SZ

Gutachter soll entscheiden
Schicksalsfrage für die Wisente

Imposant ist der Anblick der Wisentherde in freier Natur. Georg Bender hatte im Frühjahr das Glück, den friedlich grasenden Tieren am Rothaarsteig in der Nähe der Friedensquelle zu begegnen. Sein Kommentar: „Das frische Grün der Lichtung war offensichtlich schmackhafter als Baumrinde.“
  • Imposant ist der Anblick der Wisentherde in freier Natur. Georg Bender hatte im Frühjahr das Glück, den friedlich grasenden Tieren am Rothaarsteig in der Nähe der Friedensquelle zu begegnen. Sein Kommentar: „Das frische Grün der Lichtung war offensichtlich schmackhafter als Baumrinde.“
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen/Bad Berleburg. Dass das Wisentprojekt am Rothaarsteig nicht zum Nulltarif zu haben ist, weiß jeder. Jetzt kommen noch 200 000 Euro dazu, die die Steuerzahler finanzieren sollen: Ein „Gutachten zur künftigen Entwicklung des Wisenprojekts“ steht mit einem Kostenansatz von 200 000 Euro im Haushaltsplan des Kreises, über den der Kreistag am Freitag  berät – allerdings stehen auch 200 000 Euro als Fördermittel auf der Einnahmenseite.
In die Herrenlosigkeit entlassen?Im Gutachten wird die Schicksalsfrage für die Wisente gestellt. Das bestätigte die Kreisverwaltung auf Anfrage der SZ.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Dass das Wisentprojekt am Rothaarsteig nicht zum Nulltarif zu haben ist, weiß jeder. Jetzt kommen noch 200 000 Euro dazu, die die Steuerzahler finanzieren sollen: Ein „Gutachten zur künftigen Entwicklung des Wisenprojekts“ steht mit einem Kostenansatz von 200 000 Euro im Haushaltsplan des Kreises, über den der Kreistag am Freitag  berät – allerdings stehen auch 200 000 Euro als Fördermittel auf der Einnahmenseite.

In die Herrenlosigkeit entlassen?

Im Gutachten wird die Schicksalsfrage für die Wisente gestellt. Das bestätigte die Kreisverwaltung auf Anfrage der SZ. Die Ausarbeitung soll, so heißt es aus dem Kreishaus, „damit die maßgebliche Grundlage für eine Entscheidung liefern, ob das Projekt in eine Phase der Herrenlosigkeit der Tiere überführt und damit dauerhaft fortgesetzt oder beendet werden soll“. Damit ist die Möglichkeit des Scheiterns deutlich umrissen. Die Freisetzungsphase der Tiere, die aus dem heutigen Deutschland vor rund 500 Jahren verschwunden waren, hatte 2013 im Rothaargebirge begonnen.

Das Vergabe- und Erarbeitungsverfahren für das Gutachten soll durch den Kreis koordiniert werden, heißt es in der Erläuterung zu den Aktualisierungen des Haushaltsplans, die am 11. Dezember eingepflegt wurden. Eine detaillierte inhaltliche Gliederung wird die Koordinierungsgruppe des Wisentprojekts erst in ihrer nächsten, voraussichtlich im Januar 2020 stattfindenden Sitzung festlegen.

Umweltministerium zahlt

Die Finanzierung soll über eine Zuwendung nach den Förderrichtlinien Naturschutz des Landes NRW zu 100 Prozent von der Bezirksregierung erfolgen. Die Entscheidung über die Auftragsvergabe für das Gutachten wird eine Arbeitsgruppe treffen, die vom NRW-Umweltministerium und den betroffenen Kreisen gebildet wird. Im Etat des Umweltministeriums werden die Kosten bereitgestellt, Eigenmittel des Kreises Siegen-Wittgenstein werden nicht beansprucht.

Eigentlich dürften die Wisente gar nicht mehr frei durch die Wälder – vor allem die im Sauerland – streifen. Denn nach diversen gerichtlichen Auseinandersetzungen war ein Zaun als Übergangslösung vorgesehen. Er sollte bis Ende 2019 gebaut werden und damit die großen Tiere davon abhalten, an Sauerländer Bäumen zu knabbern.

Zaun soll Menschen und Kleintiere durchlassen

Wie der Zaun aussehen soll, der Wisente in Schach halten, aber kleineren Tieren und Menschen ungehinderten Durchgang gewähren muss, steht noch nicht fest. Die Kreisverwaltung hatte im Oktober gegenüber der SZ erklärt, dass man das Zaunkonzept nicht bis zum Jahresende fertigstellen könne: „Die Details eines gegebenenfalls zu errichtenden Zaunes im Hinblick auf Verlauf und Gestaltung sind komplex, müssen aber als Grundlage für die anstehenden Genehmigungsverfahren detailliert ausgearbeitet werden, womit ein nicht unerheblicher Arbeitsaufwand verbunden ist.“

Drei bis fünf Jahre "Luft"

Das zaungestützte „Moratorium“ soll den Wisenten und dem Trägerverein im Konflikt mit den Sauerländer Waldbauern für drei bis fünf Jahre „Luft“ verschaffen. Was aber danach mit den europäischen Bisons geschehen wird, wo sie leben und fressen dürfen, soll das Gutachten beleuchten, das der Kreis in Auftrag geben wird.
 
Ob das als europaweit bedeutendes Artenschutzprojekt begonnene Vorhaben seine Ziele erreicht hat oder noch erreichen kann, wie problematisch die Situation in der Herde ist (immer wieder kommt es zu Todesfällen durch Rangkämpfe), ob Gefahr für die Öffentlichkeit droht (erst jüngst hatte es einen schweren Verkehrsunfall mit einem Wisent gegeben), ob die mächtigen Tiere im dicht besiedelten NRW überhaupt dauerhaft frei oder nur hinter Zäunen leben können, ob die heute bestehenden Wälder den idealen Lebensraum der Tiere abbilden – all das dürften Fragen sein, die das Gutachten zu beantworten hat.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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