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In der Mensa der Uni Siegen
Satte Preiserhöhungen

500 000 Essen gehen pro Jahr in den Siegener Mensen über die Theke. Die Interims-Mensa am Adolf-Reichwein-Campus wird gut angenommen, berichtet Studierendenwerks-Geschäftsführer Detlef Rujanski.
  • 500 000 Essen gehen pro Jahr in den Siegener Mensen über die Theke. Die Interims-Mensa am Adolf-Reichwein-Campus wird gut angenommen, berichtet Studierendenwerks-Geschäftsführer Detlef Rujanski.
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ihm Weidenau. Die vielleicht erwartete Protestwelle blieb aus, der Senat der Universität Siegen nahm gestern milde gestimmt zur Kenntnis, was Detlef Rujanski zu berichten hatte. Dabei ging es nicht um wissenschaftliche Finessen, sondern um handfeste Interessen: Das Mensa-Essen soll für Mitarbeiter teurer werden. Und zwar um bis zu 80 Prozent. Im gleichen Zuge wird zudem die Zahl der inkludierten Beilagen von drei auf zwei verringert. Also deutlich mehr Geld für weniger Essen.

Als Geschäftsführer des Studierendenwerks, das die Mensen an der Uni betreibt, warb Rujanski um Verständnis für seine Kalkulation. Sie betrifft die Mensapreise insgesamt. Normalerweise passe man die Preise alle drei Jahre an, sagte er. Nun seien sechs Jahre ohne Preiserhöhung ins Land gegangen.

ihm Weidenau. Die vielleicht erwartete Protestwelle blieb aus, der Senat der Universität Siegen nahm gestern milde gestimmt zur Kenntnis, was Detlef Rujanski zu berichten hatte. Dabei ging es nicht um wissenschaftliche Finessen, sondern um handfeste Interessen: Das Mensa-Essen soll für Mitarbeiter teurer werden. Und zwar um bis zu 80 Prozent. Im gleichen Zuge wird zudem die Zahl der inkludierten Beilagen von drei auf zwei verringert. Also deutlich mehr Geld für weniger Essen.

Als Geschäftsführer des Studierendenwerks, das die Mensen an der Uni betreibt, warb Rujanski um Verständnis für seine Kalkulation. Sie betrifft die Mensapreise insgesamt. Normalerweise passe man die Preise alle drei Jahre an, sagte er. Nun seien sechs Jahre ohne Preiserhöhung ins Land gegangen. „Der Interimsbetrieb hat es nicht zugelassen, über eine Preiserhöhung nachzudenken“, spielte Rujanski auf die Baustellensituation am Haardter Berg an.

Im Mai startet Mensa am Obergraben

Deshalb sollen die höheren Preise erst dann verlangt werden, wenn die sanierte Mensa am Adolf-Reichwein-Campus in Betrieb genommen ist – Rujanski sprach vom 1. April 2020. Im Wintersemester 2019/20 also wird wohl die alte Preisliste noch maßgebend sein. Die ganz neue Einrichtung am Obergraben soll – natürlich auch mit der neuen Preisgestaltung – am 1. Mai 2020 an den Start gehen.

Der Chef des Studierendenwerks erläuterte dem Senat die Finanzierungsgrundlagen für das Mensa-Essen. Die Mensa ist übrigens die einzige der Einrichtungen des Studierendenwerks, die nicht kostendeckend arbeitet. Alle anderen – Wohnheime, Kita – müssen ohne Subventionen auskommen.

2,5 Mill. Euro Defizit

Das Studierendenwerk hat zwei Finanzquellen für die Verpflegungsbetriebe: den Festzuschuss des Landes und die Sozialbeiträge der Studenten. Rujanski rechnete vor: Für 500 000 Essen pro Jahr liege das Defizit bei 2,5 Mill. Euro. Der Festzuschuss des Landes beträgt 1,7 Mill. Euro. Für die noch ungedeckten 800 000 Euro müssen die Sozialbeiträge der Studenten, die sie mit dem Semesterbeitrag bezahlen, herangezogen werden.

Der Zuschuss aus Düsseldorf sei seit Jahren nicht mehr angehoben worden, beklagte Rujanski. Angesicht steigender Kosten bringe das nicht nur in Siegen, sondern landesweit die Studentenwerke in eine schwierige Lage. Die Kostensteigerungen für Personal – das Studierendenwerk Siegen zahlt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), nicht nach dem niedrigeren Tarif des Gaststättengewerbes –, für den laufenden Betrieb und den Wareneinkauf verteuerten das Essen Jahr für Jahr. Dabei wolle man nicht an der Qualität sparen, versicherte der Geschäftsführer.

„Das konnten wir überhaupt nur auffangen, weil wir steigende Studentenzahlen hatten.“ 90,50 Euro bekommt das Studierendenwerk von den Semesterbeiträgen ausgezahlt. Wenn statt 20 000 demnächst nur noch rund 15 000 junge Leute in Siegen studierten, bedeute das einen Ausfall von 25 Prozent der Sozialbeiträge.

Studenten subventionierten Mitarbeiter

Das Essen für die Mitarbeiter war in der Vergangenheit nicht kostendeckend kalkuliert. Im Klartext: Die Studenten haben mit ihren Beiträgen das Mittagessen für Professoren, Assistenten und Verwaltungsangestellte subventioniert. Das habe der Landesrechnungshof schon vor vier Jahren bemängelt, berichtete Rujanski. Eine solche Praxis sei vom gesetzlichen Auftrag der Studierendenwerke nicht gedeckt. In das gleiche Horn stieß der Wissenschaftsausschuss des Landestages, und vom Ministerium kam die Vorgabe, die Quersubventionierung zu beenden. Deshalb sei es unausweichlich, die Mitarbeiter-Essen auf der Basis einer Vollkostenrechnung zu kalkulieren. Immerhin wurden, wie es in einem Schreiben an die Uni-Bediensteten heißt, bisher die Kosten für ein Essen nur zu 41 Prozent von den Mitarbeitern selbst bezahlt, 59 Prozent kamen von den Studenten.

Damit man auf Dauer auskömmlicher finanziert wird, hoffen die Studierendenwerke landesweit auf eine Anhebung des Festzuschusses. „4 Mill. Euro mehr sind uns in Aussicht gestellt worden“, erklärte Rujanski und zeigte sich unzufrieden, denn damit sei gerade mal die Tariferhöhung für ein Jahr auszugleichen. „Wir bräuchten 15 Mill. Euro mehr.“

Hier die Preise und Details: 

Es gibt derzeit zwei Mensen, drei Cafeterien und einen Imbisswagen unter der Regie des Studierendenwerks Siegen. Demnächst werden eine Mensa und eine Cafeteria am Obergraben für den City-Campus Siegen hinzukommen.
Während in der (nicht subventionierten) Cafeteria alle das Gleiche zahlen, unterscheiden die Preise in den Mensen drei Gruppen: Studenten, Mitarbeiter und Gäste. Studenten und Mitarbeiter müssen sich legitimieren. 15 Prozent der Mahlzeiten werden von Mitarbeitern konsumiert, der weitaus größte Anteil geht in Studentenmägen.
Es gibt künftig fünf verschiedene Essensangebote in der Mensa: Eintopf, Tellergericht, Menü, Menü vegetarisch und Menü vegan. Wichtig: Bei den Menüs und beim Tellergericht waren bisher drei Beilagen inkludiert, demnächst gibt es nur noch zwei. Weitere Beilagen kosten jeweils 1 Euro.
Hier die künftigen Preise (in Klammern der derzeitige Stand, wobei das Tellergericht, das ältere Akademiker noch unter dem Begriff „Stammessen“ kennen, in der Interimsmensa derzeit nicht angeboten wird):

Studenten:

  • Eintopf: 2,00 Euro (1,50)
  • Tellergericht: 2,90 Euro (2,20)
  • Menü: 3,50 Euro (2,70)

Mitarbeiter:

  • Eintopf: 5,00 Euro (3,00)
  • Tellergericht: 6,75 Euro (3,70)
  • Menü: 7,60 Euro (4,40)

Gäste:

  • Eintopf: 5,50 Euro (5,50)
  • Tellergericht: 7,50 Euro (5,50)
  • Menü: 8,50 Euro (5,50)

Dass die Gäste teurer essen als die Mitarbeiter, hängt mit dem Mehrwertsteuersatz zusammen. Für die Bediensteten fallen nur 7 Prozent Mehrwertsteuer an, die Externen müssen 19 Prozent bezahlen.
Die prozentualen Steigerungen für 2020 bewegen sich bei den Studenten um die 30 Prozent. Die Bediensteten müssen zwischen 67 und 82 Prozent mehr bezahlen als bisher. Rechnet man bei den Menüs auf Basis von drei Beilagen (für die dritte wird künftig 1 Euro fällig), sind es gar 96 bzw. 110 Prozent mehr.
Für Gäste wird das Menü um 55 Prozent teurer. Detlef Rujanski rechnet mit einer deutlich steigenden Anzahl von auswärtigen Essern in der City-Mensa am Obergraben. Auf dem Haardter Berg habe diese Gruppe bisher keine große Rolle gespielt. Die Mensa am Obergraben hat Platz für 650 Menschen und soll am Tag 2700 Mahlzeiten (von 11 bis 14 Uhr) ausgeben.
Wer isst, möchte in der Regel auch etwas trinken. In der Mensa gibt es zu jedem Gericht ein Glas Wasser kostenlos, man kann es sich selbst zapfen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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