Schlichthäuser: Aktivität kam spät

Ratsherrin Anny Daus engagiert sich seit Jahren – Am Schachtweg sind Handwerker tätig

Siegen. Anny Daus, Ratsherrin mit christdemokratischem Parteibuch, ist empört. Grund ihres Unmuts ist der Zustand der Notunterkünfte für Obdachlose in der Krönchenstadt. Drei der noch vier vorhandenen Gebäude stehen in der Südstadt, in Gosenbach, Niederschelden und Eiserfeld. Mit dem Geschick der Menschen, den Beschwerden aus dem Umfeld der „Schlichthäuser” und mit deren zunehmendem Verfall beschäftigt sich die Kommunalpolitikerin bereits seit Jahren. Anny Daus: „Ich kann nicht verstehen, wie eine Kommune ihr Eigentum derart verkommen lassen kann.”

Zu Jahresbeginn kam die Initiative aus dem politischen Raum ins Rollen. Auf Drängen von Anny Daus. Mindest-Standards für die Notunterkünfte sollten her. Die Verwaltung begab sich an die Arbeit. In der vergangenen Woche lag dem Sozialausschuss das Resultat vor. Knapp 700000 DM wären vonnöten, alle vier Gebäude mit insgesamt 22 Einheiten einigermaßen instand zu setzen. Doch: Das Geld steht nicht zur Verfügung. Der Ausschuss beschloss gegen die Stimme der Bündnisgrünen, die Obdachlosenunterkunft „Am Schlehdorn” zu verkaufen und die Einnahmen in die übrigen drei Häuser fließen zu lassen (die SZ berichtete).

„Seit Jahren setze ich mich dafür ein, dass sich an und in den Häusern etwas tut.” Mit aus der Sicht von Anny Daus mehr als mäßigem Erfolg. Nun sei der Verfall weit fortgeschritten. Zum Beweis führt sie zur Notunterkunft am Ende des Schachtweges in Gosenbach. Die nächsten Häuser – darunter schicke Neubauten – sind nur einige Meter entfernt. Das Gras ist ungemäht, die Holzbank im Wiesenbereich zerbrochen und vergammelt. Längs der Hauswand liegen leere Dosen, Stofffetzen, rostige Schlüssel und Papier. In den Kellerräumen stapelt sich der Abfall. Faulige Luft schlägt dem Besucher entgegen. Der Zutritt ist niemandem verwehrt. Die Türen stehen offen. „Dafür, dass das Gebäude abzuschließen ist, mache ich mich schon länger stark”, berichtet Anny Daus weiter. Nichts sei bislang geschehen.

Welche Überraschung im eigentlichen Quartiertrakt: Ein Handwerker ist aktiv. Durch eine halb offene Türe ist ein frisch in Weiß gekacheltes Bad zu sehen. Insgesamt wird die Unterkunft auf Vordermann gebracht. Anni Daus: „Hier hat ein Mann rund 30 Jahre lang gewohnt. Der ist fast vergessen worden.” Für sie ein Beweis: Notunterkünfte werden in Siegen beileibe nicht nur als Durchlauf bis zum nächsten festen Wohnsitz genutzt. Es tut sich etwas. Ein Schlosser trifft ein, nimmt das Gebäude in Augenschein, soll einen Auftrag ausführen. „Wer hat wohl die Aufträge vergeben”, fragt sich die Politikerin. „Wer bezahlt die Rechnungen?” Sie als Ratsfrau weiß nichts davon. Das städtische Haus „Am Schlehdorn” in Eiserfeld soll verkauft werden. Es steht leer. Das Grundstück ist ungepflegt. Mitten im Wohngebiet. Nach dem Verkauf bleiben 16 Notunterkünfte in Siegen. Ob die in Anbetracht anderweitig leerer Wohnungen überhaupt noch alle gebraucht würden, noch zeitgemäß seien, fragt sich die Kommunalpolitikerin. Sie selbst habe sich häufiger dafür eingesetzt, für von Wohnungsnot Bedrohte eine neue Bleibe zu finden.

Der städtische Abteilungsleiter Gerhard Häuser macht klar: „16 Notunterkünfte in Siegen sind vergleichsweise wenig.” Binnen kurzer Zeit könne sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt wandeln. Jetzt schon gebe es mehr Räumungsklagen. Allerdings, da stimmte er zu, in die Gebäude müsse investiert werden. In kleinerem Umfang sei das immer geschehen. Nur, gegen Vandalismus sei niemand gefeit. Eigentlich müsste ständig Geld fließen, um die Unterkünfte (wohlgemerkt keine Wohnungen!) auf Vordermann zu halten. „Es gibt Menschen, die hinterlassen verbrannte Erde.” Auch die hätten Anspruch auf ein Dach über dem Kopf. Das wird ihnen teilweise in Hotels gewährt. Etwa 50 DM pro Tag seien fällig. Vor allem bei Frauen, so Häuser, komme diese Variante in Betracht.

kk

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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