»Rotlicht«-Staatsanwälte wollen harte Haftstrafen

»Lebenslang« für tödlichen Brand / 15 Jahre für Bombe

pebe Siegen. Während im Schwurgerichtssaal der Staatsanwalt sprach, fiel draußen nasser Schnee – Leichentuch für drei tote Frauen. Um ihr Schicksal, um eine Autobombe und eine Brandstiftung ging es gestern auch im zweiten Teil des Plädoyers der Siegener Staatsanwaltschaft. Nachdem am Mittwoch Ulrich Hettwer eine Rekonstruktion des Attentats versucht hatte, stellte gestern sein Kollege Manfred Lischeck dar, wie es nach Ansicht der Ermittler zum tödlichen Brand in einem Bordell gekommen war.

Das Feuer, das zwei Prostituierte erstickte, hatte nach eigenem Bekunden der Angeklagte Volker F. gelegt. Der, so Lischeck, habe zu den Vertrauten des Winnie R. gehört und mit dessen »Genehmigung« eine Terminwohnung betrieben. Nach einem ersten »misslungenen« Versuch durch Bekannte F.’s habe dieser dann beschlossen, »das Heft selbst in die Hand zu nehmen«.

Die Sachverständigen hätten F.’s Version bestätigt, andere Brandursachen schieden aus, betonte Lischeck mit Blick auf die Ermittlungen eines früher angeklagten Hauptkommissars. Dessen Untersuchungen hätten dazu beigetragen, die Ermittlungen zunächst einzustellen. Erst zwei Jahre später hätten die Bordellbetreiber bei der Polizei Zweifel an den Ermittlungsergebnissen geäußert. Das habe dann die Untersuchungen neu in Gang gesetzt – mit vielen Ergebnissen, aber auch Fehlern seitens der Ermittler. Einen im Verfahren massiv kritisierten Kriminalbeamten nahm Lischeck noch einmal ausdrücklich in Schutz.

Mit Blick auf die Strafzumessungen stellte der Staatsanwalt fest, dass F. sich einer »Brandstiftung mit Todesfolge« aus leichtfertigem Handeln schuldig gemacht habe. Durch die Hilflosigkeit der Opfer sei dabei die »Grenze zum Mord erreicht«. Zudem müsse ihm die Anstiftung zu einem Verbrechen angelastet werden sowie die Beihilfe zum versuchten Mord bei der Autobombe. Die Staatsanwaltschaft verneine eine »erheblich« eingeschränkte Steuerungsfähigkeit bei F. Gleiches gelte für die anderen Angeklagten, Winnie R. und Gerd F.

Winnie R. sei des versuchten Mordes schuldig zu sprechen, Gerd F. der Beihilfe zum versuchten Mord und eines zweifachen Betrugs. Für alle drei sprächen u.a. ihre Geständnisse, die Gruppendynamik und der zeitliche Abstand zu den Taten. Gegen sie sprächen z.B. ihre Vorstrafen und die massiven Konsequenzen ihrer Taten (drei Tote, erhebliche Schäden).

»Lebenslänglich« lautete Lischecks Forderung für den Angeklagten Volker F. Dies sei »die Regel« im Gesetz bei der Annahme einer Brandstiftung mit Todesfolge. Dem ordneten sich die Einzelstrafen für anderen Taten unter. Für Winnie R. forderte der Staatsanwalt unter Einbeziehung einer fünfeinhalbjährigen Haftstrafe von 1999 eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren. Gerd F. schließlich solle noch dreieinviertel Jahre hinter Gitter – Folge eines »Härteausgleichs«, weil er eine nicht mehr einrechenbare Strafe voll verbüßt hatte. Ab dem 8. März werden die Verteidiger plädieren.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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