CO2 einsparen
Rolltreppen statt Gondeln

Ein Vorbild für die hiesige Region? Im bulgarischen Albena verbindet eine mehrgliedrige Rolltreppen-Konstruktion die Ober- und Unterstadt. 	Fotos: Peter Helmes
  • Ein Vorbild für die hiesige Region? Im bulgarischen Albena verbindet eine mehrgliedrige Rolltreppen-Konstruktion die Ober- und Unterstadt. Fotos: Peter Helmes
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ph Siegen. Albena ist ein Touristenzentrum an der Schwarzmeerküste, benannt nach einer Figur des bulgarischen Schriftstellers Jordan Jowkow. Eingebettet in die hügelige Landschaft des Bãtata-Gebirges, bilden das gleichnamige Schutzgebiet und das in den 1960er-Jahren entstandene Seebad am kilometerlangen, feinen Sandstrand eine Kombination aus unberührter Natur und moderner Ferienanlage. Gut 20 Kilometer von Varna entfernt, wirkt es wie eine ruhige Oase zwischen dem quirligen Gold- und Sonnenstrand und erlaubt vielfältige Formen der Erholung und des Ökotourismus. Die Saison dauert von Mai bis Oktober, im Winterhalbjahr gleicht der Ort einer Geisterstadt.

Was Albena mit dem Hüttental gemeinsam hat oder gar verbindet? Bis auf gewisse topografische Ähnlichkeiten rein gar nichts. Noch nicht, vielleicht auch nie. Aber das bulgarische Urlaubszentrum besitzt etwas, das in der hiesigen Region auf Interesse stoßen könnte: Rolltreppen!

Mitte März hatte die SPD-Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein eine Idee unters Volk gestreut, die eine Diskussionslawine ins Rollen brachte: eine „urbane Seilbahn“ als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehrsnetz oberhalb der HTS-Trasse zwischen Siegen und Kreuztal inklusive einer Querverbindung zum Haardter Berg, dem Weidenauer „Bildungshügel“.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Während die einen den unkonventionellen Gedanken durchaus wohlwollend aufgriffen, glaubten andere an einen verfrühten Aprilscherz, taten das Ganze als wirklichkeitsfernes Hirngespinst ab oder äußerten eigene Überlegungen, etwa den Bau einer U-Bahn-Linie. „Sympathisch, aber unrealistisch“, beurteilte die Industrie- und Handelskammer die Seilbahn-Vision nach einer Unternehmens-Umfrage.

Selbst nach dem Abschmettern des auf 80 bis 100 Mill. Euro geschätzten Projekts – allein eine erste Machbarkeitsstudie würde nach Kalkulation der Kreisverwaltung 70 000 Euro verschlingen – liebäugeln Befürworter nach wie vor mit einer solchen Alternative zur Entlastung und Beschleunigung des individuellen und öffentlichen Nahverkehrs.

Abgesehen von grundlegenden pekuniären, technischen und topografischen Hürden stellt sich die Frage: Taugt eine „Luft-Kabinenbahn“ tatsächlich als pünktlicher Ersatz zum oft unzuverlässigen Bus- und Bahnverkehr in der Region?

Fakt ist: Einhergehend mit dem Klimawandel schlägt das Wetter immer häufiger Kapriolen. Und wer möchte schon in luftiger Höhe in einer schwankenden Gondel ausharren, bis Sturm oder Gewitter sich verzogen oder Rettungskräfte ihn aus seiner misslichen Lage befreit haben? Hinzu kommt die Unflexibilität einer Seilbahn: Sie ist nicht kurvengängig, kann nur eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung gewährleisten.

Hier kommen die Rolltreppen ins Spiel. Keine wie im Kaufhaus, in Bahnhöfen (im Siegerland sowieso nicht vorhanden) oder auf Flughäfen. Nein, die Rede ist von Rolltreppen im Freien. Albena, die kleine Provinz voller Leben im weit weniger wohlhabenden Bulgarien, besitzt welche. Eine ebenso umweltschonende wie touristische Attraktion, die Unter- und Oberstadt verbindet und den Fahrzeug-Pendelverkehr verringert. Konkret handelt es sich um eine dreiteilige Konstruktion mit Zwischenplattformen.

Eine grüne Tafel wirbt in der Landessprache sowie auf Englisch und Deutsch: „Lieber Rolltreppe anstatt Auto zum Strand nutzen, so sparen Sie jeden Tag 1 kg CO2 ein!“ Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Parkmöglichkeiten für „Benzinkutschen“ und Zweiräder. Dennselbstverständlich müssen die infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen – wobei „P & R“ in diesem Fall quasi für „Park & Roll“ steht.

Nun wäre es vermessen anzuregen, „urbane Rolltreppen“ längs durchs enge Hüttental anzulegen – ganz abgesehen von der geringen Geschwindigkeit. Aber als überdachte Querspangen in mehreren Modulen mit Aus-und Umstiegsmöglichkeiten – etwa vom Weidenauer Bahnhof auf den Haardter Berg (Uni) oder von der Siegener Unterstadt (z. B. Bertramsplatz/Friedrichstraße hinauf zur Oberstadt (Uni-Campus/Unteres Schloss) – könnte man eine solche Lösung durchaus in Betracht ziehen. Auch mit Blick auf die Kosten und eine Entzerrung des Individual- und Busverkehrs in den entsprechenden Bereichen.

Wenn es dann noch gelänge, ein schlüssiges und eng getaktetes S-Bahn-System zumindest zwischen den beiden größten Kreis-Kommunen Siegen und Kreuztal zu etablieren, ließe sich möglicherweise ein spürbarer Schritt zur Entlastung der Straßen und des Verkehrsaufkommens erreichen. Utopie?

Auch andernorts könnte die Rolltreppen-Idee vielleicht Schule machen: etwa in Bad Berleburg zwischen Unter- und Oberstadt samt Anschluss zum Schloss. Oder in Hilchenbach von der Rothenberger Straße entlang der steilen Jung-Stilling-Allee zum Schul- und Sportzentrum (zugegeben, diese nicht ganz ernst gemeinte Fiktion ist alt; sie kursierte früher schon in Pennälerkreisen).

Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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