Disziplin und Durchhaltevermögen zwischen Betzdorf und Bad Laasphe
Samstagseinkauf sorgsam organisiert, auch auf dem Wochenmarkt

Geregelt Zugang bei Edeka in Weidenau.
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ch/dach/sos Betzdorf/Siegen/Olpe. Disziplin und Durchhaltevermögen - für beides sind wir Deutsche bekannt. Aktuell, in Zeiten der Coronavirus-Krise, liefern die Menschen zwischen Betzdorf, Bilstein und Bad Laasphe den Beweis: Der Samstagseinkauf läuft sittsam in den sorgsam durchorganisierten Supermärkten ab, auch auf den Wochenmärkten und in den Bäckereien herrscht reges, aber geregeltes Treiben.

Warteschlange um den Häuserblock

Bereits am Morgen stehen die Menschen etwa in Rudersdorf an, um Brot und Brötchen bei der Bäckerei Hellmann zu erstehen. Geduldig. Mit reichlich Sicherheitsabstand - die Schlange reicht um den Häuserblock.

Auf Abstand bedacht

Kurz nach dem Öffnen der Ladentür strömen die Kunden in die Kaufland-Niederlassung zwischen Siegen und Weidenau. Entspanntes Einkaufen ist angesagt, die Frauen und Männer "surfen" mit ihren Trolleys durch die Gänge, immer auf die zwei Meter Abstand bedacht. Das Ansteckungsrisiko macht ängstlich. Sie bewegen sich zu einer unsichtbaren Choreografie, "tanzen" - die anderen immer im Blick behaltend - zwischen den Regalen hin und her. Der eine trägt eine Atemschutzmaske, die andere Handschuhe. Die Niesetikette wird eingehalten. Es ist ruhig, kaum einer spricht. Nur ab und zu säuselt die freundliche Frauenstimme aus dem Deckenlautsprecher und bittet um Verständnis für den einen oder anderen Fehlartikel (stimmt, die bekannten Artikel wie Klopapier, Nudeln oder Desinfektionsmittel z. B. sind vergriffen oder Mangelware) und die verschärften Hygienemaßnahmen - "Gemeinsam stehen wir diese Zeiten durch!". 

Familien oder Gruppen müssen draußen bleiben

Das Familienunternehmen Haupt (Edeka) in Weidenau hat sich und seine Mitarbeiter vorbereit. Der Zutritt zum Markt ist geregelt, nur  Einzelpersonen dürfen rein. Komplette Familien oder Gruppen müssen aus guten Gründen draußen bleiben. Jeder erhält einen Einkaufswagen, frisch desinfiziert. Sind die Korbwagen vergriffen, wird keiner mehr eingelassen. "Das klappt prima", sagt Stammkunde Erhard, der seit Jahren hier einkauft und "so etwas noch nie erlebt hat".  Auch nicht die schwarz-gelben Markierungen im Kassenbereich, sie halten - wie in allen Lebens- und Supermärkten in der Region - Personal und Kunden auf Distanz.

Die Menschen zwischen den Regalen sind verstummt

Renate, Kassiererin (Name von der Red.geändert), muss dennoch, aber nur selten, zur Ordnung rufen. Freundlich, aber bestimmt: "Halten Sie bitte Abstand!". Der Gescholtene zieht den Kopf ein und macht einen großen Schritt zurück. Auch hier herrscht wieder ein seltsame Stille. Der Supermarkt, sonst ein Ort des sozialen Miteinanders und ein Treffpunkt zum Quatschen, ist verstummt. Und wenn dann doch einer es wagt, zu nahe zu treten und ein Schwätzchen startet, zischelt es aus dem Hintergrund: "Wie kann man nur, man müsste das Ordnungsamt rufen!" Disziplin und Durchhaltevermögen - für beides sind wir Deutsche bekannt.

Leere Innenstadt

Während in den Geschäften "getanzt" wird, ist die Siegener Innenstadt wie leergefegt. Am Siegufer sitzt niemand, die Treppen werden gerade mit Baken abgesperrt. Trotz herrlichem Frühlingswetter sitzt niemand vor den Cafés. Die Empfehlung, soziale Kontakte zu meiden und das Ausgehen auf das Notwendigste zu beschränken, wird offenbar von den meisten ernst genommen. Auch der Weg in Richtung Oberstadt ist ungewöhnlich einsam.

Wochenmarkt ist gut besucht

Vor dem Rathaus aber tummeln sich etliche Besucher zwischen den Ständen des Siegener Wochenmarkts, kaufen Blumen, Obst, Käse. Auf den ersten Blick ist alles wie an jedem Samstagvormittag, und doch fällt auf, dass die meisten Menschen Abstand halten. Nicht immer sind es genau 2 Meter, aber eng an eng sieht anders aus.

Den Markt entzerren

Mit kleinen Verkehrshüten wird am Geflügelstand Motzkuhn angezeigt, wo welcher Kunde stehen darf. Das funktioniert ganz gut, "die Leute halten sich dran", sagt Petra Motzkuhn. Trotzdem hätte sie sich gewünscht, dass die Stadt Siegen sich im Vorhinein etwas mehr eingebracht hätte. "Die Stände könnten viel weiter auseinander stehen", sagt sie; der Platz gebe es her. Notfalls hätte man auch ans untere Schloss ausweichen können. Denn je größer der Abstand zwischen den Kunden, desto länger die Schlange. Und irgendwann könnte es dann eben doch wieder eng werden. "Wenn zugemacht wird, hat keiner was davon", fürchtet Motzkuhn strenge Kontrollen. Doch mehr sei seitens der Händler schlichtweg nicht zu machen, und bisher seien alle Besucher sehr einsichtig. "Vor zwei Wochen sah das noch ganz anders aus, da hat das keinen interessiert."

"Alle halten sich dran"

Ganz ohne Hütchen stellen sich die Kunden beim Kartoffelhandel Forneberg an, wo es auch Obst und Gemüse gibt. "Wir mussten bisher noch nichts sagen", berichtet Monika Münker. Auch eine Maßnahme wie die Einrichtung eines Spuckschutzes hält sie nicht für notwendig, der Abstand sei aufgrund der Kisten mit der Ware ohnehin groß genug. "An einer Kasse im Geschäft ist das schon schwieriger."

Obstkisten als Abstandhalter

Ein paar Meter weiter ruft Andrea Schneider einem Mann freundlich zu: "Gehen Sie bitte etwas zurück, mindestens zwei Meter!" Er warte doch schon so lang, seufzt der ältere Herr am Stand von Schneider Früchte, bleibt aber freundlich. Abgesehen von den großen Holzkisten, die immer etwas weiter weg stehen und den Kunden nun den korrekten Abstand vorgeben, seien zusätzliche Kisten direkt am Stand gestapelt worden, so Schneider. So kann niemand zu nah kommen. "Es beschwert sich so gut wie niemand", sagt sie. "Vielleicht auch, weil alle dankbar sind, dass sie noch zum Markt gehen können."

Kunden denken mit

Das bleibt hoffentlich auch die nächsten Wochen so, blickt Joachim Nies in die Zukunft. Mit seinen Backwaren ist er nur auf Märkten unterwegs, ein Verbot wäre eine Katastrophe. "Ich zeige zwischendurch mal an, wo ein bisschen mehr Platz sein müsste, aber sonst klappt das alles ganz toll", freut er sich über das Mitdenken der Kunden.


In Betzdorf deutlich weniger Kundschaft

In Betzdorf hat man innerhalb einer Woche stets eine Vergleichsgröße in Sachen Marktbetrieb, schließlich bauen hier die Händler jeweils dienstags und freitags ihre Stände auf Heller-, Bahnhof- und Decizer Straße auf. Am vergangenen Freitag waren – trotz angenehmen Vor-Frühlingswetters – zeitweise deutlich weniger Kunden in der Fußgängerzone unterwegs. „Das ist nicht wie sonst“, sagte etwa Sabine Weingarten von der Landmetzgerei Hoffmann.
Viele hätten ja bereits zuhause Lebensmittel gehamstert. Einen ähnlichen Trend hatte auch „Spargel-Willy“ ausgemacht, der auf Nachfrage konstatierte: „Es ist schon weniger geworden.“ Er brach aber eine Lanze für den Wochenmarkt unter freiem Himmel. Er vermag sich gar nicht vorstellen, wie sich Viren in Supermärkten über die Klimaanlagen verteilten. Etwas weniger Leute, die aber etwas mehr einkaufen: So lautet die Einschätzung von Michael Münker aus Freudenberg, der einmal mit Kartoffeln & Co. schräg gegenüber des Betzdorfer Rathauses die Kundschaft versorgte.
Er hatte beobachtet, dass die Leute bereits mehr Abstand zu einander hielten als noch am Dienstag zuvor. Trotzdem quetschten sich einige vor den Ständen zwischen andere Kunden, so Sabine Weingarten – und seien dann noch teils beleidigt, wenn sie aufgefordert würden, das doch bitte zu unterlassen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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