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Oft werden Corona-Impftermine nicht abgesagt
Saftige Strafe für Schwänzer?

Sollten Impfschwänzer zur Kasse gebeten werden?
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gro Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Corona-Impftermine waren monatelang ähnlich heiß begehrt wie das Toilettenpapier im ersten Lockdown. Nicht selten brachen Telefonleitungen komplett zusammen. Doch Zeiten ändern sich – denn seit einigen Wochen kehrt dank der niedrigen Inzidenzen das Leben Stück für Stück zurück. Jetzt haben auch noch die lang ersehnten Sommerferien begonnen. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen ihre Impftermine nicht wahrnehmen. Aus diesem Grund wird aktuell zum Teil hitzig über mögliche Strafen für die Impfschwänzer diskutiert. Jetzt steht fest: Die Bundesregierung plant keine Sanktionen in Form von Geldbußen.

Die SZ hat sich in der Region umgehört: Dabei könnten die Meinungen der Experten und Leser unterschiedlicher kaum sein.

gro Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Corona-Impftermine waren monatelang ähnlich heiß begehrt wie das Toilettenpapier im ersten Lockdown. Nicht selten brachen Telefonleitungen komplett zusammen. Doch Zeiten ändern sich – denn seit einigen Wochen kehrt dank der niedrigen Inzidenzen das Leben Stück für Stück zurück. Jetzt haben auch noch die lang ersehnten Sommerferien begonnen. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen ihre Impftermine nicht wahrnehmen. Aus diesem Grund wird aktuell zum Teil hitzig über mögliche Strafen für die Impfschwänzer diskutiert. Jetzt steht fest: Die Bundesregierung plant keine Sanktionen in Form von Geldbußen.

Die SZ hat sich in der Region umgehört: Dabei könnten die Meinungen der Experten und Leser unterschiedlicher kaum sein.

"Ich persönlich finde es nicht sinnvoll, mit Strafen
gegen die so genannten Impfschwänzer vorzugehen.
Man sollte eher versuchen, die restliche Bevölkerung zu motivieren."

Dr. Michael Klock
Ärztlicher Leiter des Impfzentrums

Dr. Michael Klock, Leiter des Eiserfelder Impfzentrums, hat eine klare Meinung zu den Strafen: „Ich persönlich finde es nicht sinnvoll, mit Strafen gegen die so genannten Impfschwänzer vorzugehen. Man sollte eher versuchen, die restliche Bevölkerung zu motivieren.“ Allerdings: Auch im Impfzentrum sei eine gewisse Impfmüdigkeit festzustellen. Dies ist laut Klock jedoch vor allem der momentanen Zeit geschuldet. „Ich denke, dass die niedrigen Inzidenzen und der Start der Sommerferien hier mit reinspielen. Zudem sind wir in Westfalen-Lippe ziemlich weit mit dem Impfen.“

Impfangebot größer als Nachfrage

Mittlerweile sei sogar das Impfangebot größer als die Nachfrage. „Wir haben momentan eher weniger das Problem, dass die Leute ihren Impftermin schwänzen. Viel eher haben wir Termine frei und Impfdosen übrig“, so Klock gegenüber der SZ. Dennoch appelliere er an alle, sich weiterhin impfen zu lassen. „Auch aufgrund der Delta-Variante halte ich eine Impfung für sehr wichtig. Denn ich bin immer noch der Meinung, dass jede Impfung zählt“, fügt der Leiter des Impfzentrums hinzu. Viele gingen davon aus, dass aufgrund der niedrigen Inzidenzen keine große Gefahr mehr bestehe. Dies sei jedoch ein Trugschluss.

In der Arztpraxis Spieren in Hünsborn hat man die „Schwänzer“-Problematik mit einer Kaution in den Griff bekommen. Die Plattform, auf der man die Impftermine buchen kann, hat vor rund sechs Wochen ihre Nutzungsbedingungen geändert und fordert nun von jedem Patienten einen Betrag in Höhe von 50 Euro. „Wir impfen täglich überdurchschnittlich viele Leute. Ich sehe die Kaution grundsätzlich nicht als Strafe an. Aber es funktioniert. Seitdem die eingeführt wurde, haben wir kaum mehr Impfschwänzer in der Praxis“, betont Hausarzt Stefan Spieren.

Kaution bei Impfterminen

Wenn der Patient seinen Termin nicht 48 Stunden vorher absage, bekomme er seine 50 Euro nicht wieder zurück. „Die Rückmeldungen sind gut, denn nur so haben wir die Chance, die Termine wieder neu zu vergeben“, so Spieren. In den meisten Hausarztpraxen seien Impfschwänzer jedoch eher selten. Dr. Joachim Motz hat mit seinen Patienten fast ausschließlich gute Erfahrungen gesammelt. „Wir persönlich haben kaum Probleme mit nicht wahrgenommenen Impfterminen. Ich finde eine Strafe auch ein wenig zu hart“, sagt Motz. Hinter den möglichen Strafen stecke zudem wieder ein großer Verwaltungsakt, der zusätzlich aufhalte. Eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

Auch in der Praxis von Dr. Harald Menker kennt man keine Probleme mit nicht wahrgenommen Impfterminen. „Bei uns ist es wirklich nicht oft vorgekommen, dass Patienten einfach nicht erschienen sind. Wir vergeben die Zweittermine jedoch auch erst sehr zeitnah“, so die Medizinische Fachangestellte Sabine Schäfer gegenüber der SZ.

Termine für Zweitimpfung kurzfristig vergeben

Der Termin für die Zweitimpfung werde nicht – wie gewöhnlich – direkt bei der Erstimpfung vergeben, sondern erst kurzfristig vor dem zweiten Impftermin. „Wir machen das so, weil wir in der Regel erst kurz vorher wissen, wie viele Impfdosen wir in der Woche zur Verfügung haben“, erklärt Schäfer. Zudem werde in der Praxis fast ausschließlich der eigene Patientenstamm geimpft. „Bei uns ist es nicht so anonym wie beispielsweise in einem Impfzentrum“, sagt die Medizinische Fachangestellte und betont weiter: „Eine Strafe empfinde ich als zu hart. Ich finde, die fehlende Impfung ist dann schon Strafe genug.“

Die Meinungen zu möglichen Konsequenzen gehen auch bei den SZ-Lesern weit auseinander. Laut einer nicht repräsentativen SZ-Umfrage auf einem sozialen Netzwerk halten 68 Prozent (267 Stimmen) eine Strafe für sinnvoll. Nur 32 Prozent (123 Stimmen) sind gegen Strafen für Impfschwänzer.

Autor:

Sarah Groos

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