Rothirsch qualvoll verendet

 Über 50 Meter misst das Weidezaunkabel, das sich um die Enden des Rothirschgeweihs gewickelt hatte. Das Tier blieb damit beim Sprung an einem Schafszaun hängen und drehte sich mindestens 20 Mal um einen Apfelbaum, bevor es vor Stress starb. Foto: Privat
  • Über 50 Meter misst das Weidezaunkabel, das sich um die Enden des Rothirschgeweihs gewickelt hatte. Das Tier blieb damit beim Sprung an einem Schafszaun hängen und drehte sich mindestens 20 Mal um einen Apfelbaum, bevor es vor Stress starb. Foto: Privat
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dima - Es ist Samstagmorgen, als der Wilgersdorfer Manfred Gessner den kapitalen Rothirsch findet. Zuerst sieht er etwas Rotes, denkt an einen Luftballon, der in der Wiese gelandet ist. Leblos liegt der König des Waldes im Gras, in einer Obstwiese unmittelbar am Rande der Ortschaft. Um die 20 Enden seines Geweihs, nicht aber um seinen Hals, hat sich eine starke Elektro-Schnur gewickelt, wie sie zum Beispiel zur Einzäunung von Pferdekoppeln verwendet wird.

Rund 20 Mal hat der Hirsch den Baum bei seinem letzten Kampf in der Nacht umrundet. So oft hat sich das Kabel um den Baum gewickelt. Ein Ende des prächtigen Geweihs ist abgebrochen, die Basthaut, die die Tiere zu dieser Jahreszeit noch um ihr Geweih tragen, hängt blutig herunter. Der Hirsch hat das über 50 Meter lange Kabel hinter sich her gezogen – wie lange das dauerte, bleibt ungewiss – ist dann beim Überspringen an einem 120 Zentimeter hohen Weidezaun hängen geblieben.

Der Körper des Tieres ist noch warm, als Jagdaufseher Edwin Dechert hinzugerufen wird. Der Hirsch muss eine qualvolle letzte Nacht hinter sich gehabt haben, sagt Dechert. Als ehemaliger Berufsjäger und immer noch aktiver Jagdaufseher kennt er die Probleme mit Zäunen oder Zaunresten, die auf landwirtschaftlichen Flächen oder in Wäldern liegen gelassen werden, nur zu gut. Da sich das Kabel nicht um den Hals, sondern nur um die Geweih-Enden gewickelt hat, muss der Hirsch an Stress gestorben sein, erklärt der 71-jährige Wilgersdorfer. Auch die Wirbelsäule im Bereich des Genicks sei unversehrt.

Der Geweihträger war im achten Kopf in der Sprache der Jäger, also ungefähr acht Jahre alt. Ein Hirsch mit guten Anlagen, also mit Zukunft und Entwicklungspotenzial, einer, der sein Erbgut noch an die folgenden Generationen weitergeben sollte, erklärt Dechert. Noch am gleichen Tag wird er übrigens zu einem zweiten vergleichbaren Fall in die Wilgersdorfer Feldflur gerufen: Diesmal hat sich ein Rehbock in einem Zaun verfangen, kann aber vom Jagdaufseher noch gerettet werden. Regelmäßig findet Dechert ähnliche Fälle, schätzungsweise einmal pro Jahr verendet ein Wildtier, nachdem es sich in Zäunen verfangen hat. Und zwar, obwohl bei der jährlich stattfindenden Müllsäuberungsaktion allein in Wilgersdorf regelmäßig Weidezäune oder im Wald übliche Knotenzäune gefunden und aufgesammelt werden. Natürlich nicht nur in Wilgersdorf, sondern in der gesamten Region kennt man solche Probleme. Der Jagdaufseher appelliert deshalb dringend an alle Landwirte, Pferdebesitzer und Waldbesitzer, keine Zaunreste in der Landschaft liegen zu lassen. 

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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