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Dönermann trägt Corona-Maske falsch
Saftiges Bußgeld wird halbiert

Weil er seine Maske nicht ordnungsgemäß trug, muss ein Dönermann aus Siegen 1250 Euro Strafe zahlen.
  • Weil er seine Maske nicht ordnungsgemäß trug, muss ein Dönermann aus Siegen 1250 Euro Strafe zahlen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

js Siegen. Mittwochmittag in Siegen, Mitte Juni 2020. Der späte Frühling verwöhnt mit Sonne, kurz nach dem ersten Corona-Shutdown ist wieder Leben zurückgekehrt in die Innenstadt. Die Stadt atmet durch. Geschäfte sind auf, die Tage im Homeoffice vorerst passé. Der Hunger treibt zum Dönermann. Schon seit 8 Uhr morgens steht der in seinem Laden, hat gut zu tun, stressig geht es zu am Drehspieß. Jeder Handgriff sitzt – anders als sein Mund-Nasen-Schutz. Das bleibt der Ordnungshütern nicht verborgen und kommt den Ladeninhaber teuer zu stehen: 2500 Euro Bußgeld soll er bezahlen. Das ist zu viel, findet er, und legt Einspruch ein.
Acht Monate später. Deutschland bleibt in Deckung, ächzt unter einer dritten Welle der Pandemie, auch die Krönchenstadt befindet sich abermals im Shutdown.

js Siegen. Mittwochmittag in Siegen, Mitte Juni 2020. Der späte Frühling verwöhnt mit Sonne, kurz nach dem ersten Corona-Shutdown ist wieder Leben zurückgekehrt in die Innenstadt. Die Stadt atmet durch. Geschäfte sind auf, die Tage im Homeoffice vorerst passé. Der Hunger treibt zum Dönermann. Schon seit 8 Uhr morgens steht der in seinem Laden, hat gut zu tun, stressig geht es zu am Drehspieß. Jeder Handgriff sitzt – anders als sein Mund-Nasen-Schutz. Das bleibt der Ordnungshütern nicht verborgen und kommt den Ladeninhaber teuer zu stehen: 2500 Euro Bußgeld soll er bezahlen. Das ist zu viel, findet er, und legt Einspruch ein.
Acht Monate später. Deutschland bleibt in Deckung, ächzt unter einer dritten Welle der Pandemie, auch die Krönchenstadt befindet sich abermals im Shutdown. Die Gastronomie, die zwischenzeitlich wieder in Betrieb gehen durfte, bangt um ihre Existenz. Vor dem Siegener Amtsgericht geht es an diesem Mittag in kurzer, freundlicher Verhandlung um jene Ordnungswidrigkeit, die sich der Dönermann nicht einfach vorwerfen lassen möchte.

„Es war viel los, Frau Richterin“

„Es war viel los, Frau Richterin“, erinnert sich der türkische Imbisswirt. Möglich sei, dass manche Kunden ohne Maske in den Laden kamen. „Manche sehen wir, manche nicht.“ Jeder müsse doch selbst aufpassen, dass er sich nicht anstecke. „Die Leute sollen mitdenken.“ Das, so stellte Richterin Jessica Hennrichs klar, sei in diesem Bußgeldverfahren auch gar nicht das Problem. Vorgeworfen werde dem 56-Jährigen vielmehr, selbst beim Bedienen über die Theke keinen Mund-Nasen-Schutz getragen zu haben. „Ja, das kann sein“, räumte der Dönermann ein. Es sei möglich, dass er den Schutz kurz nicht über Mund und Nase getragen habe – er habe ihn unterm Kinn hängen gehabt.
Rechtsanwalt Sebastian Kanzok wirbt um Verständnis. Sein Mandant habe gesundheitliche Probleme mit den Atemwegen, das permanente Tragen der Maske sei für ihn nicht leicht. Insbesondere vor den Geräten, wo es 60 bis 70 Grad heiß werde, tut tiefes Luftholen gut.
Die Richterin hat Verständnis mit dem Mann, stellt jedoch fest: „Ohne Maske darf man dann aber eben keine Kunden bedienen.“ Das sei seinem Mandanten eigentlich klar, wandte Anwalt Kanzok ein. Im Juni seien wir aber alle noch längst nicht so ans Maskentragen gewöhnt gewesen wie heute. „Es war der Hektik der Mittagspause geschuldet.“ Zudem bestehe keinerlei Wiederholungsgefahr. Inzwischen sei der Döner-Imbiss mit Plexiglasscheiben ausgestattet, sodass der Betreiber dort auch ohne Mund-Nasen-Schutz bedienen dürfe. Ein Hygienekonzept liege vor, werde eingehalten. Berücksichtigung finden müsse zudem die finanzielle Situation des 56-Jährigen. Bis zu 80 Prozent Einbußen habe er durch Corona gehabt. Inzwischen gelinge es durch Außerhausverkauf und Lieferservice, zumindest die Hälfte der früheren Einkünfte zu erzielen.

Kein Vorsatz, sondern Fahrlässigkeit

„Ich habe nicht den Eindruck, es mit einem Maskenverweigerer zu tun zu haben“, sagt Richterin Hennrichs. „Aber es gibt Vorschriften.“ Auf deren Einhaltung zu achten, ist die Aufgabe des städtischen Mitarbeiters, der das Bußgeld verhängt hat. Zehn bis 15 Sekunden lang sei der Moment gewesen, in dem er den Dönermann ohne Schutzmaske gesehen habe. Zuvor aber sei er schon einige Male darauf hingewiesen worden.
„Ein Verstoß steht fest, das ist uns allen klar“, fasst die Richterin zusammen. Anders als im Bußgeldbescheid gehe sie jedoch nicht von Vorsatz, sondern von Fahrlässigkeit aus. Auch die gravierenden Umsatzeinbußen kommen dem 56-Jährigen zugute. Ihr Urteil gleicht einem Kompromiss: 1250 Euro, also lediglich die Hälfte, muss der Dönermann zahlen. Jessica Hennrichs: „Ich gehe davon aus, dass Sie aus diesem Verfahren gelernt haben.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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