»Russische Klassiker« ganz klassisch

Pianistin Rodrigues und Philharmonie begeisterten unter Leitung von Russell N. Harris

gmz Siegen. Die Zuhörer waren begeistert: Nach den »russischen Klassikern«, die von der Philharmonie Südwestfalen im Gläsersaal gespielt und von Russell N. Harris, einem der drei möglichen Nachfolger von GMD Georg Fritzsch, am Freitagabend mitreißend dirigiert wurden, wollte der Beifall nicht enden. Dirigent und Orchester bedankten sich schließlich mit dem Finale von Strawinskys Suite aus dem Ballett »Der Feuervogel«, einem Finale, das, wie Harris sagte, so schön sei, dass man es auch noch mal hören könne. Wohl wahr!

Dabei schien doch schon nach dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 von Tschaikowsky, das von Eliane Rodrigues im ersten Teil zusammen mit der Philharmonie Südwestfalen dargeboten wurde, kaum noch eine Steigerung möglich: »Kann jetzt noch etwas Schönes kommen?«, fragte eine Zuhörerin, als sie in die Pause ging. Es konnte!

Aber zunächst zu dem bekannten Konzert von Peter Tschaikowsky, dessen große Gefühle versprechender Auftakt, wie Bettina Landgraf im informativen Programmheft bemerkt, so bekannt ist, das er fast schon trivial, weil zu oft gehört, scheint. Doch Pianistin und Dirigent spielten das Stück »neu«: Die Pianistin (im geradezu dramatischen Outfit) faszinierte vom ersten Ton an durch energisches, sehr bewusstes und überaus präzises Spiel, das große Gefühle darstellte und ihr Zustandekommen immer offenlegte. Eliane Rodrigues nahm die Zuhörer durch die durchdachte Gestaltung mit in die Welt der raschen, geradezu wahnwitzigen Läufe, der mächtigen Stimmungen und tiefen Gefühle, der Träume und der Befreiung von Traumwelten, der zarten Reflexionen und der neckischen Variationen: Ein Stehenbleiben war nicht möglich. Russell N. Harris stellte der starken Pianistin ein Orchester zur Seite, das ihr Raum ließ für die wuchtigen bzw. packend-nachdenklichen Kadenzen, das sich aber auch, vor allem im zarten, wunderbar melodiösen zweiten Satz, als gestaltender und selbstbewusster Partner erwies. Und im zunächst narrativ angelegten, dann mit großer und spannungsreicher Geste dem Finale zustrebenden dritten Satz standen sich Pianistin und Orchester in der Intensität der Darbietung in nichts nach. – Das Publikum war so mitgerissen von dem grandiosen Finale, dass der begeisterte Applaus schon vor dem Verklingen des letzten Tones einsetzte. Die Pianistin bedankte sich mit einem kleinen »Kabinettstückchen« von Rachmaninow und einer Chopin-Etüde.

Die nachdenkliche Stimmung, die Eliane Rodrigues mit den beiden Zugaben schuf, griff das Orchester nach der Pause mit Maurice Ravels »Pavane pour une Infante défunte« auf: Der romantische Horn-Auftakt wird unterstützt vom verhaltenen Pizzikato der Streicher, die traurige Melodie wird von den Holzbläsern und dann den Streichern aufgegriffen und nach und nach variiert und »bedacht«. Russell N. Harris dirigierte mit Zusammenhang herstellender Transparenz, so dass für den Zuhörer die musikalischen Abschnitte erkennbar wurden. Eine unspektakuläre Komposition, ein »untypischer Ravel«, aber ein schöner!

Mit Igor Strawinskys Suite aus dem Ballett »Der Feuervogel« (gespielt wurde die mittlere der drei Bearbeitungen von 1919) bildete ein Stück den Abschluss des Konzertes, das impressionistisch-»onomatopoetisch« die Geschichte des Prinzen und der verwunschenen Prinzessin erzählt, die Begegnung mit dem Bösen und die Rettung durch den Feuervogel. Narrative und emotionale Passagen folgen aufeinander, richtig dramatisch wird es bei der Begegnung mit dem Zauberer, bei der der Dirigent das Aufeinandertreffen zu orchestrieren scheint, beschwörend das »Wiegenlied«, strahlend, fast gravitätisch im Wissen um ihre Bedeutung erklingt dann die Siegesmelodie: Das Gute hat gesiegt. Zumindest in der Musik.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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