»Sätzetöter« als Starmoderator

Erster »Spaß.Gesellschafts.Abend« in Siegen mit Piet Klocke, alten Hasen und Newcomern

zel Siegen. Der liebe Gott, der flog so rum, und dann ist das Universum entstanden. Die Menschen liefen hintereinander her und vermehrten sich durch Sympathiebekundungen. Gut, dass Piet Klocke nicht, also, dass er, dass er nicht der Adam war in diesem Spiel... Aber gut, dass sich bei dieser Schöpfungsgeschichte auch irgendwann die Spezies der Spaßmacher entstanden ist. Dass sie weit entfernt vom Aussterben ist, sondern wächst und gedeiht, dafür sorgt auch das Kölner Atelier Theater, das dem Nachwuchs eine Chance gibt und ihn mit alten Hasen des Geschäfts auf Tournee schickt. Die RWE Rhein-Ruhr unterstützt diese Kleinkunst-Reise-Revue durch ihr Verbreitungsgebiet. Am Dienstagabend kam Siegen erstmals in den Genuss eines solchen »Spaß.Gesellschafts.Abends« im Gläsersaal, der noch einige Gesellschafter mehr hätte aufnehmen können.

Wenn eine Stadt zum ersten Mal bespielt wird, muss »Sätzetöter« Piet Klocke als Starmoderator mit. Er war großartig. Als verschrobener Meister des unvollendeten Satzes analysierte er den Verkehr, die menschliche Kommunikation und die Jagd des Mannes auf die wunderbarsten Hirschinnen, erzählte von unzähligen Kilometern auf der Autobahn (seine Pflanze gegen Winterdepression trug einen Zettel bei sich mit der Anweisung: 3x wöchentlich gießen!), sprach von der Nanotechnologie (schon ein Unterarmhaar kann beweisen, ob die ägyptische Prinzessin bei offener Pyramide geschlafen hat) und von vielem mehr und trug mit seinen haarsträubenden Gedanken, die sich beim Sprechen nicht immer in die richtige Reihenfolge einordnen wollen, einen großen Teil zum Gelingen des Abends bei.

Ein Liebling des Publikums war auch Herr Fröhlich, der im Staubmantel immer mal wieder hereinschneite und die Gesäßvioline, das transsexuelle Cello (im falschen Körper, nämlich in einer Tonne geboren) und die Tonleiter spielte. Seine rhythmische Sportgymnastik war zum Kringeln! Sein Name ist Programm, er machte schnell und komisch, streute Heinz-Erhardt-artige Gedichte ein und darf wiederkommen. Tut er auch: am 29. November ins Lÿz.

Auch der in Siegen viel geliebte Jochen Malmsheimer kommt wieder (18. November). Karten für sein Gastspiel zu kriegen, wird aber schwierig. Das Publikum im Gläsersaal konnte am Dienstag wenigstens einen Happen von ihm aufschnappen: eine irrwitzige und wortgewaltige Erzählung ohne Punkt und Komma von einem Klobesuch im Flugzeug, bei dem das Gemächt des Herrn Malmsheimer arg in Mitleidenschaft gezogen wurde – und das alles nur, um zu erklären, warum Englischkenntnisse hilfreich sind. Wie zu erwarten: super Nummer.

Severin Groebner, ein Wiener in München, hatte es etwas schwerer. Er ist kein Draufgänger, sondern ein Hintenrum-Kommer, traute sich Lautmalereien, ein Hörspiel über einen Betrunkenen im Vollmond (»Macht’s endlich des Licht aus!«), sang »Du bist so deppert« und schilderte sowohl das Treffen mit den Eltern der Freundin im Schrebergarten als auch den Besuch eines Geburtstagsfests mit der eigenen Krise im Schlepptau. Vielleicht ist ein Soloabend mit ihm besser, weil man sich ganz auf seine kunstvolle Art einlassen kann? Zu überprüfen ist dies am 25. November im Lÿz.

Einen ganzen Abend lang möchte man den Newcomern Asmus Ring und Britta Weyers gerne zuhören. Sie sind kein Liebespaar (»wir lieben uns nicht«), aber eine wunderbare Verbindung, wenn es um einen schwingenden Abend mit großen Gefühlen und ohne Schenkelklopfen geht. Der Pädagoge, Pianist und Theologe am Flügel und die charmante Diseuse mit der schönen, starken Stimme spielten und sangen einige wahrhaftige »Lieder für Kinder und Säufer« – gut! Sia Korthaus, ebenfalls aus der Nachwuchs-Fraktion, war als Tochter zum Frühstück bei der Mutter ganz wunderbar (»Das Gespräch entwickelt sich zum Monolog und am Ende bin ich krank.«) und sang nett vom dauerquatschenden Freund, aber als übrig gebliebenes, quiekendes »Dingsda«-Kind, das die Große Koalition erklärt, konnte sie nicht richtig überzeugen. Ihr nimmt man die (gespielte?) Offenheit beim Erzählen eigener Stories besser ab.

Donnernden Applaus gab es für die bekennende Preußin Barbara Kuster. Für ihre knackig dargebrachten Erfahrungen aus dem Erotikkurs (Wulst-Lippe!), ihre Tina-Turner-Nummer und die musikalisch dargebotene Heimdiskothek für die pubertierende Tochter hätten die Spaßgesellschafter bestimmt auch strammgestanden. Barbara Kuster fegt am 11. November im Lÿz noch mal richtig durch – rührt euch und geht hin!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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