Ruhiger Start ins zweite Jahr

»Rotlicht-Prozess« wieder auf Kurs / Zwei Zeugen gehört

pebe Siegen. Ein »Jahrestag« ganz ohne Blumen: Morgen vor einem Jahr begann der »Rotlichtprozess« vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Siegen. 42 Verhandlungstage sind mit dem gestrigen seither vergangen, und immer noch quälen sich die Beteiligten durch die erste von vier Anklageschriften. Zur Erinnerung: In dieser Anklage geht es um jene Autobombe, die während des sog. Rotlichtkriegs in Siegen im November 1992 vor dem Siegener Parkhotel explodierte und eine Prostituierte tötete. Eigentliches Ziel: deren Zuhälter »Richie«. Der jedoch wurde nur leicht verletzt. Auf der Anklagebank sitzen insgesamt acht Angeklagte, von denen sieben an der Vorbereitung und Durchführung des Attentats beteiligt gewesen sein sollen. Unter ihnen »Richies« Gegenspieler Winnie R., der den Auftrag gegeben haben soll.

Blumen gab es also gestern nicht in der Verhandlung, dafür aber eine blumige Selbstbezichtigung von Rechtsanwalt Dr. Ulrich Endres. Der teilte maliziös grinsend mit, er habe sich vorgenommen, in diesem Jahr »ganz brav« zu sein.

Als Zeuge saß gestern der zweite Leiter der Mordkommission vor den Richtern, der im Fall Autobombe ermittelt hatte. Aber was der 56-jährige Hauptkommissar aus Hagen schon in seinen ersten Sätzen andeutete, bewahrheitete sich im Laufe der Vernehmung: Er habe nur noch »dunkle Erinnerungen« an die erste Zeit der Ermittlungen, hatte er dem Kammervorsitzenden Wolfgang Münker gestanden. Immer wieder kam während seiner Vernehmung dann die Antwort: »Das kann ich nicht mehr sagen«.

Erinnerungen hatte der Polizist noch an die Zusammenarbeit mit seinem früheren Kollegen, der im Verfahren ebenfalls auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft u.a. Strafvereitelung im Amt vor. Sein Siegener Kollege, so der Zeuge, habe über viele Personen aus dem Milieu Hintergründe mitgeteilt. Der heute angeklagte Hauptkommissar habe seinerzeit auch erstmals einen Verdacht gegen Winnie R. »abgeklopft« und eine »Spurenakte« angelegt. Die Vernehmung habe er allein durchgeführt. Der Verdacht sei dann wegen eines offenbar vorhandenen Alibis ad acta gelegt worden. Die Spurenakte, meinte er später auf Nachfrage von Dr. Jürgen Fischer, dem Verteidiger des angeklagten Kommissars, sei aber wohl nie geschlossen worden, sondern habe »nach Bedarf« fortgesetzt werden sollen.

Der zweite Zeuge am gestrigen Verhandlungstag war jener 42-jährige Hauptkommissar, der schon häufiger in der Schusslinie der Verteidigung gestanden hatte. Rechtsanwalt Dr. Endres wollte von dem Kripo-Beamten Genaueres über eine Skizze wissen, die sein Mandant Gerd F. im Juli 1999 während seiner Vernehmungen angefertigt hatte. Dem konzentriert berichtenden Kommissar zufolge hatte F. seinerzeit berichtet, er habe Winnie R. und dessen Vertrauten Volker F. etwa zweieinhalb Wochen vor dem Anschlag erklärt, wie eine Autobombe gebaut und platziert werden müsse. Die Konstruktion habe er auch gezeichnet. Bei der Polizei hatte er diese Zeichnung wiederholt. Dass F. dies von sich aus getan habe, wollte Endres dem Polizisten nicht abnehmen. Auch über schriftliche Erläuterungen neben der Zeichnung war noch kein Einvernehmen herzustellen. Der Prozess wird fortgesetzt - weiterhin ohne Blumen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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