Rotlichtprozess »kurzweilig«

Nettodauer von gut einer Stunde / »Ausfälle« am 55. Tag

pebe Siegen. Rechtsanwalt Dr. Jürgen Fischer glaubt dem Zeugen nicht. Allerdings muss er dem 40-Jährigen misstrauen. Schließlich belastet der Zeuge den im »Rotlichtprozess« mitangeklagten Hauptkommissar, den Mandanten des Frankfurter Anwalts. Der Polizist habe in den 80er Jahren für »Gefälligkeiten« Geld von ihm bekommen, hatte der Zeuge in den beiden vorigen Vernehmungen gesagt. Gestern blieb Fischer nicht viel Zeit, den 40-Jährigen zu befragen. Termine des Zeugenbeistands und dessen spätere Wartezeit im Stau auf der A45 sorgten für »Ausfallerscheinungen« im Prozess. Nach einer Stunde Befragung brauchte einer der Angeklagten eine Pause. Das aber bedeutete das Aus für den teuren 55. Verhandlungstag, denn anschließend war ein Mitglied des Gerichts verhindert.

In der verbleibenden Stunde Fragezeit holte Fischer weit aus: Er wollte Informationen über die Kontakte des Zeugen mit Fischers rötestem Tuch, einem Kommissar der Ermittlungskommission »Siegel«, haben. Auch wollte er wissen, was zur Aufnahme des Zeugen ins Zeugenschutzprogramm geführt hatte. Der 40-Jährige gab Auskunft, soweit er sich erinnerte. Dass er auch »Gedächtnislücken« hatte, stieß dem Anwalt wieder sauer auf: Der Zeuge sei doch von den Ermittlern als besonders erinnerungsfähig beschrieben worden, und nun erinnere er sich nicht einmal an wichtige Ereignisse. Das, so der Zeuge, habe seiner Meinung nach mit der Belastungssituation vor Gericht zu tun.

Der Aussageverpflichtete berichtete auch von seinem ersten Kontakt mit dem ermittelnden Kommissar. Der sei nach seiner Verhaftung in einer Betrugsgeschichte vor drei Jahren zu Stande gekommen. Er sei damals von diesem und einem weiteren Kripomann nach seinem Wissen über die Autobombe befragt worden. Über den Inhalt wollte er jedoch nichts sagen. Grund: Eine früher geäußerte Vermutung Fischers, der Zeuge könne sich der psychischen Beihilfe zum Autobombenattentat schuldig gemacht haben, wenn das stimmen sollte, was er bei der Polizei gesagt habe. Dies hatte den 40-Jährigen so verunsichert, dass er weitere Angaben nicht machen wollte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen