Sandra Lüpkes im Lÿz

 Die Krimiautorin Sandra Lüpkes im Siegener Lÿz: „O du tödliche …“ Foto: ciu

ciu - „O dass mein Sinn ein Abgrund wär’ …“ – oh, ja, da passt doch tatsächlich das schöne alte Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ in einen Abend, an dem es um bodenlos Boshaftes geht. „O du tödliche“ hat die Krimiautorin Sandra Lüpkes ihr adventliches Programm genannt, in dem sie infame Geschichten mit den herrlichsten Melodien rund um das Wunder von Christi Geburt verbindet. Ihre Lesung am Freitag im Siegener Kulturhaus Lÿz war der Abschluss einer längeren Lesereise, und Sandra Lüpkes, die 23 Jahre als Pastorentochter auf der Nordseeinsel Juist verbracht hat, seit zehn Jahren in Münster lebt und dort auch „Wilsberg“ einige Fälle auf den Leib schreibt, genoss die Zeit mit ihrem Publikum im Kleinen Theater sichtlich.

Mitgebracht hatte sie eine knallrote Handtasche, in der sich nicht nur einige ihrer Geschichtenbücher verbargen, sondern auch manch Requisit – wie die kleine Spielzeugpistole, mit der sich die alleinerziehende Mutter von Kira und Leon, weil pleite, an ihren ersten und wohl auch letzten Banküberfall wagt, oder wie der Obelix aus dem Fast-Food-Restaurant, der die Sache dann grandios scheitern lässt. Dazu kommen eine Reihe von Instrumenten, jedes auf seine Art besonders: die kleine Trompete, die Melodica mit Pusteschlauch, die Singende Säge, die so schaurig wimmernd bei „Es kommt ein Schiff geladen“ eine Ahnung von Wind, Wellen und der Weite des Meeres vermittelt.

Sandra Lüpkes singt ihre Lieder mit ganz viel Liebe und Respekt vor diesen alten, weisen Gesängen. Angejazzt, durchaus eigen interpretiert und doch stimmig, lässt sie aufhorchen mit „Tochter Zion“ oder dem auf Deutsch gesungenen Gospelklassiker „Virgin Mary“. Dass „Maria durch ein’ Dornwald ging“ justament im Nachklang zu dieser bitterbösen Erzählung über die wichtelnden Weiber, bei der am Ende eine der Damen mit einer Brosche am Tisch des Griechen festgetackert zurückbleibt, zu hören ist, wird kein Zufall sein … O weia!

Richtig nett ist Sandra Lüpkes heitere Geschichte von dem Tauben-Duo aus Münster, das nicht unerheblich zur Klärung eines Mordfalls im Drogenmilieu beträgt. Die Flattermänner auf Ecstasy machen eine echt gute Figur (finden auch die Tauben-Damen!), noch besser sind sie allerdings im cleanen Zustand. Nur schade, dass die taffe Kommissarin das nicht richtig einzuschätzen weiß. Durugu – oder wie es Mustafa, die Türkentaube, formulieren würde: Dürügü!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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