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Grundschulen sind auf alles vorbereitet
Scharfe Kritik an der Landesregierung

Petra Dors hat einen genauen Plan, wie die 73 Viertklässler der Jung-Stilling-Schule in Weidenau mit dem Unterricht starten könnten.
  • Petra Dors hat einen genauen Plan, wie die 73 Viertklässler der Jung-Stilling-Schule in Weidenau mit dem Unterricht starten könnten.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir/jak/vö/win Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Diskrepanz kann kaum größer sein: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet plaudert im TV-Talk aus, die Schulen in seinem Bundesland seien für höhere Hygienemaßnahmen in diesen Coronazeiten noch nicht vorbereitet. Und das sei Sache der Kommunen. Starker Tobak. Siegens Schuldezernent André Schmidt hält dagegen: „Seit dem 17. April machen wir nichts anderes, als die Grundschulen auf den Neubeginn am 4. Mai vorzubereiten.“
Bis zum gestrigen Mittwoch hat Schmidt mit seinem E-Dienstauto alle Grundschulen in der Stadt abgeklappert und persönlich die geforderten Standards kontrolliert. Er meldet Vollzug. Die Viertklässler können kommen.
Welche Schüler kommen - und wann?Aber selbst das ist noch ungewiss: Ob nur dieser Jahrgang am 4. Mai oder erst am 7.

mir/jak/vö/win Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Diskrepanz kann kaum größer sein: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet plaudert im TV-Talk aus, die Schulen in seinem Bundesland seien für höhere Hygienemaßnahmen in diesen Coronazeiten noch nicht vorbereitet. Und das sei Sache der Kommunen. Starker Tobak. Siegens Schuldezernent André Schmidt hält dagegen: „Seit dem 17. April machen wir nichts anderes, als die Grundschulen auf den Neubeginn am 4. Mai vorzubereiten.“
Bis zum gestrigen Mittwoch hat Schmidt mit seinem E-Dienstauto alle Grundschulen in der Stadt abgeklappert und persönlich die geforderten Standards kontrolliert. Er meldet Vollzug. Die Viertklässler können kommen.

Welche Schüler kommen - und wann?

Aber selbst das ist noch ungewiss: Ob nur dieser Jahrgang am 4. Mai oder erst am 7. Mai zum Unterricht erscheinen soll, keine Stadt (als Schulträger) und keine Grundschule weiß es genau. Schmidt: „Fast alle Schulmails aus dem Ministerium sind bisher abends gegen 22 Uhr gekommen. Aber egal. Wir sind gut vorbereitet in Siegen. Wenn es der Montag wird, okay, dann starten wir.“ 

Schulleitungen durchgehend aktiv

In Siegen gibt es viele engagierte Schulleitungen in den Grundschulen. Eine von ihnen ist Petra Dors in der Jung-Stilling-Schule am Weidenauer Stockweg. „Wir als Schulleitungen sind lange zurück, wir sind die ganze Zeit da, sind auch an Ostern hier aktiv gewesen.“ Dass die Kultusminister gesagt haben, die Schulen bräuchten noch Vorlauf, kann sie beim besten Willen nach nachvollziehen.
Das Weidenauer Schulkollegium hat längst in zwei Dienstbesprechungen das mögliche Prozedere in Coronazeiten durchgeplant, die Pläne stehen, der Personaleinsatz ist auf dem Papier fixiert.

Ungewissheit zieht sich an den Schulen durch

Allerdings schweben Lehrer, Eltern und Kinder ansonsten im Ungewissen. Dors: „Wir vermuten, dass es nur mit dem vierten Jahrgang losgehen wird, wissen tun wir es noch nicht.“ Tja, so ein Schwebezustand bedeutet nichts Neues an den Grundschulen, das kommt offenbar öfter vor. „Das haben wir doch gelernt“, sagt die Pädagogin. Ob da eine Portion Ironie mitschwingt? „Es wäre gut, wenn wir endlich wüssten, was Sache ist. Die Stadt Siegen geht sehr fürsorglich mit uns um, daran gibt es nichts zu deuteln.“ Noch so ein Erklärsatz als Gegenpol zu Laschets Äußerungen in der Talkshow.

Alle Vorbereitungen sind getroffen

Im Kreis Olpe ist die Empörung riesengroß. „Seit Wochen arbeiten wir auf den Termin 4. Mai hin. Wir haben alles vorbereitet, stehen Gewehr bei Fuß, haben alle uns bekannten Vorgaben umgesetzt – und dann höre ich abends in den Nachrichten, dass die Schulen für die Viertklässler doch nicht am Montag, sondern erst am Donnerstag kommen sollen.“ Eine Grundschulleiterin aus dem Kreis Olpe ist entsetzt: „Glauben die in Düsseldorf eigentlich, wir hätten geschlafen? Angeblich brauchen wir Zeit für die Vorbereitungen – wenn dem so wäre, dann wären drei Tage viel zu kurz. Wir haben aber doch alles getan!“

Kritik am Ministerium

Das Olper Echo ist enorm: Der Ärger sei bei allen Kolleginnen und Kollegen groß, und vor allem werde es – wieder einmal – enorme Verunsicherung bei den Eltern geben. „Mit Sicherheit werden am Montag Kinder hier stehen, und die können wir dann wieder nach Hause schicken“, so die erfahrene Pädagogin, die zudem kritisiert, dass Vorgaben aus dem Ministerium regelmäßig zur Unzeit eintreffen – samstags nach 22 Uhr sei dies schon geschehen, „und wie sollen wir das bis Montag den Eltern mitteilen?“

Notbetreuung geht weiter

In die selbe Kerbe schlägt die Schulleiterin einer Siegener Einrichtung: „Ich habe hier zwei Elternbriefe vorbereitet und warte nun darauf, welchen ich via E-Mail senden bzw. auf die Website stellen soll. Ich habe keine offiziellen Infos.“ Den Donnerstags-Termin habe sie nur aus den Medien erfahren. Selbstverständlich werde es auch dann ab Montag eine Notbetreuung in ihrer Schule geben, zudem habe man sich ja seit Wochen Gedanken über digitales Lernen gemacht und das auch umgesetzt. Ob nun Montag oder Donnerstag – wie die Viertklässler beschult werden, steht fest: „Die Tische sind anderthalb Meter auseinandergerückt worden. Weil wir enge Flure haben, werden Schüler und Lehrer dort Masken tragen.“ Von nicht vorhandener Vorbereitung kann also in Siegen keine Rede sein.

Informationen aus Düsseldorf fehlen

In Bad Berleburg wundert sich eine Schulleiterin über „die schwierige Kommunikation aus Düsseldorf“. Es sei eigentlich dringend an der Zeit, mal darüber zu informieren, welche Fächer unterrichtet werden sollten und welche vorerst nicht. Auch über die personellen Ressourcen müsse zumindest mittelfristig geredet werden: „Wir hätten die Gedanken dazu und die nötige Kreativität – aber aus Düsseldorf kommt nichts.“

Schulen sind 100 Prozent startklar

Hinzu komme, dass die Eltern unruhig würden, weil sie Planungssicherheit benötigten. Sie habe, so die Pädagogin, ihren Elternbrief vorbereitet, den sie spätestens Donnerstag abschicken müsse. Darin könnten natürlich nur Informationen enthalten sein, die ihr auch vorlägen. 1,50-Meter-Abstand, Aufteilung in Gruppen, Einbahnverkehr. Die Schulleiterin: „Wir sind 100 Prozent startklar. Wir Schulen haben die Päckchen für alle Eventualitäten gepackt. Ob das an höherer Stelle der Fall ist, lasse ich so stehen. Da kann sich jeder sein Bild machen.“

73 Schüler in neun Lerngruppen in WeidenauZurück nach Weidenau an die Jung-Stilling-Schule: Leiterin Petra Dors plant erst einmal nur für die 73 Viertklässler. Aufgeteilt werden sie in neun Lerngruppen, jeweils drei Gruppen kommen zur selben Zeit in die Schule. Angedacht sind drei Unterrichtsstunden, auch da fehlt die Anweisung aus Düsseldorf, sollen es zwei, drei oder vier Stunden Unterricht pro Tag sein. Der zweite Pulk mit drei Lerngruppen kommt eine Stunde später, der dritte noch eine Stunde danach. Alle Schüler versammeln sich vor dem Betreten des Gebäudes auf dem Schulhof. Pro Kind gibt es einen aufgemalten bunten Kreis, die Kreise haben zwei und mehr Meter Abstand. Erste Handlung im Schulgebäude: Hände waschen. Alle Flure sind hälftig geteilt und so auch markiert, die Kinder sollen immer rechts an der Wand laufen. Kreuzen sich Flure, sind Stopp-Marken abgeklebt. In den Räumen stehen alle Tische mehr als zwei Meter auseinander. Neun Lerngruppen für die 73 Viertklässler, jeder Gruppe ist ein Lehrer zugeteilt. Nahezu alle Räume sind damit belegt. Für die 3. Klassen und alle weiteren Kinder gäbe es weder Klassenräume noch ausreichend Lehrer. Siegens Schuldezernent André Schmidt sieht das Dilemma: „Mit einem Jahrgang geht das so gerade noch. Aber was ist zum Beispiel mit den Schulen, an denen 40 Prozent der Lehrkräfte über 60 Jahre alt sind? Die gelten als Risikogruppe.“ Petra Dors sieht an der Stelle nur den einen Ausweg: „Sollten auch die Drittklässler zur Schule kommen, müssen wir auf den Nachmittag ausweichen.“ Begegnungen auf den Fluren oder dem Schulhof darf es nicht geben. Ohnehin werden die Pausen so getaktet, dass niemals mehr als acht oder neun Kinder auf dem Schulhof sind. Noch eine Frage treibt André Schmidt um: Hände waschen mit Seife? Oder sollen Spender mit Desinfektionsmitteln fest installiert werden? Auch dazu hat das Düsseldorfer Schulministerium keine Ansage gemacht. Schmidt bevorzugt die Seife, Dors auch: „Das kennen die Kinder“, sagt sie. Und: Desinfektionsmittel können ätzende Folgen haben, sind für Kinder kaum geeignet.
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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