Schelden: Gedenkstätte geplündert

 Fassungslosigkeit und Wut herrschte am Mittwoch am „Tatort“: Von den Bronzeplatten am Ehrenmal unterhalb der ev. Kirche in Niederschelden fehlt bislang jede Spur. Foto: thor
  • Fassungslosigkeit und Wut herrschte am Mittwoch am „Tatort“: Von den Bronzeplatten am Ehrenmal unterhalb der ev. Kirche in Niederschelden fehlt bislang jede Spur. Foto: thor
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thor Dachrinnen, Baustellenmaterial, gelegentlich auch mal Gartendeko oder gar Grabschmuck: All das taucht regelmäßig in Polizeimeldungen auf, wenn von Metalldiebstahl die Rede ist. Doch dieser Fall stößt zumindest im Siegerland in eine ganze neue Dimension vor: Unbekannte Täter haben vom Ehrenmal in Niederschelden unterhalb der ev. Kirche acht massive Bronzeplatten mit den Namen der Toten beider Weltkriege entwendet. Hüben wie drüben der Landesgrenze herrscht blankes Entsetzen, gepaart mit Trauer und Fassungslosigkeit, ist es doch die gemeinsame Gedenkstätte von Niederschelden und Niederschelderhütte. Beide Heimatvereine kümmern sich um die Anlage. Auf den Platten waren die Namen von rund 500 Soldaten und zivilen Opfern verewigt, die in den Weltkriegen ums Leben kamen.

Wann genau sich der Diebstahl ereignet hat, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Friedrich Schmidt, Vorsitzender des Heimatvereins Niederschelden, war am Dienstagmittag von einem Anwohner über die verschwundenen Gedenktafeln in Kenntnis gesetzt worden. Sofort informierte er seinen „Kollegen“ Erhard Mengel auf Schelderhütter Seite, bei dem die Bestürzung ebenfalls groß war. Noch am Abend erstattete der Heimatverein bei der Polizei in Siegen Anzeige.

Die Schelder sind davon überzeugt, dass das Ehrenmal regelrecht ausspioniert worden ist. Die Täter hätten vermutlich genau gewusst, dass die Gedenkstätte am Kirchberg von umliegenden Häusern aus nicht zu sehen ist und hier nur selten Spaziergänger vorbeikommen. Vermutlich sei auch vorher überprüft worden, wie die Platten im Mauerwerk verankert sind. Kein nur halbwegs seriöser Schrotthändler dürfe solche Tafeln zur Verwertung annehmen, so die einhellige Meinung. Ein Sprecher der Siegener Polizei nannte den Diebstahl „recht ungewöhnlich“, und auch bei der Betzdorfer Kripo ist für das AK-Land bislang kein ähnlicher Fall bekannt. Zuletzt hatten beide Heimatvereine die Anlage 2005 im Jubiläumsjahr von Niederschelden (675 Jahre) mit Unterstützung der Stadt Siegen und der Ortsgemeinde Mudersbach auf Vordermann gebracht.

Und diese Unterstützung ist eventuell auch jetzt wieder erforderlich. Sollten die Tafeln verschwunden bleiben, müsse man definitiv über einen Ersatz nachdenken, sagte Friedrich Schmidt: „Das sind wir den Gefallenen schuldig.“ Neben kommunaler Hilfe könne er sich auch eine Spendenaktion in ganz Schelden vorstellen. Zudem müsse man künftig darüber nachdenken, wie das Ehrenmal besser gesichert werden könne, z. B. durch eine Ausleuchtung in Verbindung mit der ev. Kirche. Thorsten Stahl

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