooperationspartner sind die Universität Stuttgart, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Hochschule Düsseldorf, die User Interface Design GmbH sowie die „LAVAlabs Moving Images“ GmbH & Co. KG. Weitere Informationen zu Gina.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
Lokales
Die  Siegener Zeitung hat die Termine der Semesterferien zusammengestellt.

Universität Siegen
Die Vorlesungszeiten und Semesterferien im Überblick

sz Siegen. Vor dem Wintersemester ist nach dem Sommersemester: Die Siegener Zeitung hat die vorlesungsfreien Zeiten und andere wichtige Daten zusammengestellt. Der Überblick. Wintersemester an der Uni Siegen noch bis 31. März 2020Das Wintersemester 2019/2020 an der Uni Siegen läuft noch bis zum 31. März dieses Jahres. Die Vorlesungszeit endete am 31. Januar. Demnach haben die Studenten der Universität Siegen derzeit Semesterferien.  Studenten der Uni Siegen gehen am 17. Juli 2020 in die...

  • Siegen
  • 03.02.20
  • 607× gelesen

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen