Rolf Bleck: »Wir werden kämpfen«

Sportfr. Siegen trotz 4:1 sportlich abgestiegen:

Verein will beim DFB um Gnade ersuchen / Bestand der 2. Mannschaft in höchster Gefahr

geo Siegen. Die 4000 Zuschauer, die am Pfingstsonntag möglicher Weise zum letzten Mal ein Spiel in der Regionalliga Süd gesehen haben, werden sich verwundert die Augen gerieben haben: warum nicht immer so (wenigstens einmal mehr)? Wieso klappte plötzlich, was über Wochen hinweg als »verschollen« gemeldet war, nämlich Spielkultur und Fußball-Spaß? Die Antwort beweist einmal mehr, dass Fußball eigentlich Kopfball heißen müsste. Erst als die Siegener Spieler rein gar nichts mehr zu verlieren hatten, schwangen sie sich zu alter Stärke auf, gewannen ein Spiel mit der Einstellung ihres höchsten Saisonsieges und standen am Ende doch mit leeren Händen da.

Welch merkwürdige Stimmung im Stadion: 90 Minuten wurden die Spieler für ihren 4:1-Sieg gefeiert, zu dem ausgerechnet Cem Islamoglu als Abwehrmann mit zwei Treffern nach Eckbällen (28. und 34.) sowie Andreas Nauroth mit einem listigen Heber (41.) schon in der starken 1. Halbzeit den Grundstein gelegt hatten (Silvio Adzics 1:3 in der 64. sowie Tobias Zotts 4:1 zwei Minuten später waren da nur noch statistischer Natur). Doch nach dem Schlusspfiff wurde es merklich ruhier im Stadioninneren. Niedergeschlagen hockten die Spieler auf den Bänken, nach dem sie erfahren hatten, dass dieses Aufbäumen entschieden zu spät gekommen, der sportliche Abstieg besiegelt war. Lediglich die Darmstädter »Lilien« hatte man noch überflügeln können.

Somit entließ der zum Teil verhagelte Pfingstsonntag die »Sportfreunde« und ihre große Anhängerschar in eine sehr ungewisse Zukunft. Immerhin, Rolf Bleck, Sportlicher Leiter, verkündete bereits wenige Minuten nach dem Abpfiff: »Es kann einfach nicht sein, dass dieser Verein durch so eine Lappalie kaputt gemacht wird. Ich verspreche, dass wir um den Klassenerhalt kämpfen werden!«

Der »Mühlstein« des Bayern-Sieges

Tatsächlich wären die Siegener mit den drei Punkten aus dem Bayern-München-Spiel (1:0-Sieg aberkannt) als Zwölfter am sicheren Ufer. Nicht nur der scheidende Trainer Ingo Peter erkannte in diesem Menetekel einen »Mühlstein, den die Spieler über Monate mit sich herumtrugen«. Anders ausgedrückt: die Sicherheit eines gehörigen Abstandes zu den Kellerplätzen hätte manchen Spieler auch auf dem Platz in kritischen Momenten sicherer auftreten lassen, als dies eben in den letzten sechs Wochen der Fall war.

Noch heute will der Verein in Absprache mit dem Ludwigsburger Anwaltsbüro Schickhardt entscheiden, ob man beim DFB ein Gnadengesuch einreicht mit dem Ziel, die »Sportfreunde« über eine Aufstockung der Regionalliga Süd als 19. Verein in der kommenden Spielserie antreten zu lassen. Heute über die Erfolgsaussichten zu diskutieren, ist müßig.

Reutlingen auf dem Wege zur Lizenz

Ganz gering erscheint hingegen die Hoffnung, dass mindestens zwei Vereine, die sich sportlich für die Regionalliga qualifiziert haben, keine Lizenz erhalten. Dies wird am Mittwoch oder Donnerstag bekannt gegeben. Vor allem die beiden Zweitliga-Absteiger SV Waldhof und SSV Reutlingen hatten hier Nachholbedarf, jedoch scheint sich die Lage bei den Reutlingern entscheidend entspannt zu haben. Offenbar fehlen nur noch 120000 von einstmals 1100000 e am Etat, so dass kaum mit nachhaltiger Hilfe für Siegen zu rechnen ist.

Das ist der Grund, warum sich der Verein auf den schlimmsten Fall einrichten muss: den Gang in die Amateur-Oberliga, gleichzeitig den Abstieg der hoffnungsvollen 2. Mannschaft in die Verbandsliga. Letzteres scheint das größte Problem zu sein, denn mehrere Spieler aus der 2. Mannschaft sollen im Abstiegsfalle in der Oberliga agieren, etliche weitere wollen aber den Verein ganz verlassen. Die Auflösungsgefahr ist hier sehr akut.

Bleibt Kotula? Geht Schlabach?

Die Personalproblematik lässt sich an jedem Spieler erforschen. Stellvertretend sei hier Timo Schlabach genannt. Dem jungen Wittgensteiner liegen neben einem konkreten Angebot von Borussia Dortmunds Amateuren (Regionalliga Nord) weitere Anfragen vor. Schlabach zur SZ: »Es sieht so aus, dass ich bei einem Verbleib in der Regionalliga wohl in Siegen bleiben werde. Ansonsten muss ich mal sehen, was die nächsten Tage bringen.« So wie ihm geht es derzeit allen Spielern, selbst Jozef Kotula, der vor dem Spiel im Gegensatz zu Romas Cirba, Michal Balaz und Bruno Custos doch noch nicht verabschiedet wurde, denkt offenbar doch über einen Verbleib in Siegen nach - wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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