Schlafapnoe ernst nehmen

sz Siegen/Freudenberg. Tagsüber körperlich aktiv sein, keinen Alkohol trinken, am Abend Lärm und Licht meiden – das sind einige Möglichkeiten, um etwas gegen Schlafstörungen zu tun. Dass nächtliche Unruhe nicht wenigen Menschen zu schaffen macht, wurde im Diakonie-Klinikum Jung-Stilling deutlich. 200 Gäste lockte es zum Vortrag von Schlafmediziner Dr. Rainer Grübener.

Schlafhygiene? Gemeint sind erste Hilfen, die schlaffördernd wirken können. Das heißt, helles Licht vor dem Zubettgehen meiden und damit Fernseher, Smartphone und Tablet aus dem Schlafzimmer zu verbannen. „Das blaue Licht der Elektrogeräte signalisiert dem Körper, noch wach zu bleiben“, erklärt Dr. Grübener. Ideal zum Schlafen sei eine Zimmertemperatur von 16 bis 18 Grad sowie ein möglichst geräuschfreier Raum. Wem Ein- und Durschlafstörungen zu schaffen machten, der sollte zudem das Nickerchen am Tag, koffein- und alkoholhaltige Getränke sowie schwere Mahlzeiten am Abend meiden. Sollte das nicht helfen, müsste die genaue Ursache ermittelt werden. Oft seien Erkrankungen der Organe und des Nervensystems die Auslöser. Ob Parkinson, Epilepsie, eine vergrößerte Prostata, Nierenschwäche oder Rheuma: Betroffene litten oft unter Ein- und Durchschlafstörungen. Hinzukämen psychische Faktoren wie Depressionen. Schlafstörungen behandelten Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen – „insbesondere Neurologen, Internisten und Psychologen“, so der Experte.

Ein typisches Phänomen für einen unterbrochenen Schlaf seien nächtliche Atemaussetzer, von denen bis zu 14 Prozent der Bevölkerung betroffen seien. Bei der Krankheit, auch als Schlafapnoe bekannt, verschließen sich die oberen Atemwege teilweise oder komplett, und es kommt zu Atempausen. Das führe zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung der Organe und damit oft zu Weckreaktionen des Gehirns. „Schlafende erwachen zwar nicht immer vollständig, dennoch sind erhöhte Tagesmüdigkeit und Unkonzentriertheit die Folgen“, so Dr. Grübener. Auch Herz-Kreislaufprobleme und Bluthochdruck seien Auswirkungen mangelnden Schlafs. Der Experte riet, mithilfe von Beobachtung durch den Partner eine Anfangsdiagnose zu stellen. Dauerten nächtliche Atemaussetzer mehr als zehn Sekunden an oder sei das Schnarchen sehr unregelmäßig und unruhig, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Im Schlaflabor sei eine genaue Diagnose möglich.

„Bei schwerer Schlafapnoe ist die gängigste Behandlungsmethode das Tragen einer Maske“, so der Experte. Über einen weichen Schlauch ströme damit ein leichter Überdruck über Nase und Mund in den Rachen. So könnten die oberen Atemwege nicht zusammenfallen.

Neben Atemaussetzern könne Zähneknirschen (Bruxismus) die nächtliche Ruhe stören. Normalerweise sei der Kiefer im Schlaf entspannt. Bei „Knirschern“ sehe das anders aus. Sie pressen unbewusst die Zähne aufeinander. Darunter litten nicht nur die Zähne, die Schmerzen und Geräusche sorgten zudem dafür, dass Betroffene nachts wach werden. Dr. Grübener: „Helfen kann eine Aufbissschiene aus Kunststoff – jeweils für Ober- und Unterkiefer.“ Diese werde speziell angefertigt und nachts getragen.

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Redaktion Siegen aus Siegen

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