Mahmud Sadjadi ergattert Platz in Bundeswehr-Maschine
Rückkehr aus der Hölle

Erschöpft vom langen Flug und schockiert angesichts der Ereignisse im Kabul kam am Donnerstag der aus Afghanistan stammende Deutsche Mahmud Sadjadi am Frankfurter Flughafen an.
  • Erschöpft vom langen Flug und schockiert angesichts der Ereignisse im Kabul kam am Donnerstag der aus Afghanistan stammende Deutsche Mahmud Sadjadi am Frankfurter Flughafen an.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

dpa/goeb Frankfurt/Berod.  Nun kommen also doch immer mehr Menschen aus dem Chaos Afghanistans mit Maschinen der Bundeswehr bzw. der Lufthansa nach Deutschland. Einer der am frühen Donnerstagmorgen in Frankfurt gelandeten Passagiere ist der aus Afghanistan stammende Deutsche Mahmud Sadjadi. Wie alle aus dem Land am Hindukusch in Sicherheit gebrachte Menschen berichtet auch er nach der Landung in Deutschland von schlimmen Erlebnissen und chaotischen Verhältnissen am Flughafen in Kabul. Er habe Tote gesehen und Schüsse gehört, sagte Sadjadi schockiert und fassungslos. „Es ist schrecklich. Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Nur Chaos.“

Rettungsmission gilt als sehr gefährlich

Der Mann aus dem beschaulichen Örtchen Berod im Kreis Altenkirchen (Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld im Westerwald) war zuvor mit einem Evakuierungsflug der Lufthansa aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Frankfurt geflogen worden. An Bord der Maschine waren nach Airline-Angaben rund 250 Menschen. Die Bundeswehr bringt seit Dienstag Menschen aus Kabul nach Taschkent. Die Rettungsmission gilt als sehr gefährlich.

Deutscher Pass vermutlich ein Lebensretter

Sadjadi, der sich drei Wochen in Kabul aufgehalten hatte, bestätigte das, insbesondere am Flughafen der afghanischen Hauptstadt sei es gefährlich. „Man muss beispielsweise auch durch eine Barriere der Taliban durchgehen.“ Afghanische Sicherheitskräfte hätten geschossen. Er habe mitbekommen, wie Menschen gestorben seien. Ohne Pass sei kein Durchkommen zum Flughafen möglich gewesen.
So rettete der deutsche Pass dem Westerwälder vermutlich das Leben. Viele weitere Ausreisewillige seien von den schwerbewaffneten Taliban-Kämpfern, die überall auf den Zufahrtswegen zum Kabuler Flughafen Kontrollpunkte errichtet hätten, zurückgewiesen worden.
Ein anderer Passagier, der seinen Namen nicht nennen wollte, berichtete von organisatorischen Schwierigkeiten bei der Rückkehraktion. „Die Situation ist schwierig und nicht leicht unter Kontrolle zu bringen“, sagte er. Die Menschen in Afghanistan bräuchten aber Hilfe. „Die Welt muss den afghanischen Leuten helfen.“

„Wir haben uns sehr geängstigt um den Vater“

Auch Sadjadi dankte der Bundesregierung für die Rettung, beklagte aber auch fehlende Informationen. „Es gab keine Informationen, wo wir uns sammeln müssen, wann wir uns sammeln müssen.“ Man sei allein gelassen worden, auf seine E-Mails habe er keine Antwort bekommen. Andere Länder hätten ihre Leute mit Bussen eingesammelt und zum Flughafen gebracht. „Gottseidank ist alles gut gegangen.“
Sein Sohn Djafar Sadjadi ist immer noch angespannt: „Wir haben uns sehr geängstigt um den Vater“, berichtete er. „Als er vor drei Wochen flog, um seine Geschwister zu besuchen, hatten wir schon ein mulmiges Gefühl. Ich habe ihn am Flughafen mit Tränen in den Augen verabschiedet, und dann mussten wir mitansehen, wie in kurzer Zeit eine große Stadt nach der anderen fiel und die Taliban auf Kabul vorgerückt sind.“

Das Billigste, was
es gibt, ist das Leben
eines Afghanen.
Mahmud Sadjadi
Rückkehrer aus Afghanistan

Man habe noch versucht, den Vater auf eine frühere Maschine umzubuchen, doch das sei schon nicht mehr möglich gewesen. Zuletzt fiel auch der reguläre Rückflug aus, und auch die E-Mails blieben unbeantwortet. Alle waren jetzt auf die Sondermaschinen der Bundeswehr angewiesen.

Fünf Geschwister leben in Ungewissheit

Er denke an die vielen Menschen, die noch in Afghanistan seien, sagte Mahmud Sadjadi, der in Frankfurt von seinen Kindern empfangen wurde. „Das Billigste, was es gibt, ist das Leben eines Afghanen“, so der Deutsche mit afghanischen Wurzeln. Mit dem Land am Hindukusch werde ein schreckliches Spiel gespielt.
Zwar verspürt er Erleichterung, mit dem Leben davongekommen zu sein. Doch fünf Geschwister lebten noch dort in Ungewissheit, darunter ein am Down-Syndrom erkrankter Bruder, der intensive Hilfe benötige.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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